Printer-friendly version

Tarnhüttenjagd: Das Elend der Lockvögel

Komitee startet Unterschriftensammlung

Kernbeißer - eingepfercht in einen engen LockvogelkäfigKernbeißer - eingepfercht in einen engen LockvogelkäfigDie Methode, Zugvögel mit lebenden Lockvögeln anzulocken und anschließend aus Tarnhütten (capanni) heraus abzuschießen, hat in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und auf Malta eine lange Tradition. Allein in den italienischen Alpen werden jedes Jahr mehrere Millionen Drosseln, Lerchen und Finken mit dieser Methode erlegt. Zu verdanken haben die Jäger ihre reiche Beute vor allem dem Einsatz lebender Lockvögel, die ihre Artgenossen scharenweise in die Schießanlagen lotsen.

Eingepfercht in kleine Käfige werden die Lockvögel vor Beginn der Jagd rund um die Capanni auf speziellen Gerüsten aufgestellt. Damit die Tiere im Herbst singen, werden sie vor Beginn der Jagdsaison in einem verdunkelten Raum gehalten. Jeder Tarnhüttenjäger verfügt nach einer Statistik der Provinz Brescia über durchschnittlich 32 lebende Lockvögel. Bei rund 31.000 genehmigten Tarnhütten leben also allein in Oberitalien etwa 776.000 Vögel in dieser Art von „Dunkelhaft“.

Regionen sorgen für Nachschub

Tannenmeise als illegaler LockvogeTannenmeise als illegaler LockvogeUm die Zugvogeljäger mit Lockvögeln zu versorgen, lassen die Regionen jedes Jahr Zehntausende Drosseln und Lerchen in extra dafür gebauten riesigen Netzfanganlagen (roccoli) fangen. Allein in den Regionen Lombardei, Venezien, Toskana, Marchen, Emilia Romana und dem Trentino stehen insgesamt 152 dieser riesigen Fallen. Jede einzelne verfügt über ein zwischen zwei Baumreihen gespanntes System von Netzen, dessen Gesamtlänge viele Hundert Meter betragen kann. Die darin gefangenen Tiere werden anschließend beringt und von den Behörden gratis an die Tarnhüttenjäger verteilt. Allein im Jahr 2010 waren es nach offiziellen Angaben rund 70.000 Tiere.

Wilderei in großem Stil

Dass selbst in den staatlich genehmigten Roccoli große Mengen an geschützten Arten gefangen werden, zeigt das Beispiel einer Anlage bei Capovalle, in der Beamte der Provinzpolizei Brescai nach einem Hinweis des Komitees im Herbst 2008 mehr als 225 illegal gefangene Zugvögel, darunter Rotkehlchen, Wendehälse, Neuntöter, Erlenzeisige, Tannenhäher und sogar mehrere Seidenschwänze beschlagnahmten.

Ähnlich dreist wilderte auch ein staatlich lizensierter Vogelfänger aus Serle, den Mitglieder des Komitees im Oktober 2010 beim Fang geschützter Arten erwischten. Bei einer anschließenden Durchsuchung seines Roccolos und seiner Wohnung wurden von der Polizei 50 tote Grasmücken, Rotkehlchen und Finken sowie 6 illegale Netze und 32 Schlagfallen entdeckt.