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Vogelschutzcamps in Italien, Herbst 2010

Online-Tagebuch von den Einsätzen

Komiteemitarbeiter befreit Rotkehlchen aus illegalem FangnetzKomiteemitarbeiter befreit Rotkehlchen aus illegalem FangnetzVon Anfang Oktober bis Mitte Dezember 2010 finden in Italien wieder mehrere Vogelschutzcamps des Komitees gegen den Vogelmord und seiner italienischen Partner statt. Den Auftakt macht das große Herbstcamp im norditalienischen Brescia vom 2.10. bis zum 6.11.2010. Mehr als 70 Teilnehmer aus Italien, Groß-Britannien, Irland und Deutschland werden Fallen und Netze suchen und der Polizei bei der Überführung von Wilderern helfen.
Anschließend folgen bis Ende November Wochenend-Einsätze unserer Partnerverbände in Norditalien, auf Sardinien finden im November und Dezember 2010 zwei Vogelschutzcamps auf Sardinien statt.

An dieser Stelle werden wir Sie regelmäßig über den Fortgang der Aktionen unterrichten. Die Updates finden alles zwei bis drei Tage statt - bei besonderen Ereignissen auch tagesaktuell.

Alle Camps und Einsätze werden vom Komitee gegen den Vogelmord finanziert. Dabei fördert die Karl-Kaus-Stiftung für Tier und Natur mit einer großzügigen Zuwendung unsere Einsätze in Brescia, die Stiftung Pro Artenvielfalt unterstützt uns bei der Finanzierung der Aktionen auf Sardinien.

Gesamtergebnis im Herbst 2010:

  • Eingesammelte Bogenfallen: 1.228
  • Eingesammelte Schlagfallen: 802
  • Eingesammelte sonstige Fallen: 15
  • Eingesammelte Schlingen: 0
  • Eingesammelte Netze: 115
  • Überführte Wilderer: 53
  • beschlagnahmte Lockvögel: 171
  • letzte Aktualisierung: 07.11.2010

Abschlussbericht zum Vogelschutzcamp in Brescia

Einen ausführlichen Abschlussbericht zu unserem großen Vogelschutzcamp in Brescia finden Sie hier.

Donnerstag, 30.09.2010

Zwei Tage vor Beginn des großen Komitee-Vogelschutzcamps im norditalienischen Brescia konnten die ersten zwei Wilderer von der Polizei gestellt werden: Eine "Vorhut" unseres Patnerverbandes LAC hatte in den letzten Tagen die ersten Bogenfallen in den Bergen östlich des Iseosees entdeckt und die Standorte der Polizei mitgeteilt. Heute haben sich die Beamten an den Fallen versteckt - beide Wilderer wurden am Morgen überführt! 42 Fallen wurden sichergestellt. Die Saison hat begonnen!

Montag, 04.10.2010

Mit der Anreise der ersten Teilnehmer hat am 02.10. das große Vogelschutzcamp in Brescia begonnen. Am 03.10. waren bereits 4 Teams in den Bergen der Südalpen im Einsatz und konnten einige Netze ausfindig machen. Alle Fangstellen wurden für Einzätze der Polizei stehen gelassen. Am heutigen Montag konnte noch vor Sonnenaufgang die erste Stelle - eine große Fanganlage mit mind. 2 Netzen und mehreren Lockvögeln - den Beamten gezeigt werden. Ein Standort von Schlagfallen, der heute Nachmittag in strömendem Regen gefunden wurde, ist auch bereits der Polizei übermittelt worden. Resultate der heutigen Aktionen liegen jetzt (20:20 Uhr) noch nicht vor.

