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Tagebuch vom Vogelschutzcamp auf Malta im Herbst 2008

Vom 13. September bis zum 2. Oktober 2008 hat das Komitee gegen den Vogelmord gemeinsam mit seinen maltesischen Partnerverbänden ein mit 24 Teilnehmern aus Italien, Groß-Britannien, Polen, Israel, Deutschland und den USA international besetztes Vogelschutzcamp durchgeführt. An dieser Stelle haben wir jeden Abend zwischen 20 und 22 Uhr über die Geschehnisse des Tages berichtet.

02.10.2008, Donnerstag

Der Donnerstag war sehr ereignisreich. In der Morgendämmerung hat ein Komiteeteam zwei Jäger an den Salinen im Norden der Insel erwischt. Die Männer hatten sich zur Jagd auf Wasservögel am Rande des Vogelschutzgebietes versteckt. Sie wurden gefilmt, es muß noch festgestellt werden, ob sie innerhalb oder außerhalb des Schutzgebietes waren. In der Aufregung verpaßten die beiden jedenfalls einen Silberreiher und eine Rohrweihe die unbeschadet vorüberflogen - keine Selbstverständlichkeit.
Etwas später dokumentierte ein Team bei Girgenti um 9:30 den Abschuß eines Wespenbussards. Der schwer verletzte Vogel konnte nicht eingefangen werden - er entkam, wird aber kaum überleben können. Auch heute morgen gab es wieder allerhand wüste Beschimpfungen - alles wie gehabt.
Am Nachmittag wurde bekannt, daß bei Mellieha erneut ein Schwarzstorch geschossen wurde - der Täter ist von der Polizei offenbar überführt worden!

01.10.2008, Mittwoch

Heute waren mehr unsere Teams als die Zugvögel im Visier der Jäger. Am Morgen wurden zwei deutsche Teilnehmer im Bereich der Dingli Cliffs angegriffen. Zunächst schimpften die bewaffneten Aggressoren nur lauthals und riefen "Heim Hitler", dann bewarfen sie die Vogelschützer mit Steinen. Auch am Abend wurden die Teams ständig angepöbelt - die maltesischen Jäger hatten sich auf einige schöne Jagdtage nach dem offiziellen Ende unseres Vogelschutzcamps gefreut und sind nun über unsere Anwesenheit völlig entsetzt.
Seit heute dürfen auch wieder 7 Finkenarten mit Netzen gefangen werden. Unsere Teams zählten im Westen Maltas weit über 200 besetzte Fanganlagen, in denen Vogelfänger mit riesigen Schlagnetzen auf die Vogelschwärme lauerten.

30.09.2008, Dienstag

Am heutige Dienstagmorgen gab es gegen 7:30 Uhr am Laferla Cross einen Zwischenfall. Eine besonders flach vom Schlafplatz abfliegende Rohrweihe wurde von den dort lauernden Jägern sofort unter Beschuß genommen. Der Vogel ging getroffen zu Boden. Als das in der Nähe postierte Komitee-Team versuchte, die Wilderer zu filmen, wurde es von einem wüst gestikulierenden und vor Wut schäumenden Jäger angegriffen. Mit knapper Not entgingen die beiden Vogelschützer den Attacken.
Der Nachmittag war sehr ruhig - heute ist der letzte Tag des Jagdverbotes ab 15 Uhr. Ab morgen dürfen die Jäger wieder Nachmittags schießen - ausgerechnet dann, wenn die meisten Greife einfliegen. Heute Nachmittag konnten jedenfalls fast 40 Rohrweihen, einige Wespenbussarde und zwei Dutzend Baumfalken in Buskett Gardens niedergehen, ohne behelligt zu werden.

29.09.2008, Montag

Heute ist der erste "Verlängerungstag" des Vogelschutzcamps. Am Morgen waren unsere Mitglieder im Bereich der Victoria Lines eingesetzt. Von den gestern Abend eingeflogenen Schreiadlern fehlte jede Spur. Entweder wurden die Vögel in der Nacht mit Hilfe von Schweinwerfern getötet - eine übliche Methode der maltesischen Jäger - oder sie sind heute Morgen sehr früh abgeflogen, was eher ungewöhnlich wäre.
Der Nachmittag und Abend war sehr ruhig. Den ganzen Tag über sind unsere Teams auf ungläubig dreinschauende Jäger getroffen. Die Abreise der "Bird Guards" wurde geradezu herbeigesehnt - jetzt stehen sie weiterhin an den wichtigsten Rasplätzen und bringen die Jäger und Wilderer zur Verzweiflung.

