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Netze, Fallen und Schlingen

Legale und illegale Fangmethoden in Italien

Italien hat im Jahr 1993 die EU-Vogelschutzrichtlinie umgesetzt und damit eine der wichtigsten europäischen Naturschutzregelungen akzeptiert: Das Verbot des Vogelfangs. Doch leider sterben bis heute Millionen Wildvögel in Fallen und Netzen italienischer Vogelfänger - meist illegal, aber teils auch immer noch mit behördlicher Genehmigung! Insbesondere in Norditalien werden heute noch viele Hunderttausend Vögel gefangen, ebenso entlang der Küste Süditaliens, auf Sardinien und Sizilien.

Bogenfallen

Bogenfalle in NorditalienBogenfalle in NorditalienIn den Südalpen der Lombardei - vor allem in der Provinz Brescia - hat sich eine uralte Fangmethode bis heute gehalten: Bogenfallen. Das heimtückische Gerät ist ausgesprochen brutal. Ein kleines Stöckchen und eine Schnur halten einen Drahtbogen auf Spannung. Vögel werden von Vogelbeeren angelockt und dazu verleitet, sich auf dem waagerecht angebrachten Stöckchen niederzulassen. Dabei schnellt der Bogen auseinander und die Tiere verfangen sich mit den Beinen in der Schnur. So hängen sie lebend kopfüber mit zerquetschten Beinen in der Falle, bis der Vogelfänger sie tötet. Hauptopfer sind Rotkehlchen und Zaunkönige.
Die Fallen waren einst in ganz Europa verbreitet und wurden in Deutschland bis Ende des 19. Jahrhunderts verwendet. Seither sind sie überall ausgestorben, nur im norditalienischen Brescia hält sich die Tradition hartnäckig, wenn auch seit Jahrzehnten verboten. Das Komitee gegen den Vogelmord führt seit Mitte der 1980er Jahren Vogelschutzcamps in Brescia durch, um der Wilderei Herr zu werden. Mit Erfolg, denn die Zahl der von uns aufgefundenen Fallen ist im Laufe der Jahre dramatisch gesunken. Die Bogenfallen werden in absehbarer Zeit verschwunden sein!
Mehr Informationen zu diesem Fallentyp finden Sie hier.

Schlagfallen

SchlagfalleSchlagfalleSchlagfallen funktioneren nach dem Prinzip der Mausefalle: Berührt ein Vogel - angelockt von Mehlwürmern oder Vogelbeeren - den empfindlichen Auslösemechanismus, schlagen die Bügel des Fanggerätes zusammen und zerquetschen das Tier. Meist sind die Vögel sofort tot.
Schlagfallen werden schon sehr lange an den Küsten Süditaliens illegal verwendet, wo sie vor allem im Frühling zu finden sind. Seit den 1990er Jahren benutzen auch die Wilderer Norditaliens diesen Fallentyp, vor allem im Herbst. Je nachdem, wo sie aufgestellt werden, variieren die Opfer: An den Küsten werden im Frühling vor allem Insektenfresser wie Steinschmätzer, Braunkehlchen, Rotschwänze und Grasmücken gefangen. Im Herbst in den Bergen aufgestellt, töten die Schlagfallen vor allem Rotkehlchen, Drosseln und Meisen.
Durch die Einsätze des Komitees und seiner Partner sind die Schlagfallen von den Küsten Süditaliens fast völlig verschwunden. Während der Zugvogelschutzcamps in der Lombardei werden aber jedes Jahr immer noch viele Hundert dieser Geräte eingesammelt.

Rosshaarschlingen

RosshaarschlingenRosshaarschlingenAuf der Mittelmeerinsel Sardinien ist bis heute der Vogelfang mit Rosshaarschlingen weit verbreitet. Im Dickicht der mediterranen Garrigue postieren Vogelfänger die Fallen, die aus vier hauchfeinen Schlingen gebildet werden. Einzelne Schlingen werden auch am Boden aufgestellt - als Köder verwenden die Vögelfänger die Früchte des Erdbeerbaums (Arbutus unedo).
Die Vögel geraten bei der Nahrungssuche mit dem Kopf in eine der Schlinge. Beim Versuch, der Gefahr zu entkommen, strangulieren sie sich selbst. Hauptbeute sind Drosseln, Rotkehlchen und Grasmücken. Immer wieder werden Turmfalken und Sperber tot gefunden, die versucht hatten, die bereits in Fallen hängenden Vögel zu erbeuten.
Wie die anderen Fallentypen sind auch die Rosshaarschlingen illegal. In Teilen Südsardiniens - dort, wo unsere jährlichen Einsätze stattfinden - sind die Schlingen deutlich auf dem Rückzug. Aus den Abruzzen, wo sie bis in die 1980er Jahre noch zu finden waren, sind sie inzwischen verschwunden.