Mittwoch, 06.10.2010

In den letzten Tagen waren insgesamt 19 Komitee-Mitglieder in Brescia im Einsatz. Gestern und heute wurden 16 Standorte von Fallen und Netzen gefunden - 6 wurden bereits der Polizei gezeigt. Ein Fangnetz musste gestern abgebaut werden.
Am heutigen Morgen gelang an einer der Stellen im mittleren Val Trompia der Aufgriff eines Wilderers, die Beamten mussten nur 15 Minuten auf ihn warten. Es wurden 14 Bogenfallen beschlagnahmt. Umweit davon, allerdings im Hochgebirge, wurde ein Jugendlicher Wilderer mit 51 Schlagfallen gestellt - er war wohl von einem Verwandten angestiftet worden. Wenig nördlich der Provinzhauptstadt Brescia wurde ein Mann mit 16 Bogenfallen überführt. Ein weiterer Ansitz am Ostufer des Iseosees schlug leider fehl, weil der Vogelfänger zu seinen Fallen kam, bevor sich die Polizisten gut versteckt hatten. Der Mann türmte Hals über Kopf und verschwand im Dickicht des Bergwaldes. 130 Bogenfallen wurden abgebaut.
Ein schöner Schlag gelang im mittleren Val Camonica: Bei Pisogne beobachteten italienische Komitee-Mitglieder Jäger, die illegal auf Buchfinken schossen. Als sie zu der Stelle gelangten, waren die Wilderer geflüchtet. Bei der Suche nach etwaig angeschossenen Vögeln fanden sie allerdings einen Garten voller Fallen und Netze. Die umgehend alarmierte Polizei konnte den Besitzer des eingezäunten Grundstückes schnell ausfindig machen und anzeigen - hier wurden 20 Schlagfallen und 4 große Fangnetze sichergestellt. 6 Vögel (Buchfinken und Heckenbraunellen) konnten aus den Netzen befreit werden.
Im Val Trompia hat ein Komitee-Team ein weiteres Netz abgebaut - eine darin gefangene Amsel konnte unversehrt freigelassen werden.

Freitag, 08.10.2010

Die letzten beiden Tage waren recht erfolgreich: 23 Vogelschützer waren in Brescia im Einsatz, zahlreiche Fangstellen wurden für die Ansitze der Polizei gefunden. Inzwischen wurden die Beamten zu 25 Netz- und Fallenstandorten geführt. Am 7. und 8. Oktober wurden insgesamt 4 Wilderer gestellt:
Ein großer Schlag gelang in Pertica Alta im Val Sabbia, wo ein Wilderer nach dem Hinweis eines Komitee-Teams mit 104 Bogen- und 8 Schlagfallen auf frischer Tat überführt werden konnte. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung wurden in der Tiefkühltruhe des Mannes mehr als 100 Vögel gefunden! Im Gebirge östlich des Iseosees wurde ein Mann mit 30 Schlagfallen überführt.
Die im Gebirge östlich von Pisogne (Val Camonica) auf den Wilderer warteten Polizisten staunten nicht schlecht, als ein 14jähriger Junge am Netz erschien. Er entwischte den Beamten zunächst, wurde dann aber gestellt. Bei einer Hausdurchsuchung wurden zwei weitere Netze und 5 Schlagfallen gefunden, zudem eine Käfigfalle zum Lebendfang von Vögeln. Auch wenn der Jugendliche zweifellos von den Eltern angestiftet worden war, wurde gegen ihn ein Strafverfahren eingeleitet. Er ist bereits der zweite Minderjährige, der dieses Jahr erwischt wurde!
Zwei Einsätze im mittleren Val Sabbia mussten abgebrochen werden, weil die Wilderer offenbar die Überwachung bemerkt hatten: In einem Fall wurden 2 Netze sichergestellt, im anderen 5 Netze. An letzterer Stelle wurde am heutigen 08.10. ein deutsch-italienisch-irisches Komitee-Team von einem wütenden Mann, der wild mit einem Knüppel herumfuchtelte, wüst beschimpft. Es blieb zum Glück bei verbalen Entgleisungen - vermutlich war es der Besitzer der 5 Netze.
Die Jagdaufseher des WWF, die Teil des Komitee-Vogelschutzcamps sind, haben am 07.10. bei Cazzago einen Jäger mit einem elektronischen Lockgerät überführt. Es handelte sich um ein teueres Mobiltelefon, in dem alle europäischen Vogelstimmen gespeichert waren. Das Handy wurde ebenso beschlagnahmt wie die Flinte des Mannes.

