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Illegale Tiefkühlware

Kampagne gegen den Handel mit Tiefkühl-Sperlingen in Italien
Komitee reicht Umweltbeschwerde in Brüssel ein

En bloc tiefgefroren: Sperlinge aus TunesienEn bloc tiefgefroren: Sperlinge aus TunesienIm Herbst 2008 wurden Komiteemitglieder am Iseosee auf eine Metzgerei aufmerksam, die in ihrem Schaufenster mit einem großen Plakat Singvögel anbot. Ein italienischer Mitarbeiter spielte den Interessenten und kaufte 15 tiefgefrorene Vögel zur Beweissicherung und informierte die Polizei. Die Beamten durchsuchten das Geschäft am Tag darauf. Der Metzger gab an, die Vögel aus Tunesien zu importieren und behauptete, dies sei legal. Nach stundenlangen Diskussionen mit dem Mann strichen die Polizisten die Segel. Angeblich sei die rechtliche Situation so unklar, dass ein Einschreiten nicht möglich gewesen wäre.

Das Komitee gegen den Vogelmord wollte sich damit nicht zufrieden geben und startete eine umfangreiche Recherche. Tierärzte stellten fest, dass die Vögel nicht geschossen wurden. Sie mussten also mit Netzen oder Fallen gefangen worden sein, was auch in Tunesien verboten ist. Ein Rechtsgutachten belegte, dass die Tiere selbst dann nicht verkauft werden dürfen, wenn sie aus Tunesien stammten – ganz abgesehen vom Importverbot wegen der Vogelgrippe. Und das Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven bestätigte, dass es sich bei den Tieren um Weidensperlinge handele und damit um eine geschützte europäische Art.

Dreister Metzger: Groß prangt das Schild "Uccellini" im Schaufenster - übersetzt "Vögelchen"Dreister Metzger: Groß prangt das Schild "Uccellini" im Schaufenster - übersetzt "Vögelchen"Wie sich schnell herausgestellt hat, ist der Handel mit den gefrorenen Sperlingen viel umfangreicher ist, als wir geahnt hatten. Weil der Verkauf der in Italien geschossenen und gefangenen Vögel nicht erlaubt ist, decken die Metzgereien den Bedarf über Importware aus Nordafrika. Dabei nutzen sie eine italienische Gesetzeslücke, die trotz des Vogel-Importverbots im Rahmen der Vogelgrippe-Verordnung und trotz der Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie den Import von Geflügel aus Tunesien nicht ausdrücklich verbietet. Die Zahl der über die Ladentheken ihre Besitzer wechselnden Spatzen geht vermutlich in die Hunderttausende!

Aufgrund von Anzeigen des Komitees gegen den Vogelmord wurden in den Jahren 2009 und 2010 in Brescia und Bergamo erstmals Metzgereien durchsucht und die ersten Tiefkühl-Sperlinge beschlagnahmt. Wegen der Gesetzeslücke war direkt zu Beginn klar, dass die Metzger vor Gericht gewinnen werden. Allerdings hatten wir keine Handhabe, ehe nicht das erste Verfahren beendet und ein "Tiefkühl-Sperlings-Händler" freigesprochen war. Nur ein solcher Gerichtsbeschluss konnte den Beweis liefern, dass die Lücke wirklich besteht und uns so in die Lage versetzen, bei der EU-Kommission eine Beschwerde gegen den Staat Italien einzulegen.

Am 19.03.2012 wurde vor dem Amtsgericht Verona ein Geflügelhändler vom Vorwurf des illegalen Handels mit insgesamt 12.960 Sperlingen aus Tunesien freigesprochen. Das Gericht erkannte die Gesetzeslücke und bestätigte, dass die Sperlinge trotz EU-Verbots nach italienischem Recht verkauft werden durften. Seit August halten wir das Gerichtsurteil schriftlich in Händen - und damit alle nötigen Beweise. Am 11.09.2012 haben wir in Brüssel eine Umweltbeschwerde gegen Italien eingreicht!

Am 23.07.2014 hat das italienische Parlament das Jagdgesetz geändert und den Import von Sperlingen aus Zunesien verboten - Ab August 2014 sind die Restaurants und Metzgereien damit vom letzten verbliebenen legalen Nachschubweg abgeschnitten!