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Wilderei-Statistik 2013

Übersicht zu allen in Italien bekannt gewordenen Fällen von Wilderei aus dem Zeitraum 01.02.2013 – 31.01.2014


Forstpolizisten mit sichergestellten "Tiefkühl-Sperlingen"Forstpolizisten mit sichergestellten "Tiefkühl-Sperlingen"Seit dem Jahr 2011 veröffentlicht das Komitee gegen den Vogelmord in Kooperation mit seinem italienischen Partnerverband LAC einmal jährlich zum Ende der Jagdsaison (31.01.) eine Zusammenfassung aller in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Fälle von Wilderei des Vorjahres. Hierfür werden Pressemitteilungen der Behörden ebenso ausgewertet wie schriftlich niedergelegte Berichte von Jagdaufsehern, Zeitungsartikel aller Art und die Resultate unserer Vogelschutzcamps. Das wichtigste Ziel dieser Erhebung ist die mit ihr verbundene Öffentlichkeitsarbeit. Unsere Analyse wird italienweit von den Medien aufgegriffen und trägt so zu einer besseren öffentlichen Aufmerksamkeit für die Problematik und zur Meinungsbildung bei. Darüber hinaus zeigen die Zahlen sehr anschaulich, welche Vergehen wie weit verbreitet, wo die regionalen Schwerpunkte und wieviele Jagdscheininhaber beteiligt sind.

Die komplette Analyse und alle Daten zu jedem einzelnen Fall finden Sie unten als PDFs zum Download (auf Italienisch).

Eckdaten: Anzahl der Fälle

Im Erfassungszeitraum 01.02.2013 – 31.01.2014 wurden 548 Fälle von Wilderei bekannt. Involviert waren insgesamt 1.133 Personen. 72,2 % (818 Personen) haben dabei illegal Vögeln nachgestellt, die restlichen 27,8 % (315 Personen) Säugetieren.

Art der Vergehen

  • 22 % - Verwendung elektronischer Lockgeräte bei der Vogeljagd
  • 20 % - Abschuss streng geschützter Arten
  • 12 % - Jagd in jagdfreien Schutzgebieten
  • 11 % - Abschuss geschützter Arten (nicht streng geschützter!)
  • 11 % - Verwendung von Fallen oder Netzen
  • 10 % - Jagd außerhalb der Jagdzeit
  • 6 % - Jagd während der Nacht
  • 5 % - Verwendung illegaler Waffen bei der Jagd
  • 3 % - andere Vergehen (Verwendung von Gift, Jagd aus Fahrzeugen etc.)

Anzahl der Jagdscheininhaber unter den Wilderern

80 % aller Fälle von Wilderei werden in Italien von Jagdscheininhabern begangen!80 % aller Fälle von Wilderei werden in Italien von Jagdscheininhabern begangen!80,6 % der 1.133 der Wilderei überführten Personen hatten einen gültigen Jagdschein. 15,5 % waren Nicht-Jäger, bei 3,9 % war diese Frage nicht eindeutig geklärt worden. Diese Zahlen belegen einmal mehr, dass die Wilderei eine Begleiterscheinung der Jagd ist. Eine Trennung zwischen Jägern und Wilderern à la Hermann Löns existiert in der Realität nicht.
Eine andere Zahl unterstreicht diese Erkenntnis: 80 % der Fälle wurde während der Jagdzeit verübt, also dem Zeitraum, in dem die Jäger legal mit Waffe in Gelände anwesend sind.

Regionale Schwerpunkte

Italien ist in 110 Provinzen aufgeteilt. In 90 Provinzen wurden Fälle von Jagdvergehen bekannt. Die „Top 10“ spiegeln sehr schön die allgemein als Brennpunkte bekannten Gebiete wieder:

  • Brescia (Lombardei): 8%
  • Salerno (Kampanien): 7%
  • Caserta (Kampanien): 5%
  • Bergamo (Lombardei): 5%
  • Reggio Calabria (Calabrien): 5%
  • Foggia (Apulien): 4%
  • Cosenza (Calabrien): 3%
  • Cagliari (Sardinien): 3%
  • Lecce (Apulien): 3%
  • Neapel (Kampanien): 3%

Betroffene Arten

Geschossene Heilige IbisseGeschossene Heilige IbisseIn Italien wird zwischen geschützten und streng geschützten Arten unterschieden. Arten wie etwa die meisten Finken, die lange Zeit jagdbar waren und erst seit wenigen Jahren nicht mehr geschossen werden dürfen, gelten lediglich als geschützt. Sie zu töten ist eine minderschwere Straftat. Alle anderen nicht jagdbaren Tierarten sind streng geschützt.
Bei den bekannt gewordenen Fällen sind 171 Tiere streng geschützter Arten betroffen gewesen. Aufgrund der fehlenden Sachkenntnis von Zeugen oder Behörden oder aufgrund von Ungenauigkeiten in den Zeitungsartikeln sind viele Tiere nicht genau den Arten zuzuordnen:

  • 121 Greifvögel
  • 21 Wölfe (11 geschossen, 4 vergiftet, 6 mit Fallen gefangen)
  • 9 Reiher und Ibisse (darunter 2 Heilige Ibisse und 1 Waldrapp)
  • 4 Sardische Hirsche (Unterart des Rothirsches)
  • 4 Watvögel
  • 4 Eulen
  • 3 Kolkraben
  • 2 Braunbären (1 geschossen, 1 vergiftet)
  • 2 Höckerschwäne
  • 1 Flamingo

Auswertung auf Italienisch

Unsere im Februar 2014 den italienischen Medien zur Verfügung gestellten Daten und die Analyse können Sie hier als PDF herunterladen:

AnhangGröße
Analyse: Analisi dati caccia illegale in Italia 2013-14.pdf989.17 KB
Datensammlung: calendario cacciatori bracconieri 2013-14.pdf782.15 KB