Sonntag, 10.10.2010

Ein sehr erfolgreiches Wochenende liegt hinter uns: Am gestrigen Samstag wurden 2 Wilderer aufgrund unserer Hinweise überführt, heute waren es sogar vier.
Gestern wurden vier Polizei-Einheiten an insgesamt 10 Netzen im Umfeld der Industriestadt Lumezzane geführt. An einer Stelle mit 5 Netzen und an einer der anderen mit 3 Netzen wurden die Wilderer in kürzester Zeit auf frischer Tat gestellt. Die Fanggeräte wurden ebenso sichergestellt wie insgesamt 29 Lockvögel. Die Jäger von Lumezzane gehören zu den einflussreichsten in ganz Italien - im letzten Jahr hat ein Schlag gegen die dortigen Wilderer dazu geführt, dass die Polizei ihren Einsatz früher beenden mussten. Am Samstag haben wir gezeigt, dass wir uns davon nicht haben beeindrucken lassen.
Heute waren die Polizisten besonders fleißig: Nördlich der Provinzhauptstadt Brescia wurde ein Mann an seinem Netz erwischt - es war gestern von Komitee-Mitarbeitern in einem Weinberg entdeckt worden. Im Gebirge zwischen Iseosee und Val Trompia wurde ein weiterer Vogelfänger an einem Fangnetz erwischt. Am nördlichen Ende des Val Trompias - bei Collio - konnte ein Mann mit 32 Schlagfallen ertappt werden, an dieser Stelle wurden schon seit mehr als 10 Jahren Fallen gefunden und abgebaut, der Wilderer wurde nie zuvor erwischt. Der 4. heute geschnappte Wilderer ging in den Bergen am Nordende des Iseosees "in die Falle" der Polizei: Er hatte 46 Bogenfallen aufgestellt.

Komitee-Mitarbeiter haben am Samstag ein Netz und zwei Schlagfallen eingesammelt. Weitere Standorte wurden für Einsätze der Polizei gefunden und zum Teil auch bereits den Beamten gezeigt.

Die Jagdaufseher des WWF haben am Wochenende bei Kontrollen insgesamt 10 Jäger bei der Wilderei erwischt: Sie hatten Buchfinken, Girlitze, Rohrammern und Mönchsgrasmücken geschossen, 3 Flinten wurden beschlagnahmt, ebenso zwei elektronische Lockgeräte.

Montag, 11.10.2010

Heute waren bei schönstem Herbstwetter 14 Aktivisten des Komitee-Vogelschutzcamps im Einsatz. Einige Fangstellen mit Netze konnten ausgemacht werden und zum Teil bereits der Polizei gezeigt.
Drei Wilderer wurden heute aufgrund unserer Hinweise überführt: Im mittleren Val Trompia bei Marcheno wurde ein Mann erwischt, als er seine 97 Schlagfallen kontrollierte und auf der im Iseosee gelegenen Insel Monte Isola wurde ein Wilderer an seinem Netz in flagranti erwischt. Bei Villanuova am äußersten Südrand der Alpen fand ein Komitee-Team 45 Schlagfallen und 1 Fangnetz - der Besitzer des Grundstückes konnte von der Polizei schnell ermittelt werden. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Polizisten weitere 6 Netze!

Beim Abgleich der Daten der Behörden mit unserer eigenen Statistik wurde heute klar, dass an den von uns ausfindig gemachten Fangstellen mehr Fallen und Netze gefunden und aufgrund unserer Hinweise mehr Wilderer dingfest gemacht werden konnten.
Folgende Wilderer wurden zusätzlich überführt:

  • Odolo (Val Sabbia), 07.10.2010, Vogelfänger mit 29 Schlagfallen
  • Marmentino (Val Trompia), 08.10.2010, Vogelfänger mit 12 Schlagfallen
  • Marone (Val Camonica), 10.10.2010, Vogelfänger mit 22 Bogenfallen

Die Anzahl der an den von uns gefundenen Stellen sichergestellten Fanggeräte beläuft sich nach der Korrektur von heute auf 332 Bogenfallen, 401 Schlagfallen und 35 Netze!

