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Mit Jagdaufsehern gegen Wilderer

Naturschutzverbände können in Italien Jagdaufseher mit polizeilichen Befugnissen beschäftigenNaturschutzverbände können in Italien Jagdaufseher mit polizeilichen Befugnissen beschäftigenDie italienischen Natur- und Tierschutzverbände haben die Möglichkeit, Mitglieder aus ihren Reihen zu staatlichen Jagdaufsehern zu machen. Wichtigste Voraussetzung zur Erlangung der entsprechenden Jagdaufseherlizenz ist neben einer bestandenen Prüfung die italienische Staatsbürgerschaft und ein tadelloses polizeiliches Führungszeugnis. Die mehrmonatige Ausbildung wird von den Anwärtern selber oder dem Verband bezahlt, ebenso wie die obligatorische Uniform und die Ausrüstung.

Zu den ordnungspolizeilichen Aufgaben der Jagdaufseher zählen unter anderem:

  • Kontrolle von Jagdlizenz und anderen für die Jagd nötigen Papieren
  • Kontrolle der geschossenen Tiere auf Art und Anzahl
  • Überprüfung von Waffe und Munition
  • Beschlagnahmung von Jagdbeute, Waffen und Munition bei festgestellten Ordnungswidrigkeiten und Straftaten
  • Beschlagnahmung von Fallen, Netzen und anderen verbotenen Gegenständen
  • Ausstellen von Straf- und Bußgeldbescheiden

Ausdrücklich nicht in den Aufgabenbereich der Jagdaufseher liegen Festnahmen, Hausdurchsuchungen oder Straßenkontrollen. Aus diesem Grunde arbeiten die Jagdaufseher der italienischen Naturschutzverbände eng mit den verschiedenen Polizeieinheiten - vor allem der staatlichen Forstpolizei - zusammen.

Jagdaufseher mit beschlagnahmten JagdwaffenJagdaufseher mit beschlagnahmten JagdwaffenIm Gegensatz zu den Beamten der Polizei handelt es sich bei den Jagdaufsehern um engagierte Natur- und Tierfreunde, die entsprechend motiviert arbeiten. Das Komitee gegen den Vogelmord finanziert seit 1997 die Einsätze der Aufseher des WWF Italien und der LAC in den Bergen der Provinz Brescia (Herbst) und auf den Inseln der Region Kampanien (Frühling). Die bis zu 60 Teilnehmer aus ganz Italien - von Postboten bis hin zu Tierärzten - nehmen sich nicht selten ihren gesamten Jahresurlaub für die Aktionen.

Die Ergebnisse der Jagdaufseher in Italien sind beachtlich. Während eines Jahres kontrollieren sie bis zu 500 Jäger und sammeln dabei jährlich Tausende Vogelfallen und Netze ein, beschlagnahmen viele Dutzend Jagdgewehre und durchschnittlich mehr als 20.000 Schuss Munition. Dabei verhängen sie in der Regel Bußgelder in Höhen zwischen 15.000 und 20.000 Euro - die natürlich der Staatskasse zugute kommen.

Seit einigen Jahren gelingt es der Regierung der Region Lombardei (Norditalien), den Jagdaufsehern immer mehr Steine in den Weg zu legen. Die ursprünglich großen Einsätze fallen seither deutlich kleiner aus. Hauptproblem ist vor allem, dass alle in der Region tätigen Jagdaufseher auch Bewohner der Region sein müssen. Und da viele unserer engagierten Mitarbeiter aus Venezien, der Toskana oder Umbrien stammen, ist ihnen so der Zugang zu der Arbeit in der Lombardei verwehrt.
Seit 2009 gibt es immer wieder Gespräche mit regionalen Politikern und der Verwaltung mit dem Ziel, die Situation zu entschärfen - bislang ohne durchgreifenden Erfolg. Das Komitee und seine Partner bleiben aber weiter am Ball und werden alles dafür tun, dass die Einsätze der Jagdaufseher in der Lombardei baldmöglichst wieder so umfangreich ausfallen können, wie noch bis zum Jahr 2007.

Auf der Seite tutelfauna.it veröffentlichen die WWF-Jagdaufseher in italienischer Sprache alle ihre Ergebnisse und viele weitere Infos rund um Jagd und Wilderei in Italien und Europa.

Die Aktionen der Jagdaufseher unserer italienischen Partnerverbände werden mit in Deutschland gesammelten Spendengeldern finanziert. Wenn Sie uns dabei unterstützen möchten, freuen wir uns sehr über eine Spende für unsere internationale Natur- und Tierschutzarbeit.