28.09.2008, Sonntag

Heute hätte der letzte Tag unseres großen Vogelschutzcamps auf Malta sein sollen. Da der Vogelzug noch immer stark ist und die maltesischen Jäger vollkommen außer Kontrolle geraten sind, haben wir den Einsatz verlängert. Mit kleinerer Besetzung werden wir nun möglichst bis zum Ende des Greifvogelzuges auf der Insel die wichtigen Rastplätze und Durchzugsgebiete kontrollieren!
In der Nacht hat ein Team Wache am Rohrweihenschlafplatz in Mizieb gehalten. Als die übernächtigten Vogelschützer am Morgen von einem anderen Team abgelöst wurden, begann die Polizei mit ständigen Streifenfahrten im Gebiet, so daß sich die Jäger nicht getraut haben, auf die Tiere zu schießen. Gegen 7:00 Uhr sind 70 Rohrweihen Richtung Afrika aufgebrochen. Etwas später wurde hier allerdings eine angeschossene Rohrweihe von Anwohnern gefunden.
Weniger Glück hatten die abreisenden Teammitglieder heute Morgen in den letzten Minuten auf der Insel. Vom Flughafen aus mußten sie tatenlos zuschauen, wie Jäger außerhalb des stark gesicherten Geländes Rohrweihen unter Beschuß nahmen - einer der Vögel ging tödlich getroffen zu Boden.
Am Abend kamen erneut 5 Schreiadler auf Malta an und landeten zum Schlafen im Bereich der Victoria Lines. Ein Massenaulauf von Jägern hat die begehrten Vögel beobachtet - nur der Präsenz der Komiteemitarbeiter und der Polizei ist zu verdanken, daß sie noch leben. Gefährlich wird vor allem der Abflug morgen früh, wenn hier Hunderte bewaffnete Wilderer lauern.

27.09.2008, Samstag

Das Massaker geht weiter. Morgens beobachteten 5 Komiteemitarbeiter, wie etwa 10 Jäger Greifvögel unter Beschuss nahmen, die über die Steilküste bei Ghar Lapsi auf das Meer hinausziehen wollten. Drei Abschüsse (2xRötelfalke, 1xEleonorenfalke) wurden direkt beobachtet; da das Gelände dort sehr schwierig einzusehen ist, gehen wir davon aus, dass zahlreiche weitere Tiere getötet wurden. Insgesamt wurden allein in diesem Gebiet zwischen 6 und 9 Uhr morgens mindestens 250 Schüsse gezählt, ohne das auch nur eine einzige legal jagdbare Vogelart (Turteltaube, Wachtel) zu sehen war.
Die vom Komitee alarmierte Polizei traf etwa 45 Minuten nach unserem Anruf ein. Zwei Beamte durchstreiften anschließend zu Fuß das Gebiet, ohne dass einer der Wilderer geschnappt werden konnte.
Zeitgleich beobachtete ein Team, wie unweit des Flughafens bei Luqa ein Turmfalke beschossen wurde, der verletzt auf unzugänglichem Gelände niederging. Hier wurden innerhalb von 2 Stunden mindesten 180 Schüsse gezählt.
Nachmittags trieben Regenwolken und Schauer zahlreiche Greifvögel auf die Insel – ausgerechnet an einem Samstag und ausgerechnet am Tag bevor die meisten unserer Aktivisten abreisen.
Bei Mizieb gab es heute Abend einen großen Einflug von etwa 30-50 Rohrweihen sowie mehreren Baum- und Eleonorenfalken. In der Abenddämmerung wurden 6 Jäger dabei beobachtet, wie sie die Schlafbäume der Tiere auskundschafteten und anschließend aufgeregt telefonierten. Da Wilderer in diesem Gebiet bereits dabei beobachtet wurden, wie sie nachts schlafende Greife mit Hilfe von Scheinwerfern abschossen, werden mehrere unserer Mitarbeiter dort schlafen, um im Notfall eingreifen zu können.
Ein weiteres, sehr trauriges Beispiel für den unglaublichen Schaden, den die maltesischen Wilderer jeden Tag auf Malta anrichten, wurde heute von Mitarbeitern von Birdlife Malta (www.birdlifemalta.org) gemeldet. Im Tal von Girgenti wurde gegen 17:30 Uhr ein Schreiadler (Bestand in Deutschland 2006: 109 Paare) abgeschossen. Einziger Lichtblick ist, dass die Polizei den Täter, der mit seinem Auto (und dem toten Adler) fliehen wollte, festgenommen hat.

