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Pressemeldung 23.11.2011

Schock-Video dokumentiert Zugvogel-Massaker in Italien

Jäger töten innerhalb weniger Stunden tausende Singvögel


Auf dem Colle San Zeno haben italienische Jäger im Oktober 2011 ein Zugvogel-Massaker angerichtetAuf dem Colle San Zeno haben italienische Jäger im Oktober 2011 ein Zugvogel-Massaker angerichtetBonn/Mailand. Ein Video schockiert Vogelfreunde in ganz Europa. In Italien haben Jäger vor den Augen protestierender Vogelschützer mehrere Tausend Singvögel abgeschossen und sich ungeniert dabei filmen lassen. Schauplatz des Vogel-Massakers und Drehort des unglaublichen Materials ist der 1.400 Meter hohe Colle San-Zeno, einer der wichtigsten Vogelzug-Korridore in den Südalpen.

Unter Lebensgefahr hatten sich Mitglieder des Bonner Komitees gegen den Vogelmord und der Mailänder Liga zur Abschaffung der Jagd (LAC) dort im Oktober an mehreren Tagen zwischen die Jäger und die morgens in großen Schwärmen über den Pass ziehenden Vögel gestellt. Doch anstatt die Jagd abzubrechen, feuerten die Schützen hemmungslos drauf los. „Es war völlig surreal. Pro Stunde fielen rund 1.500 Schüsse. Überall lagen tote oder schwer verletzte Vögel herum. Teilweise fielen die getroffenen Tiere direkt in unsere Beobachtergruppe hinein und Schrot prasselte auf uns herab“ schildert Komiteemitarbeiter Dr. Andrea Rutigliano die Situation.

Geschossener Kernbeißer - ein Opfer der wilden Schießerei am Colle San ZenoGeschossener Kernbeißer - ein Opfer der wilden Schießerei am Colle San ZenoMit Videokameras filmten die Vogelschützer die Schießorgie, an der etwa 100 Männer beteiligt waren und bei der nach Schätzungen von anwesenden Jagdaufsehern mindestens 10.000 Wiesenpieper, Buchfinken, Bergfinken und Kernbeißer getötet wurden. Das Komitee gegen den Vogelmord hat heute Sequenzen aus dem insgesamt mehrere Stunden langen Material auf seinem Youtube Kanal veröffentlicht. Der Film ist unter "Youtube: Zugvogelmassaker am Colle San Zeno" abrufbar und zeigt in aller Ausführlichkeit, wie innerhalb weniger Stunden Tausende Vögel auf einem einzigen Gebirgspass sterben. „Wenn man daran denkt, dass es allein in der Lombardei hunderte solche Pässe und mehr als 86.000 Jäger gibt und die Jagdsaison mehrere Monate lang dauert, wird einem schwindelig“, so Rutigliano.

„Der eigentliche Skandal ist, dass niemand für diesen Naturfrevel zur Rechenschaft gezogen werden kann“, so Graziella Zavalloni, Sprecherin der LAC. Denn obwohl der Abschuss dieser vier Vogelarten von der EU verboten wurde, hat die Regionalregierung in Mailand den Abschuss von Piepern, Finken und Kernbeißern mit einem Sondergesetz auch in diesem Jahr wieder erlaubt. „Das ist ein klarer Verstoß gegen die Vogelschutzrichtlinie“, so Zavalloni.

Ohne Rücksicht auf Verluste: Inmitten von Vogelschützern schossen die Jäger am Colle San Zeno auf ZugvögelOhne Rücksicht auf Verluste: Inmitten von Vogelschützern schossen die Jäger am Colle San Zeno auf ZugvögelDas sieht auch der Europäische Gerichtshof in Luxemburg so, der Italien wegen der Freigabe dieser Arten für die Jagd bereits im Juli 2010 verurteilt hatte. Das Komitee gegen den Vogelmord hat heute eine weitere Umweltbeschwerde angekündigt und will das auf dem Colle San-Zeno erstellte Material als Beweis für massiven Missbrauch bei der EU-Kommission einreichen.
Parallel dazu hat der Verband alle Vogel- und Naturfreunde dazu aufgerufen, bei der neuen Regierung in Rom gegen die jedes Jahr in den italienischen Alpen stattfindenden Massaker zu protestieren. Die Adresse von Umweltminister Corrado Clini sowie eine vorgefertigte Protestmail finden Sie hier.

V.i.S.d.P. und Kontakt für weitere Informationen und Videomaterial: Komitee gegen den Vogelmord, Axel Hirschfeld (Pressesprecher), An der Ziegelei 8, 53127 Bonn, Tel. 0179 480 3805 oder 0228/665521