Mittwoch, 13.10.2010

Auch in den letzten 48 Stunden haben die 16 Teilnehmer des Komitee-Vogelschutzcamps und die Polizei wieder gute Arbeit geleistet - 6 Wilderer wurden aufgrund unserer Hinweise überführt: Alleine in der Stadt Lumezzane waren es 4 Vogelfänger, bei denen insgesamt 6 Netze, 33 Schlagfallen und 3 weitere Vogelfallen beschlagnahmt werden konnten. An einem der Netze waren 18 Lockvögel postiert, darunter Fichtenkreuzschnäbel, Kernbeißer, Bergfinken, Heckenbraunellen und Rotkehlchen. Ein Wilderer mit 8 Schlagfallen wurde erwischt, als er gerade zwei Drosseln geschossen hatte - neben den Fallen wurde auch die Flinte sichergestellt.
Ein Wilderer mit 44 Bogenfallen und 5 Schlagfallen wurde am Iseosee gestellt, ein anderer unweit des Gardasees mit 40 Schlagfallen.

4 Ansitze der Polizei an zuvor von uns ausgekundschafteten Stellen wurden abgebrochen, weil die Täter auch nach mehreren Tagen nicht an ihren Fangstellen erschienen waren. Hier wurden 2 Netze und 15 Schlagfallen abgebaut.

Ein besonders großer Schlag gelang am Abend des 10. Oktober: In einem Jagsgeschäft in Villanuova (nahe Salo´) wollte sich ein italienischer Komitee-Mitarbeiter nach illegale Fallen erkundigen. Der Laden war bekannt dafür, derartiges Gerät im Angebot zu haben. Der Vogelfreund kam gar nicht in die Verlegenheit, eine Falle zu erstehen, denn der Kunde vor ihm kaufte gleich 4 Stück! Die umgehend informierte Polizei führte eine Durchsuchung des Geschäftes durch und fand nicht nur 39 Schlagfallen und 10 kleine Netz-Fanggeräte, sondern vor allem 87 nicht beringte - und damit illegale und vermutlich mit Netzen gefangene - Lockvögel. Die Tiere, vornhemlich Stare, Amseln, Kernbeißer und Singdrosseln, wurden beschlagnahmt. Den Inhaber des Geschäftes erwartet ein Strafverfahren, was für ihn unangenehm werden dürfte, denn er handelt auch mit Jagdwaffen und muss deswegen eine besondere Zuverlässigkeit nachweisen. Er verliert gegebenenfalls seine Lizenz!

Freitag, 15.10.2010

Die letzten zwei Tage waren etwas ruhiger. An vielen Stellen haben die Komitee-Teams nur verwaiste Fangstellen gefunden. In manchen Bereichen waren ganze Berghänge, aus denen noch vor 10 Jahren Tausende Fallen geborgen wurden, ohne ein einziges Fanggerät. Anderswo wurden einige Netze und Fallen gefunden, die für Einsätze der Polizei stehen gelassen wurden. Insgesamt mussten im Val Trompia an zwei Stellen 5 Netze abgebaut werden, weil unsere Mitarbeiter von den Wilderern gesehen wurden und versteckte Ansitze der Polizei nicht mehr möglich waren.

Die Polizei hat am gestrigen 14.10.2010 zwei Wilderer aufgrund unserer Hinweise geschnappt: Ein "alter Bekannter" wurde bei Lavenone im oberen Val Sabbia an seinen beiden Fangnetzen und 2 Schlagfallen gestellt. Der Täter hatte bereits vor 5 Jahren bei seiner ersten Festnahme einen Polizisten mit einer Sense angegriffen und nur um Haaresbreite verfehlt - gestern ist er mit seinen Fäusten auf die Beamten losgegangen. Er wird wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt angezeigt, ein weit schwererer Tatbestand als Wilderei! Ein anderer Vogelfänger wurde bei Lodrino (Val Trompia) an einem Netz dingfest gemacht.

Nach einigen Tagen erfolgloser Observation hat die Polizei drei Ansitze an Stellen aufgegeben, die wir zuvor gefunden hatten. Hier wurden 3 Netze sichergestellt.