Fangkäfige

KäfigfalleKäfigfalleFangkäfige sind vor allem in Norditalien im Einsatz. Mit Futter oder Lockvögeln beködert, ziehen sie Kleinvögel an, die ins Innere der Falle gelangen. Dort lösen sie einen Mechanismus aus, der sie festsetzt. Die Fallen sind so gebaut, dass jeweils nur ein oder zwei Vögel gefangen werden können. Die Wilderer wollen sie lebend erbeuten, um sie als Lockvögel für die Jagd zu verwenden. Zum Teil enden die Tiere auch als Stubenvögel. Hauptbeute sind Finken wie Girlitz, Stieglitz und Erlenzeig, zum Teil werden aber auch gezielt Rotkehlchen damit gefangen.
Fangkäfige werden vor allem in Privatgärten Norditaliens verwendet, wo sie gut versteckt und deswegen kaum zu finden sind. Während unserer Vogelschutzcamps wurden dennoch bereits Dutzende derartiger Fallen beschlagnahmt.

Netze

Mit einem Stellnetz gefangenes RotkehlchenMit einem Stellnetz gefangenes RotkehlchenFangnetze sind in der Regel zwei Meter hoch und zwischen fünf und 25 Meter lang. Sie werden in eigens dafür angelegten Schneisen im Wald aufgestellt und meist mit Lockvögeln und Köderbeeren bestückt. Gelegentlich findet man sie auch in Privatgärten, wo sich die Wilderer sicher vor Entdeckung wähnen.
Die Vogelfänger wollen vor allem Lockvögel für die Jagd erbeuten. Hauptsächlich haben sie es daher auf die vier jagdbaren Drosselarten und auf die über Sondergenehmigung zum Abschuss freigegebenen Buch- und Bergfinken abgesehen. Manche Fänger stellen allerdings auch gezielt Heckenbraunellen und Rotkehlchen nach (indem sie diese Arten als Lockvögel benutzen), die im Kochtopf landen.
Die Verwendung von Stellnetzen ist illegal, aber in Norditalien heute noch sehr weit verbreitet. Hier, wo die Jagd mit Lockvögeln eine alte Tradition ist, herrscht eine stete Nachfrage nach lebenden Drosseln und Finken, die über Netze bedient wird. Auf Sardinien und in Süditalien ist die Fangmethode recht selten - hier werden die gefangenen Vögel getötet und verzehrt.
Im Großraum Neapel werden vor allem Stieglitze und andere Finken gefangen, die als Stubenvögel den Rest ihres Daseins fristen müssen.
Während der Komitee-Vogelschutzcamps in ganz Italien werden jedes Jahr mehr als 200 Netze gefunden und sichergestellt. Auf Sardinien finden wir seit einigen Jahren aber immer weniger Netze - im Jahr 2009 sogar kein einziges mehr!

Schlagnetze

In manchen Provinzen der Lombardei und Veneziens wird der Einsatz von Schlagnetzen behördlich immer noch genehmigt. Die meist auf Äckern oder Wiesen in der Poebene installierten Anlagen sind einige Tausend Quadratmeter groß und verfügen über zwei mit riesigen Metallfedern gespannte Fangnetze von jeweils etwa 50 Quadratmetern Größe. Am Rande der Fanganlage steht eine Hütte, in der der Vogelfänger lauert und die Netze manuell auslöst. Sie schlagen dann über den mit Lockvögeln und Futter angelockten Kiebitzen und Staren zusammen und können so einen ganzen Schwarm festsetzen.
Die erbeuteten Vögel werden entweder als Lockvögel für die Jagd weiterverkauft oder für die Küche getötet.
Auf Sizilien werden kleinere Schlagnetze illegal zum Fang von Finken verwendet. Die meist nur wenige Quadratmeter großen Fanggeräte werden ebenfalls manuell von einem unweit versteckten Vogelfänger ausgelöst. Die gefangenen Tiere landen im Zoohandel und werden zum Teil nach Malta geschmuggelt, um dort den Schwarzmarkt zu bedienen.

Legale Großfanganlagen

In Norditalien ist die Nachfrage nach lebenden Lockvögeln für die Drossel- und Lerchenjagd so groß, dass die Provinzen immer wieder entgegen EU-Recht den Betrieb gigantischer Fanganlagen (die so. "Roccoli") genehmigen. Die fußballfeldgroßen Installationen bestehen aus einer Buchenhecke, in der viele hundert Meter Fangnetze aufgestellt werden. Von Dutzenden in Käfigen sitzenden Artgenossen und einem reichhaltigen Futterangebot werden Zugvögel angelockt, die sich in den Netzen verfangen. Stündlich sammeln staatlich lizenzierte Vogelfänger die Tiere ein. Weil sie nach europäischem Recht nicht verkauft werden dürfen, werden die Vögel gegen eine hohe "Verwaltungsgebühr" an die Jäger abgegeben.
Offiziell werden in jedem Jahr rund 50.000 Singvögel nach europäischem Recht illegal gefangen. Das Komitee gegen den Vogelmord klagt in jedem Herbst gegen den Betrieb der Anlagen - und gewinnt fast immer!