26.09.2008, Freitag

Am vorletzten Tag des Vogelschutzcamps war es vergleichsweise ruhig - wegen des starken Nordwestwindes war der Vogelzug schwach. Dennoch wurden einige Dutzend Rohrweihen und Wespenbussarde beobachtet, ebenso wie einige Eleonorenfalken. Das ornithologische Highlight war ein Schreadler, der kurz vor der Abenddämmerung am Schlaflatz Buskett Gardens einflog. Da Schreiadler wie auch Schwarzstörche zum "Traum" eines jedes maltesischen Trophäen-Jägers gehören, hat die Polizei einen Streigfenwagen abgestellt, der den Vogel beim Flug über die Insel bis zur Landung auf dem Schlafbaum ständig begleitete!
Heute wurde bekannt, daß vor zwei Tagen ein Jäger von der Polizei festgenommen wurde. Die Beamten hatten beobachtet, wie der Mann auf einer Landstraße plötzlich anhielt, den Wagen mit laufendem Motor mitten auf der Straße stehen ließ und versuchte, auf einen überfliegenden Schwarm Schwarzstörche zu schießen!

25.09.2008, Donnerstag

Sensation des heutigen Tages war der Abflug von drei äußerst seltenen Schreiadlern (Aquila pomarina) vom Schlafplatz Buskett Gardens. Alle drei Tiere wurden bereits gestern beobachtet; zur Sicherheit der Tiere (Dieses Tagebuch wird auch von maltesischen Jägern gelesen) wurde diese Information allerdings bis heute zurückgehalten. Die drei Adler hatten sich zwei Baumgruppen zum Schlafen ausgesucht, die sie zwischen 18:30 und 19:00 Uhr anflogen. Da Wilderer in der Vergangenheit immer wieder schlafende Greifvögel mit Scheinwerfern aufgescheucht und abgeschossen hatten, setzte die maltesische Umweltpolizei extra eine Patrouille ein, die die ganze Nacht über im Gebiet Präsenz zeigte. Als zusätzliche Nachtwache für die Adler wurden 4 Komiteemitarbeiter eingeteilt, die gemeinsam mit maltesischen Vogelschützern in der Nähe der Schlafplätze die Nacht im Freien verbrachten. Glücklicherweise blieb bis zum Morgen alles ruhig, so dass heute morgen alle drei Tiere ungestört abfliegen konnten. Auf dem Weg zur Küste wurden die Tiere – wie sonst nur hohe Staatsgäste - von mehreren Polizeifahrzeugen begleitet, die von unseren Teams und Ornithologen von Birdlife Malta immer wieder über die aktuelle Position der seltenen Greifvögel informiert wurden. Ein Großeinsatz, der sich ausgezahlt hat: Gegen 10 Uhr wurde gemeldet, dass alle Adler sicher die Küste erreicht haben und Richtung Afrika unterwegs waren.
Der einzige negative Zwischenfall ereignete sich am frühen Abend im Tal von Girgenti, wo unsere Aktivisten in Anwesenheit der Polizei eine verletzte Rohrweihe bergen wollten. Ein aufgebrachter, vor Wut schäumender Mann – vermutlich ein Jäger - behauptete, dass es sich dabei um die einzigen Zugangsstraße um Privatbesitz handele und verbot unseren Mitgliedern, nach dem Vogel zu suchen. Das Tier wurde bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht mehr gesehen.

