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Die Zugvogelschutzcamps in Süditalien

Ischia, Procida, Giglio und Ponza - vier Inseln, vier Camps

Wilderversteck in einer Höhle: Italienische Komiteemitarbeiter finden eine illegale JagdwaffeWilderversteck in einer Höhle: Italienische Komiteemitarbeiter finden eine illegale JagdwaffeWenn im Frühling die Zugvögel aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurückkehren, lauern vor allem entlang der Westküste Süditaliens und auf den davor liegenden Inseln Tausende Vogelfänger und Jäger auf die gefiederten Heimkehrer.

Seit 1993 veranstaltet das Komitee in jedem Frühling ein Zugvogelschutzcamp auf der Insel Ischia – dem Brennpunkt der Wilderei im Süden der Apenninhalbinsel. Jeweils von etwa Mitte April bis Mitte Mai sind zwischen 25 und 35 Komiteemitglieder auf der Insel im Einsatz. Im Frühling 2008 wurde erstmals auch die berühmte Amalfiküste mit abgedeckt - auch hier stehen Fallen und Netze für den Singvogelfang. Ein Großteil der Teilnehmer sind lizenzierte Jagdaufseher unserer Partnerverbände.

Tagsüber steht das Absammeln von illegalen Drahtfallen zum Fang von spätziehenden Insektenfressern wie Braunkehlchen und Nachtigallen auf dem Programm. In der Dämmerung legen sich die Aktivisten an bekannten Brennpunkten der Wilderei auf die Lauer und warten dort auf die Jäger. Hören sie einen Schuß oder sehen einen bewaffneten Wilderer, verfolgen sie den Täter und versuchen, ihn auf frischer Tat zu stellen. Jede Nacht stweht im Zeichen der Suche nach elektronischen Lockvögeln – verbotenen Tonbandgeräten, die vor allem durchziehende Wachteln vor Schießstände locken sollen.

Braunkehlchen in SchlagfalleBraunkehlchen in SchlagfalleDie kleine Insel Procida, gelegen vor den Toren der Millionenstadt Neapel, ist ein weiteres Zentrum Zugvogeljagd in Süditalien. Auf der kaum 4 Quadratkilometer messenden Insel wohnen mehr als 10.000 Menschen. In einem Gewirr von kleinparzellierten, unübersichtlichen Grundstücken treiben Dutzende Wilderer ihr Unwesen. Bislang wurde Procida von den Teilnehmern des Vogelschutzcamps auf Ischia mit betreut. Doch jedes Mal, wenn die Fähre am Hafen anlegte und die Naturschützer die Insel betraten, alarmierten aufmerksame "Eingeborene" die Jäger, so daß die Einsätze meist wenig erfolgreich waren. Seit 2007 finden auf Procida daher separate Vogelschutzcamps statt, die ausschließlich vom Komitee gegen den Vogelmord finanziert werden.

Auf den weiter nördlich gelegenen Inseln Ponza und Giglio (Latien) sind an rund drei Wochen im Frühling Mitglieder unserer Partnerorganisation LAC im Einsatz. Die Inseln liegen im Gegensatz zu Ischia und Procida weit draußen im Meer und sind lebenswichtige Trittsteine für Vögel, die versehentlich zu weit westlich vom Festland ziehen. Mehrere Hundert Jäger gehen hier mit Fallen, Netzen und der Flinte auf die Pirsch. Zudem werden in großem Stil brutale Drahtschlingen für den Fang von Wildkaninchen verwendet.
Die vornehmlich italienischen Naturfreunde sammeln jedes Jahr Hunderte Schlagfallen und ein Dutzend Netze ein, bauen Tonbandgeräte ab und lauern Jägern an der unzugänglichen Küste der Insel auf. Auch sie setzen seit einigen Jahren Jagdaufseher ein und haben erreicht, daß die Wilderei spürbar zurückgeht.

Bei vielen der Einsätze stehen Beamte der lokalen Forstpolizei oder der Carabinieri zur Verfügung, um bei Verhaftungen oder Beschlagnahmen zu helfen. Auf Ponza ist zusätzlich die Provinzpolizei von Latien im Einsatz. In jedem Jahr werden im Laufe unseres Zugvogelschutzcamps in Süditalien rund 200 Schlagfallen, ein Dutzend Netze und bis zu 30 elektronische Lockvögel eingesammelt. Die Jagdaufseher beschlagnahmen meist mehr als 15 Flinten und einige Tausend Schuß Munition.

Die Kosten für die Aktionen in Süditalien in Höhe von jährlich rund 7.000 Euro finanziert das Komitee gegen den Vogelmord aus in Deutschland eingesammelten Spendengeldern. Die Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur unterstützt uns jedes Jahr bei der Finanzierung unserer Zugvogelschutzcamps in Süditalien.

Wenn Sie unsere Vogelschutzcamps unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende ... oder Sie schicken einfach eine Charity-SMS.