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Erfolg in Rom: Neues Jagdgesetz

Lombardei und Venetien verzichten auf Finkenjagd
Komitee-Youtubevideo im römischen Parlament gezeigt

Geschossener BergfinkGeschossener BergfinkDie italienische Regierung hat nach jahrelangen Protesten des Komitees gegen den Vogelmord, den von uns angestrengten Gerichtsverfahren gegen die Jagd auf EU-weit geschützten Finken und Pieper und unserer EU-Umweltbeschwerde aus dem Jahr 2011 Konsequenzen gezogen und das Jagdgesetz geändert.

Nach monatelangem Ringen und erheblichem Druck durch die EU-Kommission hat das Parlament in Rom am 31. Juli 2013 die vom Komitee und seinen Partnern vorgeschlagene Änderungen verabschiedet. Dabei geht es um die Einführung zahlreicher Hürden, die großzügige Abschusspläne für EU-weit geschützte Vogelarten künftig fast unmöglich machen.

Die beiden wichtigsten Neuerungen sind dabei:

  • Die Freigaben müssen künftig auf dem Wege der Rechtsverordnung erteilt werden, nicht mehr als Sondergesetze. Damit können wir wieder gegen die Freigaben klagen, denn gegen Verordnungen kann man in Italien vor Gericht ziehen, gegen Gesetze dagegen nicht.
  • Die Jagdfreigabe muss spätestens 3 Monate vor Jagdbeginn erteilt werden. Bislang ist sie oft erst am Tage vor dem Beginn der Jagdsaison veröffentlicht worden - wir hatten damit kaum Zeit für unsere Klagen. Mit der neuen Regelung verbleibt genug Zeit, die Freigaben vor dem ersten Schuss vor Gericht zu Fall zu bringen.

Jäger bei der Finkenjagd am Gebirgspass Colle San Zeno im Herbst 2011Jäger bei der Finkenjagd am Gebirgspass Colle San Zeno im Herbst 2011Besonders bemerkenswert: Den Abgeordneten im römischen Parlament wurde im Juli vor der Abstimmung ein vom Komitee im Herbst 2011 in den Südalpen gedrehtes Video vorgeführt. Es dokumentiert den massenhaften Abschuss von eigentlich geschützten Arten auf einem für den Vogelzug besonders bedeutsamen Gebirgspässen in der Lombardei.

Unabhängig davon wollten die beiden besonders jagdfreundlichen Regionen Lombardei und Venetien auch im kommenden Herbst wieder die Jagd auf Buch- und Bergfinken, Baum- und Wiesenpieper erlauben. Die Regierung in Venedig hat sogar Brüssel gebeten, ihr mitzuteilen, wie sie dies machen könne, ohne Strafen zahlen zu müssen. Die EU hat daraufhin die Jagd auf alle EU-weit geschützte Arten abgelehnt und ohne Umschweife mit Strafen gedroht. Anfang August sind beide Regionen eingeknickt und haben angekündigt, im Herbst 2013 die Jagd auf Finken und Pieper nicht zu erlauben!

Es ist zu vermuten, dass die Jagdlobbyisten in Rom, Venedig und Mailand auch weiterhin versuchen werden, eine Möglichkeit zu finden, die Jagd auf die begehrten Pieper und Finken zu genehmigen. 2013 wird es ihnen nicht mehr gelingen und damit ein zweites Jahr in Folge, denn auch 2012 hatten wir die Jagd verhindert. Das neue Gesetz und der scharfe Gegenwind aus Brüssel wird es den italienischen Regionen auf jeden Fall künftig sehr schwer machen.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat seit dem Beginn der Ausnahmeregelungen im Jahr 1994 insgesamt etwa 95.000 € in Gerichtsverfahren gegen die Jagdfreigaben investiert. Wenn Sie uns unterstützen möchten, freuen wir uns sehr über eine Spende für unsere internationale Natur- und Tierschutzarbeit.