24.09.2008, Mittwoch

Das seit gestern Abend über Malta tobende Gewitter hat sich bis zum frühen Morgen über dem Archipel gehalten und viele Vögel gezwungen, ihre Rastplätze erst spät zu verlassen. Das Komiteeteam, das die Nacht in der Nähe der 11 südlich des Laferla Cross schlafenden Schwarzstörche verbracht hatte konnte melden, dass alles soweit ruhig geblieben ist. Unglücklicherweise beschlossen die Störche, am Morgen nicht direkt vom Schlafplatz auf das Meer hinauszufliegen, sondern in kleinen Gruppen flach einige Runden über der Insel zu drehen. Für mindestens 3 Tiere war das das Todesurteil. Bei Mizieb musste ein Komiteeteam tatenlos zusehen, wie eine Gruppe von drei Tieren aus dem Wald des dortigen „Jagdreservates“ der FKNK beschossen wurde, ein Tier ging dort zu Boden. Kurz vorher meldeten maltesische Vogelschützer den Abschuss von zwei weiteren Störchen bei Mdina und Zebbug. Eine sofort von der Polizei eingeleitete Großfahndung nach den Tätern blieb leider erfolglos. Parallel dazu versuchte ein Komiteeteam im Wald bei Mizieb, das dort abgeschossene Tier zu bergen, wurde jedoch von schimpfenden Jägern (Go home to Germany etc.) unter Androhung von Waffengewalt daran gehindert.
Der gestern vom Komitee gefilmte Abschuss eines weiteren Schwarzstorches unterhalb der Dwejra Lines hat heute für viel Wirbel in der Maltesischen Tagespresse gesorgt. Das bei Youtube eingestellte Video wurde bis heute Abend mehr als 1800 mal heruntergeladen. Trotz intensiver Ermittlungen konnte auch hier bisher kein Täter ermittelt werden.
Ein weiteres Komiteeteam führte die Umweltpolizei heute Nachmittag zu einer illegalen Netzfanganlage für Wachteln, die sie auf einem Privatgrundstück im Süden Maltas entdeckt hatten. Gegen den Besitzer wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

23.09.2008, Dienstag

Der heutige Tag war vergleichsweise ruhig: Um 7 Uhr morgens beobachtete ein Komitee-Team im Norden der Insel den Abschuß eines großen, nicht näher bestimmten Watvogels. Die Täter blieben unentdeckt, eine Suche nach dem Vogel in dem unwegigen Gelände war erfolglos. Nach dem täglichen 15 Uhr-Jagdverbot fielen nördlich der Dingli Cliffs insgesamt 5 Schüsse.
Um 14 Uhr erreichte uns die Nachricht, daß 12 Schwarzstörche - von Sizilien kommend - auf der nördlich gelegenen Insel Gozo eingetroffen seien. Rund 2 Stunden später sichteten die Komitee-Teams die ankommenden Vögel im Norden Maltas - allerdings waren es nur noch 11. Auf ihrem Weg zum Rastplatz Buskett Gardens wurde der Trupp ständig von einem Polizeifahrzeug begleitet, um weitere Abschüsse zu verhindern - ein wohl weltweit einzigartiger Vorgang! Wegen eines heftigen Gewitters landeten die Vögel unbeschadet etwas Abseits des Rastplatzes. Komitee, Birdlife und Polizei stellten Teams ab, um die Störche in der Nacht zu bewachen.
Am Rastplatz Buskett Gardens gingen unterdessen zahlreiche Zugvögel nieder. Neben einigen Dutzend Wespenbussarden und Rohrweihen wurden auch Fischadler, Eleonoren- und Rötelfalken sowie ein Trupp von über 1.000 Bienenfressern beobachtet.
Unser am gestrigen Abend erstelltes Videomatetrial vom Abschuß eines streng geschützten Shwarzstorches war heute Tagesthema Nr. 1 auf Malta. Die Tageszeitung "Times of Malta" veröffentlichte das Beweismaterial auf ihrer Homepage, die Abendnachrichten zeigten den Abschuß und berichteten ausführlich.
Um den immer schlimmere Formen annehmenden Jagdauswüchsen Einhalt zu gebieten, hat das Komitee gegen den Vogelmord heute in einem Brief an Maltas Premierminister Dr. Gonzi einen "5 Punkte-Plan" vorgelegt, der u.A. ein sofortiges Ende der diesjährigen Jagdsaison und die Ausweisung von jagdfreien Vogelschutzgebieten vorsieht. Das Büro des Premiers beauftragte den maltesischen Polizeichef daraufhin mit Ermittlungen in den von uns aufgezeigten Mißständen.

