Printer-friendly version

Das Ende der Roccoli

Verfahren der EU-Kommission gegen Italien

Lombardei schließt Ende 2016 alle Fanganlagen


Die in den Roccoli gefangenen Vögel (hier eine Singdrossel) enden in engen Käfigen, um Artgenossen vor die Flinten der Jäger zu locken.Die in den Roccoli gefangenen Vögel (hier eine Singdrossel) enden in engen Käfigen, um Artgenossen vor die Flinten der Jäger zu locken.Jahrzehnte lang haben das Komitee gegen den Vogelmord und sein italienischer Partnerverband LAC gegen den Vogelfang in Großfanganlagen - den sog. "Roccoli" - gekämpft. Jetzt hat die Regierung der Lombardei einen Plan vorgelegt, nach dem die letzte Anlage im Dezember 2016 die Netze endgültig einholen muss. Und die anderen norditalienischen Regionen, die den Vogelfang nach wie vor wieterbetreiben wollen, bekommen nun Druck von der EU-Kommission!

Noch in den 1960er Jahren waren in Oberitalien fast 2.000 Roccoli in Betrieb. In den gigantischen Fanggärten werden Vögel mit Netze gefangen, um sie anschließend als Lockvögel für die Tarnüttenjagd zu verwenden. Mit der Umsetzung der EU-Vogelschutzrichtlinie im Jahr 1993 wurden die meisten der Fanganlagen geschlossen. Ein Teil blieb aber in Betrieb, um die Versorgung der Jäger mit den begehrten Lockvögeln sicherzustellen. Möglich ist dies über ein Schlupfloch in der Vogelschutzrichtlinie, die den Fang von Vögeln aus Gründen der "Traditionspflege" erlaubt. So werden jedes Jahr immer noch mehr als 100.000 Drosseln und Lerchen mit Genehmigung der Behörden in rund 100 Roccoli ganz legal gefangen.

Mit Klagen vor den Verwaltungsgerichten haben das Komitee und die LAC in den letzten 20 Jahren die zum Teil sehr üppigen Fanggenehmigungen immer wieder zu Fall gebracht. Vielfach mussten die Roccoli kurz nach ihrer Öffnung schon wieder geschlossen werden. Nach mehreren Umweltbeschwerden bei der EU-Kommission, Lobbyarbeit in Brüssel, Mailand und Rom und einer Kampagne gegen die Verwendung lebender Lockvögel im Jahr 2012 hat die Regierung der Lombardei jetzt ein Gesetz voregelegt, dass das Ende des Vogelfangs in der Region einleitet: Bis Ende des Jahres 2016 dürfen die 50 Fanganlagen im Herbst betrieben werden, dann soll ein "Nachtzuchtprogramm" für die benötigten Lockvögel sorgen. Die Zahl der zum Fang freigegebenen Vögel soll Jahr für Jahr verringert werden. Um noch möglichst viele Vögel fangen zu können, wollten sie 2013 noch 40.950 Tiere freigeben, nächstes Jahr sollten es noch 34.125 sein, 2015 22.750 und 2016 zum Schluss noch 11.375. Dem hat das Verwaltungsgericht in Mailand nun einen Riegel vorgeschoben: Nach einer Beschwerde von Komitee und LAC haben die Richter am 16.07.2013 geurteilt, dass die Reduzierung sehr viel deutlicher ausfallen muss!

Amsel in winzigem LockvogelkäfigAmsel in winzigem LockvogelkäfigDie anderen Regionen werden dem Vorbild der Lombardei folgen müssen. Die EU-Kommission hat im Februar 2014 ein Verfahren gegen Italien eingeleitet, weil nur die Lombarden das Ende des Vogelfangs in Aussicht gestellt haben. Die Toscana und das Veneto, Friaul und die Emilia-Romana haben bislang keine Anstalten gemacht, ihre Anlagen schließen zu wollen und geben weiterhin großzügige Ausnahmegenehmigungen zum Fang zehntausender Singvögel. Die EU-Kommission vertritt die Ansicht, die Lockvögel seien auch über Nachzuchten zu bekommen und die Jagd ganz allgemein könne auch ohne Lockvögel bewerkstelligt werden. Damit hat Brüssel unmissverständlich klar gemacht, dass es einen Betrieb der Fanganlagen in Norditalien nicht mehr weiter dulden wird!

Auch wenn man mit der Beständigkeit von Regierungsentscheidungen in Italien vorsichtig sein muss, ist der nun beschlossene "Ausstieg aus dem Vogelfang" der Lombardei ein großer Erfolg unserer Arbeit. Natürlich hätten wir uns ein schnelleres Ende der Roccoli gewünscht, aber die Entscheidung ist ein tragbarer Kompromiss. Wir werden die weiteren Schritte der EU-Kommission und in den italienischen Regionen sorgsam im Auge haben und - wenn nötig - auch weiterhin mit Klagen gegen die Fanganlagen vorgehen.