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Zugvogeljagd in Frankreich

Flug in den Tod

Die Jagd auf Zugvögel ist wie der Vogelfang auch heute noch ein Volkssport in Frankreich und wird seit der französischen Revolution als Bürgerrecht empfunden. In keinem anderen Land der EU ist die Jagd ein so selbstverständlicher Bestandteil des Lebens - mit fatalen Auswirkungen auf die Natur.

In Frankreich ist die Jagd auf Limikolen - hier ein Kampfläufer - noch weit verbreitet (© Marek Szczepanek/Wikimedia Commons)In Frankreich ist die Jagd auf Limikolen - hier ein Kampfläufer - noch weit verbreitet (© Marek Szczepanek/Wikimedia Commons)In Frankreich gehen 1,3 Millionen Jäger auf die Pirsch, fast doppelt so viele in Italien - jeder 45. Franzose hat einen Jagdschein. Nicht verwunderlich, dass in Frankreich so viele Vögel geschossen werden, wie in keinem anderen Land Europas: In jedem Jahr fallen Regierungsangaben zufolge über 25 Millionen Vögel der französischen Jagdleidenschaft zum Opfer (in Italien sind es 17 Millionen). Hauptjagdbeute sind neben Fasanen, Enten und Rothühnern vor allem Singvögel. In Frankreich werden in jedem Jahr mehr als 5,5 Millionen Drosseln geschossen - darunter mehr als 2 Millionen Singdrosseln und eine Million Amseln - und weit über eine 600.000 Feldlerchen. Nicht mit eingerechnet sind die Millionen von Drosseln und Lerchen, die zusätzlich über Ausnahmegenehmigungen mit eigentlich EU-weit illegalen Fallen gefangen werden.

Dramatisch ist auch die Jagd auf Watvögel (Limikolen). Anderswo in Europa sind die meisten Watvogelarten geschützt und gefährdet, in Frankreich stehen sie auf der Beliebtheitsskala der Jäger ganz oben. Aus Schießbunkern entlang der Atlantikküste und unter Zuhilfenahme von Plastik-Lockvögeln wird das Feuer auf die Durchzügler eröffnet - über eine halbe Million Limikolen landen jedes Jahr in der Pfanne. Für den Kiebitz, dessen Bestände in ganz Europa rückläufig sind, bedeuten diese Jagdauswüchse auf kurz oder lang das sichere Aus: Alleine in Frankreich werden ungeachtet der Bestandssituation in jedem Herbst über 400.000 Kiebitze geschossen. Dazu kommen Jagdfreigaben auf Gold- und Kiebitzregenpfeifer, Knutt, Kampfläufer, Austernfischer, Rot- und Grünschenkel, Pfuhl- und Uferschnepfe, Dunkler Wasserläufer sowie die hochbedrohten Brachvögel. In Deutschland brüten heute noch 6.000 Paare des seltenen Großen Brachvogels - Frankreichs Jäger schießen in jedem Jahr 40.000 ab!