22.09.2008, Montag

Heute morgen waren Teams in den Bereichen Siggiewi, Dingli-Cliffs und Dwejra Lines postiert. Ein weiteres Team setzte mit der Fähre nach Gozo über, um dort einen Rastplatz im Norden der Insel zu überwachen. Kurz nach 8 Uhr meldete das Team Dingli den Abschuss eines Falken (wahrscheinlich ein Baumfalke), der schwer verletzt auf einem Gelände neben der Pulvich Explosive Factory landete. Da es sich bei dem Feld um Privatgelände handelte, wurde die Polizei verständigt, die den Bereich mit zwei Beamten absuchte – leider ohne Erfolg.
Am Nachmittag konnten 1 km nördlich von dieser Stelle (bei Il-Qaws) zwei Jäger beobachtet und gefilmt werden, die trotz Jagdverbotes (nach 15 Uhr) unweit der Küste mehrere Dutzend Schüsse abgaben. Mindestens 4 Vögel wurden getötet und anschließend von Hunden apportiert. Eine Patrouille der A.L.E. wurde verständigt und versuchte, die Wilderer zu schnappen, was sich in dem felsigen Gelände als extrem schwierig erwies. Beide Täter verschwanden zwischen den Felsen und konnten sich dort bis Einbruch der Dunkelheit verstecken.
Trauriger Höhepunkt des heutigen Tages war der Abschuss eines Schwarzstorches östlich von Mgarr, den ein Komiteeteam am abend von den Dwejra Lines aus beobachten und auf Video dokumentieren konnte. Das Material zeigt, wie der Storch getroffen zu Boden fällt und anschließend vom Schützen eingesammelt wird. Zu diesem Zwischenfall wird das Komitee eine eigene Pressemeldung ("Black Stork down") herausgeben, die – wie auch das Video vom Abschuss – in Kürze auf unserer Homepage zu finden sein wird.

21.09.2008, Sonntag

Heute war ein vergleichsweise ruhiger Tag. Ab 6:00 Morgens war ein Team unserer Bird Guards am Laferla Cross, um dort den Abflug der Greifvögel aus dem gegenüberliegenden Schutzgebiet Buskett Gardens zu überwachen. Etwa ein Dutzend Wespenbussarde und mehrere Falken verließen zwischen 7 und 9 Uhr den Schlafplatz, ohne dass auf sie geschossen wurde. Etwa 20 Minuten später wurde eine Blauracke (die erste, die während dieses Einsatzes beobachtet wurde) gesichtet, die flach in Richtung Dingli Cliffs vorbeiflog und dabei unter Beschuss geriet, jedoch nicht getroffen wurde.
In der Nähe von Birzebugga wurden Komiteemitarbeiter von Touristen angesprochen, die kurz zuvor beobachtet hatten, wie ein Jäger einen Greifvogel (vermutlich einen Falken) abgeschossen hatte. Trotz intensiver Suche in dem entsprechenden Gebiet konnte der Vogel nicht gefunden werden.
Ansonsten wurde Malta heute von relativ wenigen Greifvögeln angeflogen, was hauptsächlich auf den zur Zeit vorherrschenden Nordwind zurückzuführen ist, der den Großteil der Zugvögel „in einem Rutsch“ über das Mittelmeer gebracht hat. Bei Buskett und Mizieb wurden von unseren Teams im Laufe etwa 20-30 Greifvögel, darunter Rohrweihen, Wespenbussarde und einige Baum- und Turmfalken gezählt. Das Jagdverbot nach 13:00 Uhr (Regelung für Sonntage) wurde weitgehend befolgt, was sicher auch auf die unzähligen Familien zurückzuführen ist, die den heutigen Unabhängigkeitstag Maltas für ein Picknick oder Barbecue in der freien Natur genutzt haben. Lediglich bei Mgarr und Birzebugga wurden insgesamt 8 Schüsse am Nachmittag registriert.