Die Jagdaufseher des WWF haben in den letzten Tagen bei ihren Kontrollen 8 Jäger angezeigt - 5 Flinten, 7 elektronische Lockgeräte und 7 Lockvögel (allesamt Buchfinken und eine Tannenmeise) wurden beschlagnahmt. Insgesamt haben die Vogelschützer 61 illegal geschossene Vögel gefunden, darunter alleine 36 Rohrammern!

Samstag, 16.10.2010

Heute haben 22 Vogelschützer aus Italien, Deutschland und Groß-Britannien am Vogelschutzcamp des Komitees teilgenommen und einiges geschafft: An mehr als einem Dutzend Stellen wurden Fallen und Netzen gefunden, die größtenteils für die Polizei stehen gelassen wurden. An 5 Plätzen wurden insgesamt 96 Bogenfallen, 3 Netze und 1 Schlagfalle abgebaut, weil die Wilderer unsere Teams bemerkt hatten. In der Nacht konnte die Polizei zu drei Fangstellen geführt werden.

Im Laufe des Tages haben Beamte 6 Wilderer an zuvor von uns ausgekundschafteten Stellen in flagranti erwischt: Bei Idro im oberen Val Sabbia wurde ein Mann an seinen 16 Schlagfallen gestellt, bei Vestone und Odolo (beides Val Sabbia) jeweils ein Vogelfänger mit Netz. In Pertica Alta wurde ein Mann gestellt, als er seine 30 Bogenfallen kontrollierte - das gleiche geschah einem Wilderer im Gebirge bei Marone am Iseosee, er hatte 75 Bogenfallen aufgestellt.
Der 6. Wilderer dieses Tages war etwas spektakulärer: Die Polizisten hatten den ganzen Tag an einem Netz verbracht, das in der Nähe einer Schießanlage aufgestellt war, auf der pausenlos Schüsse fielen. Am Abend erschien der Vogelfänger und wurde bei der Kontrolle seines Netzes überführt. Es stellte sich schnell heraus, dass er der Jäger ist, der den ganzen Tag geschossen hatte. Bei einer Durchsuchung seiner Schießhütte wurden 39 frisch geschossene Singvögel sichergestellt - 22 Rotkehlchen, 13 Buchfinken, 3 Erlenzeisige und eine Mönchsgrasmücke. Der Jäger hatte es geschafft, während des gesamten Tages keine einzige jagdbare Art zu töten, alle geschossenen Vögel stehen unter Schutz! Seine drei Flinten (!), Jagdmunition, etliche Lockvögel (darunter Grünfinken) und die Jagdbeute wurden beschlagnahmt.

Die Jagdaufseher des WWF waren heute im unteren Val Sabbia im Einsatz, wo sie in Kooperation mit der Provinzpolizei eine Jagdflinte und eine elektronische Lockanlage beschlagnahmen konnten - zwei Jäger wurden wegen der Jagd auf geschützte Arten (Buch- und Bergfinken) angezeigt.

Dienstag, 19.10.2010

Der Sonntag (17.10.2010) war völlig verregnet, was Ansitze der Polizei und vernünftige Fallensuche unmöglich gemacht hat. Trotzdem waren zwei Teams im Gelände. Eines beobachtete einen Jäger, der illegal Buchfinken als Lockvögel verwendete. Die umgehend informierte Polizei traf schnell ein und fand bei dem Mann 12 illegal geschossene Rotkehlchen und 2 Trauerschnäpper. 7 Buchfinken-Lockvögel wurden beschlagnahmt, ebenso eine Flinte und 15 Schlagfallen, die in der Jagdhütte gefunden wurden.
Am gestrigen Montag fand ein Komitee-Team in einem Garten nördlich des Idro-Sees 19 Schlagfallen. Die Polizei überführte den Besitzer schnell und stellte noch eine Tannenmeise und einen Erlenzeisig sicher, die beide illegal als Lockvögel verwendet worden waren.
Bei schönem, sonnigen Herbstwetter konnten am 18. und 19.10. mehrere Fangstellen für Einsätze der Polizei gefunden werden - 14 Komiteemitglieder waren im Einsatz. An 4 Stellen mussten Fanggeräte abgebaut werden (3 Netze und 41 Bogenfallen), weil die Wilderer unsere Mitarbeiter gesehen haben. Es wird von Tag zu Tag schwerer, ungesehen zu den Fallen und Netzen zu gelangen, weil die Vogelfänger in der 3. Woche unserers Vogelschutzcamps immer misstrauischer werden und sehr aufmerksam jede Bewegung im Wald beobachten. Trotzdem konnten die Behörden aufgrund unserer Hinweise innerhalb der letzten 20 Tage 38 Wilderer in flagranti überführen!

