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Gardasee – Eldorado für Wilderer

Lockvogel: Diese Zippammer sollte Artgenossen in die Netze eines Wilderers lockenLockvogel: Diese Zippammer sollte Artgenossen in die Netze eines Wilderers lockenDie Brescianer Alpen, zwischen dem Gardasee und dem Comer See gelegen, zählen zu den wichtigsten Flugrouten der europäischen Zugvögel. Eigentlich wären die Behörden nach nationalem wie internationalem Recht verpflichtet, diesen Teil der Alpen unter Schutz zu stellen. Doch statt dessen schauen sie tatenlos zu, wie einer der bedeutendsten Wanderwege europäischer Zugvögel zu einem Eldorado für Wilderer und Jäger verkommt.

Bereits ab Ende August werden auf den Gebirgspässen Bogenfallen ("Archetti"), mit einer Schlinge versehene Metallbögen, postiert. Leuchtend rote Ebereschenbeeren locken die Vögel in die mit einem kleinen Stöckchen gespannte Schlinge. Landen sie dort, schlägt der unter Spannung stehende Bogen auseinander und die Tiere bleiben mit zerquetschten Beinen in der Falle hängen. Oft flattern sie noch stundenlang in den Archetti, bevor sie verbluten, verdursten, an Erschöpfung sterben oder vom Wilderer eingesammelt werden. Zusätzlich stellen die Vogelfänger in den Bergen Brescias unzählige Fangnetze, Schlagfallen und Käfigfallen auf. Statt im sonnigen Süden landen zahllose Rotkehlchen, Drosseln, Lerchen und Zaunkönige am Spieß gegrillt auf den Tellern zweifelhafter Gourmets.

Ende in einer brescianischen Schlagfalle: RotkehlchenEnde in einer brescianischen Schlagfalle: RotkehlchenSeit Ende der 80er Jahre gehen deutsche und italienische Naturschützer mit vereinten Kräften gegen die Wilderer vor. Mit in Deutschland gesammelten Spenden finanziert das Komitee gegen den Vogelmord Zugvogelschutzcamps, bei denen Freiwillige und Jagdaufseher der italienischen Naturschutzverbände über Wochen hinweg die illegalen Fallen einsammeln.
Eine eigens gegründete Sondereinheit der italienischen Forstpolizei lauert den Vogelfängern auf entlegenen Fallenpfaden, die ihnen Komiteemitarbeiter zuvor gezeigt hatten, auf. So werden jährlich Tausende Fallen beschlagnahmt und Dutzende Wilderer in flagranti überführt. Seit Ende der 90er Jahre ist ein Rückgang der Wilderei - zumindest mit den brutalen Bogenfallen - deutlich spürbar.

Beim Einsammeln der Fallen stoßen die Naturschützer auch immer wieder auf "Tarnhütten". Hier werden durchziehende Zugvögel mittels lebender Lockvögel vor die Flinten der Jäger gelockt - eine äußerst effektive Form der Zugvogelverfolgung und leider immer noch völlig legal. Den ganzen Sommer über werden die Lockvögel, eingesperrt in winzigen Käfigen, in einem dunklen Kellerraum gehalten. Holt man sie im Herbst wieder ans Tageslicht, denken sie, es sei Frühling und beginnen zu singen. Waagerecht auf die Schießscharten der Hütte zulaufende Sitzstangen ermöglichen es, mit einem einzigen Schrotschuss gleich mehrere Vögel auf einmal zu töten. Alleine in der Lombardei sind es bis auf den heutigen Tag insgesamt 11.000 dieser Schießanlagen.

Ausgerüstet wie für den Krieg: Tarnhütte für die Vogeljagd in den SüdalpenAusgerüstet wie für den Krieg: Tarnhütte für die Vogeljagd in den SüdalpenIn jüngster Zeit warten die Tarnhüttenjäger immer häufiger vergebens auf Beute. Aufgrund höchstrichterlicher Urteile des italienischen Verfassungsgerichts ist die Anzahl der zum Abschuss freigegebenen Vogelarten drastisch zusammengestrichen worden. Wenn die regionalen Verwaltungen den Abschuss der inzwischen streng geschützten Finken und Pieper doch genehmigen, klagt das Komitee mit seiner Mailänder Anwaltskanzlei gegen die nach EU-Recht illegalen Jagdfreigaben und gewinnt regelmäßig die Verfahren!

Unsere Aktionen und Einsätze in Norditalien werden mit in Deutschland gesammelten Spendengeldern finanziert. Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, freuen wir uns sehr über eine Spende für unsere internationale Natur- und Tierschutzarbeit. Der Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV) unterstützt uns seit dem Jahr 2014 bei der Finanzierung unserer Zugvogelschutzcamps in Norditalien.