20.09.2008, Samstag

Während gestern Abend noch das Großaufgebot von Polizei und Vogelschützern ein Massaker an den über 1.000 Greifvögeln verhindern konnten, war am heutigen Samstag kein Halten mehr:
Bereits in der Nacht haben Wilderer mit Scheinwerfern an einem kleinen Rohrweihen-Schlafplatz nahe Xemxija gejagt, hier fielen ein Dutzend Schüsse. Glaubwürdigen Aussagen zufolge muß es in der Nacht im FKNK-Jagdgebiet Mizieb einen weiteren Zwischenfall gegeben haben - dort soll ein Jäger mit Hilfe von Scheinwerfern gezielt einen Fischadler getötet haben.
Am Morgen haben die FKNK-Jäger in Mizieb eine wahre Schießorgie veranstaltet und den dortigen Rohrweihen-Schlafplatz aufgerieben. Über 40 Personen haben in dem offiziellen Jagdgebiet die 120 dort schlafenden Weihen unter Beschuß genommen. Zwei Teams des Komitees sahen 6 Vögel zu Boden gehen, weitere 20 wurden getroffen und flogen verletzt davon - sie werden es nicht bis Afrika schaffen. Erst die vom Komitee gerufene Polizei konnte etwas Ruhe ins Gebiet bringen,. wobei einige Schüsse auf Weihen auch noch in Anwesenheit der Beamten fielen! Zwei weitere Teams des Vogelschutzcamps haben den Schlafplatz bei Rabat bewacht, an dem es bereits gestern Abend zu tödlichen Schüssen auf geschützte Greife kam. Hier haben die Jäger rücksichtslos in die panisch auffliegenden Rohrweihen geschossen und den Rastplatz damit weitgehend ausgelöscht. Der Abschuß von drei Vögeln wurde beobachtet. Hier war - wie in Mizieb - das Problem, daß ein Großteil der Fläche wegen Privatgrundstücken unzugänglich und weite Teile damit nicht einsehbar waren. Gestern Abend schliefen hier noch 30 Rohrweihen, heute flogen nur noch 10 davon!
In Buskett Gardens gelang der Polizei die Festnahme eines Jägers, der einen Wespenbussard geschossen hatte, das Tier lebte noch und wurde in unsere Auffangstation verbracht.
Wir müssen davon ausgehen, daß heute weit mehr als 100 Rohrweihen, Wespenbussarde, Falken und Adler von Maltas Jägern illegal geschossen wurden - ein dramatischer Tag für den Natur- und Artenschutz in ganz Europa!
Der Nachmittag war dagegen sehr ruhig. In der Nähe von Dingli fielen gegen 17:55 Uhr 3 Schüsse, bei Rabat schoß ein Jäger einmal gegen 18:45 Uhr.

19.09.2008, Freitag

Der heutige 19. September war keine guter Tag für die Zugvögel auf Malta.
Morgens um 6:33 Uhr fielen im FKNK-Jagdgebiet Mizieb (bei Mellieha) insgesamt 5 Schüsse auf zwei abfliegende Wespenbussarde - die Vögel wurden nicht getroffen und konnten rasch an Höhe gewinnen. Um 6:41 Uhr schossen mindestens 2 Jäger 6 Mal auf einen Turmfalken an der "Blue Grotto" (bei Zurrieq), der Vogel fiel tot zu Boden. Wenig nördlich davon feuerte ein Jäger um 7:44 Uhr auf eine Rohrweihe, die verletzt entkam. Um 9:05 Uhr gaben 3 Jäger am Schlafplatz Buskett Gardens mehrere Schüsse auf einen Wespenbussard ab, der getroffen zu Boden ging. Der Vogel konnte von den herbeigeeilten Komitee-Mitgliedern nicht gefangen werden - er flog immer wieder davon.
Am Mittag begann mit einsetzendem Südwestwind ein starker Greifvogeleinflug. Bis zur Dämmerung sind über 1.000 Greife eingetroffen - vornehmlich Rohrweihen und Wespenbussarde, aber auch Turm-, Rötel- und Eleonorenfalken sowie Steppenweihen und Fischadler.
Am Greifvogelschlafplatz Buskett Gardens fielen in der Zeit von 16:15 Uhr bis 19:10 Uhr insgesamt 11 Schüsse, obwohl die Jagd ab 15 Uhr verboten ist. Es ist anzunehmen, daß auf Greifvögel geschossen wurde. Dutzende Jäger hatten sich hier versammelt, um für morgen früh die beste Schußposition herauszufinden - daß es nicht zu einem Massaker kam, ist nur der starken Präsenz von Vogelschützern und Polizei zu verdanken.
An einem kleinen Schlafplatz bei Rabat schoß um 18:10 Uhr ein Jäger vor den Augen eines Komitee-Teams 2 Rohrweihen ab. Bei der Bergung der toten Vögel konnte er gefilmt werden. Um 19:20 Uhr feuerte dort ein anderer Jäger auf die bereits gelandeten Weihen - sein Fluchtwagen konnte gefilmt werden, das Kennzeichen ist bekannt.
Unserer Auffangstation der International Animal Rescue wurde am Nachmittag ein angeschossener Wespenbussard aus der Gegend um Buskett eingeliefert.