Mittwoch, 20.10.2010

Der Mittwoch war sehr erfolgreich: 4 Wilderer wurden aufgrund unserer Hinweise erwischt - ein weiterer gestern Abend! An einer Fangstelle in Pertica Alta (oberes Val Sabbia) wurde ein Mann mit 82 Bogenfallen in flagranti gestellt und bei Tavernole im Val Trompia ein Vogelfänger mit 4 Bogenfallen. In Odolo (mittleres Val Sabbia) haben Polizisten einen Wilderer an zwei Netzen ertappt, in der Nähe von Vobarno mit einem Netz und 67 Bogenfallen. Bereits gestern überführte die Polizei bei Villanuova (unteres Val Sabbia) einen Mann, in dessen Garten Komitee-Mitglieder unberingte Lockvögel (Buchfinken) gesehen und deswegen die Beamten gerufen hatten. Diese fanden neben den illegal gehaltenen Vögeln gleich noch ein Fangnetz!

Ein besonders großer Schlag gelang der Forstpolizei in Lumezzane: In einem Jagdgeschäft beschlagnahmten die Beamten der Sondereinheit zur Wildereibekämpfung fast 90 Lockvögel, die falsche Papiere hatten und zum Teil nicht beringt oder mit falschen bzw. nicht ordnungsgemäßen Ringen versehen waren. Es handelte sich vor allem um Buch- und Bergfinken, Feldlerchen, Kernbeißer und Fichtenkreuzschnäbel!

Freitag, 22.10.2010

Bei schönstem Herbstwetter - wenn auch mit Schnee und Frost - haben die derzeit 17 teilnehmenden Komitee-Mitglieder das Vogelschutzcamp in Brescia fortgesetzt. 14 Fangstellen wurden gefunden - 4 Wilderer aufgrund unserer Hinweise überführt (alle am 21.10.):
Nördlich von Brescia konnte ein Mann an seinen 10 Schlagfallen erwischt werden, in Pertica Bassa (Val Sabbia) waren es 13 Schlagfallen bei einem Wilderer. Eine Frau, die in ihrem Garten im mittleren Val Trompia eine Käfigfalle aufgestellt hatte, wurde in flagranti gestellt. Sie hatte Rotkehlchen gefangen, die in der Küche landen sollten - zum Glück konnten die beiden frisch erbeuteten Tiere unversehrt freigelassen werden. Den Vogelfänger mit den bislang meisten Bogenfallen ging der Polizei südöstlich des Iseosees ins Netz: Komiteemitglieder hatten hier eine Hand voll Fallen entdeckt und die Beamten an den Fanggeräten postiert. Als der Wilderer geschnappt war, begannen die Polizisten mit dem Abbau der Bogenfallen und waren am Ende bei Sage und Schreibe 173 Stück angelangt!

Bei zwei Fangstellen mussten insgesamt 31 Schlagfallen abgebaut werden, weil unsere Mitglieder bei der Suche gesehen worden waren. Die Polizei beendete drei Ansitze an zuvor von uns gefundenen Fangstellen, weil die Täter offenbar Verdacht geschöpft hatten und nicht gekommen waren - hier wurden insgesamt 13 Schlagfallen, 14 Netze und 23 Bogenfallen sichergestellt.

