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Vogelfang an der Küste Süditaliens

An der Küste Süditaliens lauern Schlagfallen auf erschöpfte Zugvögel. Für dieses Braunkehlchen kam jede Hilfe zu spätAn der Küste Süditaliens lauern Schlagfallen auf erschöpfte Zugvögel. Für dieses Braunkehlchen kam jede Hilfe zu spätDie vor der süditalienischen Küste gelegenen Inseln im Thyrrenischen Meer, allen voran Ischia, Procida und Ponza, stellen wertvolle Trittsteine beim Rückzug der Vögel aus Afrika dar. Hier erreichen sie nach dem anstrengenden Rückflug über die Sahara und das Mittelmeer im Frühjahr erstmalig Europa. Oft sind die Tiere vor Erschöpfung nahezu flugunfähig. Das wissen die Wilderer zu schätzen.

Mit Mehlwürmern geköderte Schlagfallen werden ab Ende März in Weinbergen, Olivenhainen und Gärten postiert, die den ausgehungerten Tieren zum Verhängnis werden. Nördlich der Alpen bedrohte Arten wie Nachtigall, Braunkehlchen, Steinschmätzer und Gartenrotschwänze verenden massenhaft in den kleinen Fangeisen. Aber auch Wachteln, Wiedehopfe, Turteltauben und Greifvögel gehören zur begehrten Beute der Jäger. Um ihnen bequem mit dem Gewehr nachstellen zu können, brennt man das mediterrane Buschland, ab - so erhält man freie Schussbahn. Tonbänder mit dem Gesang der Vögel lassen sich Nacht für Nacht bis weit hinaus auf das Meer vernehmen und locken die Tiere in die Fallen und vor die Flinten der Jäger.

Von Komiteemitarbeitern eingesammelte SchlagfallenVon Komiteemitarbeitern eingesammelte SchlagfallenJährlich von Mitte April bis Mitte Mai sind Komiteemitglieder in Süditalien bei unseren Zugvogelschutzcamps im Einsatz. Während in den frühen Morgenstunden gemeinsam mit der Forstpolizei den auf Vögel schießenden Jägern aufgelauert wird, werden tagsüber mit den Carabinieri zusammen Vogelfallen abgebaut. Ab Mitternacht durchstreifen Patrouillen auf der Suche nach elektronischen Lockvögeln die Macchia. Die Jagdaufseher von WWF und LIPU führen in jedem Jahr mehrwöchige Einsätze auf Ischia und Procida (beide im Golf von Neapel) durch.
Hunderte Fallen, Dutzende Gewehre und mehrere tausend Schrotpatronen werden bei den Einsätzen in jedem Frühjahr beschlagnahmt.

Die Wilderei im Golf von Neapel geht seit einigen Jahren spürbar zurück, zumal auch immer wieder prominente Jagdfunktionäre erwischt werden. Der Präsident des süditalienischen Jagdverbandes gehört ebenso dazu wie der Chef der Ischitaner Feinköchevereinigung, der am Rande eines Pinienwaldes Nachtigallen nachstellte oder zwei Franziskanermönche, die im Klostergarten Fallen aufgestrellt hatten.
Die Zahl der kleinen Metall-Schlagfallen, die zu Beginn der 90er Jahre noch zu Zehntausenden in den Gärten der Inseln Ischia und Ponza auf die erschöpften Zugvögel lauerten, ist inzwischen so drastisch gesunken, dass an vielen Einsatztagen keine einzige mehr gefunden wird. So konnten wir im Frühling 2016 gerade noch 30 Stück auf Ponza und 50 auf Ischia finden!

Während wir zwischen 1993 und 2004 in jedem April mit zahlreichen deutschen Vogelschützern vor Ort waren, setzen wir seit der Beruhigung der Situation unsere Aktivisten in anderen Schwerpunkten der Wilderei ein - vor allem bei unseren Frühlingseinsätzen auf Zypern und Malta. Die Aktionen in Süditalien werden heute vor allem von unseren italienischen Partnern durchgeführt und vom Komitee gegen den Vogelmord finanziert.

Unsere Aktionen in Süditalien werden mit in Deutschland gesammelten Spendengeldern finanziert. Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, freuen wir uns sehr über eine Spende für unsere internationale Natur- und Tierschutzarbeit. Die Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur unterstützt uns jedes Jahr bei der Finanzierung unserer Zugvogelschutzcamps in Süditalien.