18.09.2008, Donnerstag

In der Nacht war ein Team im Einsatz und hat im Bereich der Delimara-Halbinsel im äußersten Süden Maltas insgesamt 8 illegale Tonbandgeräte zum Anlocken von Wachteln ausfindig machen können.
In den Morgenstunden haben 6 Teams die Brennpunkte der Wilderei im Norden und Westen der Insel kontrolliert - es blieb vollkommen ruhig. Nachmittags setzte erstmals seit Tagen der Vogelzug richtig ein: An der Westküste konnten mehrere Dutzend Rohrweihen, Wespenbussarde, Turm-, Lanner-, Baum- und Eleonorenfalken, Schwarzmilane, Graureiher sowie Steinschmätzer, Wiedehopfe und selbst zwei Baßtölpel beobachtet werden.
Das Jagdverbot ab 15:00 Uhr wurde weitgehend eingehalten - bei Barhija konnte gegen 17:30 Uhr 1 Schuß registriert werden, im Jagdgebiet "Mizieb" der maltesischen Jägerschaft bei Mellieha fielen gegen 18:00 Uhr 8 Schüsse. Hier kehrte schnell Ruhe ein, nachdem die vom Komitee alarmierte Umweltpolizei A.L.E. dort Patrouille fuhr.
Die maltesische Tagespresse berichtete heute ausführlich über unseren Aufgriff des Limikolenfängers von Barhija vom 16.09..

17.09.2008, Mittwoch

Auch heute waren wieder sechs Teams des Komitees gegen den Vogelmord im Einsatz.
Am Morgen gab es keinerlei Zwischenfälle. Zwischen 9:00 und 11:00 Uhr wurden die gestern Abend beschlagnahmten Wat- und Singvögel von Mitarbeitern der Polizei, des Komitees und der maltesischen Umweltbehörde MEPA im Naturschutzgebiet "El Gadhira" freigelassen (lesen Sie mehr dazu hier). Gegen Mittag beobachtete ein Team bei Barhija im Westen Maltas eine Rohrweihe mit vollkommen zerschossenen Flügeln, die zwar noch flugfähig war, es aber kaum bis nach Afrika schaffen wird. Wenig später fand die Polizei in der Stadt Mgarr eine angeschossene Rohrweihe. Der Vogel wurde von den Beamten in die Auffangstation unseres Partnerverbandes IAR eingeliefert.
Auch heute Abend wurde das Jagdverbot nach 15:00 Uhr von den Jägern beachtet - der Durchzug ist allerdings auch weiterhin schwach, so daß sich die Wilderei kaum lohnt. Am Abend präsentierte das Komitee einen Vortrag über Greifvogelschutz in Deutschland - der stellvertretende Botschafter Deutschlands auf Malta zählte zu den Gästen.
Welchen Stellenwert der Vogelschutz inzwischen in der maltesischen Öffentlichkeit besitzt, zeigte sich am Nachmittag in Mellieha, wo am Badestrand ein Flamingo landete. Statt von schießwütigen Jägern verfolgt zu werden - wie noch vor wenigen Jahren selbstverständlich - wurde der seltene Vogel zur Attraktion für Dutzende Badegäste, die interessiert zusammenliefen!

16.09.2008, Dienstag

In der Nacht waren drei Teams unterwegs, um illegale Lockanlagen für Wachteln zu suchen. Im Norden und Westen der Insel konnten insgesamt 19 der Tonbandgeräte ausgemacht werden.
Um 6:40 Uhr beobachtete ein Team nahe des Schutzgebietes Buskett Gardens, wie eine Gruppe Jäger auf einen Trupp von 12 Nachtreiher schoß. Keine Minute später bestand der kleine Schwarm nur noch aus 11 Tieren! Um 6:52 flog im Jagdgebiet der maltesischen Jägerorganisation FKNK eine einzelne Rohrweihe, die dort übernachtet hatte, auf. Binnen Sekunden feuerte ein Dutzend Jäger auf das Tier, das getroffen wurde, aber entkommen konnte. Um 8:25 schossen an den Victoria Lines drei jugendliche Jäger auf einen kleinen Trupp Flussregenpfeifer, einer der Watvögel wurde tödlich getroffen. Bei Birzebugga im Süden Maltas wurden zwei deutsche Komiteemitglieder von aufgebrachten Jägern angegriffen, es blieb aber bei wüsten Beschimpfungen.
Der Nachmittag war erneut sehr ruhig. Alle sechs Teams konnten keine Jäger ausfindig machen, es wurden keine Schüsse registriert. Am späten Abend konnte die Umweltpolizei nach einem Hinweis des Komitees 75 geschützte Wat- und Singvögel bei einem Vogelfänger beschlagnahmen - mehr dazu lesen Sie hier.
Während des Einsatzes tragen alle Komitee-Aktivisten auffällige T-Shirts, auf denen in großen gelben Buchstaben "CABS Bird Guard" geschrieben steht. Alle Befürchtungen, diese Kleidung könnte zusätzliche Konflikte mit den ohnehin schon genervten Jägern auslösen, erwiesen sich als falsch. Ganz im Gegenteil: Täglich werden wir von begeisterten Maltesern und Touristen angesprochen, die uns für unseren Einsatz danken oder - nachdem sie uns auf das T-Shirt angesprochen haben - mit uns über den Schutz der Zugvögel in Europa diskutieren.