Montag, 25.10.2010

Das Wochenende war verregnet und der heutige Montag wartete mit schweren Wolkenbrüchen auf. Die derzeit 14 Teilnehmer des Komitee-Vogelschutzcamps hatten deswegen nicht die besten Voraussetzungen für die Fallensuche im Gebirge. Auch die an den von uns ausgekundschafteten Fangstellen ausharrenden Polizisten warteten bei dem schlechten Wetter meist vergeblich auf die Wilderer - trotzdem wurde am Samstag und am Sonntag je ein Vogelfänger gestellt:
Am Samstag erwischten die Beamten einen Wiederholungstäter, der bei Marone unweit des Iseosees ein Netz, eine Bogenfalle und zwei Schlagfallen aufgestellt hatte. Er war vor einiger Zeit bereits mit Bogenfallen ertappt worden. Nur wenige Kilometer nördlich davon stellten die Polizisten einen 75jährigen Mann, der seine 25 Bogenfallen kontrollieren kam.

Ebenfalls am Iseosee sammelten Komitee-Mitglieder 5 Bogenfallen ein - hier lohnte sich ein Ansitz der Polizei nicht.

Dienstag, 26.10.2010

Heute konnte die Polizei zwei weitere Wilderer aufgrund unserer Hinweise dingfest machen - es waren die Nr. 50 und 51 in diesem Herbst: In Pertica Alta (Val Sabbia) wurde ein Mann gestellt, als er auf seinem Grundstück 25 Schlagfallen kontrollierte, in Lumezzane konnte ein Vogelfänger mit 13 Schlagfallen erwischt werden.

Die 14 Komitee-Mitglieder, die derzeit in Brescia im Einsatz sind, haben zudem 2 Fangnetze in Lodrino (Val Trompia) und 3 bei Vobarno (Val Sabbia) gefunden und abgebaut. Der Eigentümer der beiden Netze von Lodrino revangierte sich mit einem Eimer Farbe, den er über eines unserer Mietfahrzeuge schüttete - zum Glück konnte sie fast völlig entfernt werden!

Donnerstag, 28.10.2010

Auch in den letzten zwei Tagen waren weiterhin 14 Komiteemitglieder aus Irland, Italien und Deutschland in Brescia im Einsatz. Bei schönem Herbstwetter konnten sie im mittleren Val Trompia und im unteren Val Sabbia 7 Fangstellen finden - die hier stehenden 102 Schlagfallen, 32 Bogenfallen und 9 Netze wurden abgebaut, weil keine Polizisten für Ansitze zur Verfügung standen.
Die Polizei selbst hat an drei von uns zuvor ausgekundschafteten Stellen 3 Netze und 15 Bogenfallen abgebaut, 9 Lockvögel wurden sichergestellt. Die Wilderer hatten die versteckten Beamten offenbar gesehen.

Zwei Vogelfänger wurden noch überführt - vermutlich die letzten der Saison, denn die meisten Polizeibeamte wurden bereits aus dem Fanggebiet abgezogen: Am späten Abend des 26.10. erwischten Polizisten einen Wilderer bei Polaveno (Val Camonica) mit 20 Bogenfallen, am heutigen Donnerstag stellte die Provinzpolizei einen Mann mit zwei Netzen in Lumezzane (Val Trompia).

Samstag, 30.10.2010

Trotz schönem Wetter haben die 16 Teilnehmer des Vogelschutzcamps gestern und heute fast nichts gefunden. Es macht den Eindruck, dass wir in den vergangenen 4 Wochen alle guten Fangstellen durchsucht haben und nun fast keine Fallen und Netze mehr stehen!

Gestern haben die Teams einst fallenreiche Berghänge durchkämmt und gar nichts gefunden - heute wurde nördlich von Brescia 1 Netz gefunden, das für einen Ansitz der Polizei stehen gelassen wurde. Im Umfeld dieser Fangstelle wurde ein geschossener Sperber entdeckt! Im oberen Val Trompia bei Bovegno mussten 10 Bogenfallen abgebaut werden.

