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Siebenschläfer-Wilderei in Süditalien

Siebenschläfer (Glis glis) waren schon in der Antike eine beliebte Speise der Römer. Inzwischen ist das Nagetier in weiten Teilen seines Verbreitungsgebietes gefährdet und steht auch in Italien unter Naturschutz. Dennoch sind Siebenschläfer bis heute in Kalabrien - der "Stiefelspitze" Italiens - eine beliebte Delikatesse.

Siebenschläfer - beliebte Delikatesse in Kalabrien (© M. Hanselmann/wikicommons)Siebenschläfer - beliebte Delikatesse in Kalabrien (© M. Hanselmann/wikicommons)Vor allem in den Provinzen Cosenza, Crotone, Catanzaro, Vibo Valentia und Reggio Calabria gehen Wilderer gezielt auf die Siebenschläfer-Pirsch. Die maximal 150 gr schweren Tiere werden entweder geschossen oder mit Fallen gefangen. Bei der Jagd mit dem Gewehr werden vor allem kleinkalibrige Waffen und Luftgewehre verwendet. Die Wilderer gehen meist in klaren Mondnächten auf die Pirsch und finden die wenig scheuen Siebenschläfer über ihre auffälligen Rufe.

Als Fallen werden Schlagfallen verwendet, wie sie in Süditalien und in der Lombardei auch zum Vogelfang eingesetzt werden. Dazu wird immer noch eine archaische Steinkonstruktion benutzt, die den Steinquetschfallen für Vögel in Südfrankreich und dem Apennin nicht unähnlich ist: Eine kleine Steinplatte wird auf einem dicken Ast mithilfe mehrerer Stöckchen aufgestellt. Die Tiere werden mit Futter angelockt, berühren die Stöckchen und lösen so den Mechanismus aus - die Steinplattte schlägt herunter und zerdrückt den Siebenschläfer!

Brutale Fangmethode: Mit Schlagfallen wird in Kalabrien Siebenschläfern illegal nachgestelltBrutale Fangmethode: Mit Schlagfallen wird in Kalabrien Siebenschläfern illegal nachgestelltDie traditionelle Fangsaison beginnt am 24.08., dem Fest zu Ehren Johannes des Täufers, und endet gegen Ende Dezember. In dieser Zeit haben die Tiere ihren "Winterspeck" und sollen deswegen besonders schmackhaft sein. Sie werden gebraten oder gekocht und oft mit einer Tomatensauce zubereitet.
Der Verkauf in Restaurants ist durch das Verbot heute selten geworden oder findet am Ruhetag nur für Eingeweihte statt. Ansonsten werden die Tiere mehr für den privaten Bedarf gefangen. Unter dem Ladentisch zahlt man für einen einzelnen Siebenschläfer 5 €!

Wieviele Siebenschläfer in der Küche enden, ist unbekannt. Alleine in Guardavalle, einer Kleinstadt in der Provinz Catanzaro, wurde um den Jahrtausendwechsel der jährliche Bedarf auf 20.000 Tiere geschätzt. Die "Fangquote" ist dabei sehr hoch: Im Jahr 2013 wurden bei 4 überführten Wilderern 266 tiefgefrorene Siebenschläfer gefunden! Da es sich dabei nur um eine Momentaufnahme handelt, dürften 100 Tiere pro Widerer und Jahr wahrscheinlich sein. Vermutlich gehen bis heute mehrere Tausend Menschen in Kalabrien auf die Siebenschläfer-Pirsch.

Siebenschläfer, serviert in einem kalabresischen RestaurantSiebenschläfer, serviert in einem kalabresischen RestaurantUnser italienischer Partnerverband LIPU hat im Jahr 1999 mit Aktionen gegen die Siebenschläfer-Wilderei begonnen. Durch Recherchen vor Ort, Kontrollen in Restaurants und Aufklärungsarbeit konnte das Problem ein Stück weit entschärft werden. Seit 2013 hat das Komitee gegen den Vogelmord die Fortführung der Aktionen zum Schutz der Siebenschläfer von der LIPU übernommen. Neuerdings sind es die sozialen Netzwerke wie Facebook, die Hinweise auf die Wilderer geben. Immer mehr Täter veröffentlichen Fotos von sich und ihrer "Beute" und gehen so ins Netz der vor Ort tätigen Komitee-Mitglieder und der Polizei.