15.09.2008, Montag

Auch der heutige Montag war witterungsbedingt ruhig - die sechs Komitee-Teams haben vor allem Präsenz gezeigt.
Am frühen Morgen gegen 6:30 fielen wenig nördlich von Zurrieq 8 Schüsse auf einen Schwarm aus ca. 30 Bienenfressern. Als die Jäger die Komiteemitglieder bemerkten, hörte die Schießerei sofort auf, so daß drei Rohrweihen und ein Wespenbussard, die um 6:45 vorüberflogen, ungehindert weiterziehen konnten. Um 12:10 Uhr feuerte ein Jäger bei Siggiewi auf einen nicht näher bestimmten Großfalken, ohne ihn zu treffen. Auf der Marfa-Ridge im Norden Maltas wurden drei illegale Tonbandgeräte zum Anlocken von Wachteln gefunden.
Seit heute (15.09.) gilt das Nachmittags-Jagdverbot ab 15:00 Uhr, das die maltesische Regierung für die Hauptzeit des Greifvogel-Durchzugs verhängt hat. Es gilt bis einschließlich 30.09.2008. Am heutigen Montag haben sich die Jäger weitgehend daran gehalten, lediglich bei Mgarr (19:00 Uhr, 1 Schuß) und nahe Buskett (18:00 - 19:00 Uhr, 2 Schüsse) wurde die Jagdruhe gebrochen.

14.09.2008, Sonntag

Heute waren fünf Teams des Komitees im Einsatz. Am Morgen wurden alle "Bird Guards" großflächig um den Greifvogel-Schlafplatz Buskett Gardens verteilt. Dank der Präsenz von Vogelschützern und Polizei konnten ein Dutzend Rohrweihen ungehindert abfliegen. Als gegen 9:00 Uhr allerdings rund 100 Bienenfresser den wenig südlich liegenden Hügel am Laferla Cross überflogen, begann eine wilde Schießerei; die dort postierten Jäger hatten offenbar das Feuer auf die begehrten - weil bunten - Vögel eröffnet.
Nahe Buskett geriet ein Team aus deutschen Komiteemitgliedern an eine Gruppe aggressiver Jäger - nach einigen Handgreiflichkeiten konnte die gerufene Polizei die Situation beruhigen.
Der Nachmittag war wegen gewittrigem und stürmischem Wetter sehr ruhig - zumal Sonntags die Jagd ab 13 Uhr verboten ist. Trotzdem fielen nördlich von Zurrieq im Westen der Insel gegen 16:20 drei Schüsse auf einen Trupp unbestimmter Großfalken (vermutlich Saker- oder Lannerfalken), die aber vermutlich unverletzt entkamen. Wenig später fielen drei weitere Schüsse.

13.09.2008, Samstag

Die ersten Teilnehmer des großen Vogelschutzcamps landen Mittags auf der Insel. Am Nachmittag überwachen zwei Teams die Jagd im Norden der Insel nahe Manikata und Buskett.
Am Greifvogel-Rastplatz Buskett Gardens beobachten zahlreiche Jäger den Einflug mehrerer Dutzend Rohrweihen und Wespenbussarde - sie versuchen, den besten Jagdplatz für den kommenden Morgen auszuloten. Auf zwei Rohrweihen wird geschossen, obwohl das Komitee-Team wie auch Naturfreunde von Birdlife ganz in der Nähe stehen!
Nördlich von Manikata kann ein Komitee-Team beobachten, wie zwei auf den Küstenklippen stehenden Jäger auf Turmfalken schießen - zwei Vögel fallen getroffen zu Boden. Ein weiteter Jäger - kaum 20 Jahre alt - schießt fortwährend auf Rauchschwalben. Die umgehend alarmierte Polizei kommt leider zu spät.