Montag, 01.11.2010

Am Sonntag gelang es der lokalen Forstpolizei, einen weiteren Wilderer aufgrund unserer Hinweise zu überführen - ein "kapitaler Fang", wie sich bald herausstellte: Wie bereits am 30.10. geschrieben, hatte ein Komitee-Team nördlich von Brescia 1 Netz gefunden, das für einen Ansitz der Polizei stehen gelassen wurde. Am Sonntagmorgen wurden die Beamten an dem Netz postiert und konnten nach recht kurzer Zeit eine Frau, die das Fanggerät kontrollieren kam, in flagranti stellen. Die Polizisten fanden bei der näheren Suche ein zweites Netz und 15 Schlagfallen in dem Garten und beschlossen sich zu einer Hausdurchsuchung. In der Wohnung wurden 4 weitere Netze, 16 Schlagfallen und eine Kühltruhe mit mehr als 50 toten Mönchsgrasmücken, Rotkehlchen und Buchfinken gefunden.
Es stellte sich schnell heraus, dass der Ehemann der "Vogelfängerin" ein staatlich bestellter Vogelfänger ist - er fängt mit einer Sondergenehmigung im Auftrag der Provinzverwaltung ganz offiziell Singvögel, die als Lockvögel für die Tarnhüttenjagd verwendet werden. Das Geständnis seiner Frau, ganz alleine für die Wilderei im hauseigenen Garten verantwortlich zu sein, ist wohl der fadenscheinige Versuch, die Aufmerksamkeit von ihrem Mann abzulenken. Wäre er erwischt worden, hätte dies die Provinzverwaltung vor ein ausgesprochen peinliches Problem gestellt.

Wie sich zudem herausstellte, ging der Wilderer, der am Abend des 26.10. bei Polaveno erwischt wurde (siehe Eintrag vom 28.10.) nicht auf das "Konto" des Komitees. Die Polizei hatte den Standort selbst gefunden und den Aufgriff versehentlich dem Komitee zugeschlagen. Die Anzahl der seit Anfang Oktober 2010 in Brescia erwischten Vogelfänger bleibt damit bei 53, die in Polaveno gefundenen 20 Bogenfallen werden von unserem Ergebnis abgezogen.

Am heutigen Montag hat es derart dramatische Regenfälle gegeben, dass kein Einsatz möglich war.

Mittwoch, 03.11.2010

Nachdem sich das Wetter in Norditalien wieder beruhigt hat, konnte das in diesen Tagen noch eingesetzte letzte Komitee-Team wieder in den Bergen nördich der Provinzhauptstadt Brescia nach Fallen und Netzen suchen. Erfreulicherweise konnten sie nicht ein einziges Fanggerät finden!
Alle kontrollierten Bereiche - altbekannte und traditionelle Fangstellen ebenso wie neue und noch nie aufgesuchte Gebiete - sind völlig verwaist. Die Fangsaison neigt sich aber auch dem Ende, auf 2.000 Metern liegt bereits Schnee, in der Nacht sinkt die Frostgrenze auf unter 1.200 Metern - hier ist der Vogelfang für diesen Herbst so oder so vorbei, denn die Vögel haben diese Gebiete inzwischen weitgehend verlassen.

Freitag, 05.11.2010

Gestern waren die derzeit in Brescia noch aktiven 4 Komitee-Mitglieder bei ihrer Suche erfolglos, heute sind sie wieder fündig geworden: In Valvestino, gelegen im Gebirge zwischen Garda- und Idrosee, konnten sie an mehreren Fangstellen insgesamt 84 Bogenfallen und 2 Fangnetze abbauen.

Samstag, 06.11.2010 - letzter Einsatztag!

Am heutigen Samstag endet das diesjährige Vogelschutzcamp in Brescia. Ein Team war heite im mittleren Val Trompia bei Tavernole im Eisatrz und hat nicht eineeinzige Vogelfalle gefunden. Lediglich eine illegale Drahtschlinge zum Fang von Füchsen und eine verbotene Lebendfalle für Säugetiere wurden ausgemacht und zerstört.

Mittwoch, 10.11.2010

Kleine Korrektur der Ergebnisse: Nach der Digitalisierung der Daten vom Vogelschutzcamp müssen die Zahlen der eingesammelten Fallen etwas nach oben korrigiert werden: Bogenfallen + 14 (also 1.228), Schlagfallen + 5 (also 802) und Netze ebenfalls + 5 (also 115).