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Die letzte Bastion des Vogelfangs

Frankreich und seine legalisierten Netze, Fallen und Leimruten

Wie alle anderen Mitglieder der Europäischen Union hat auch Frankreich die EU-Vogelschutzrichtlinie in nationales Recht umgesetzt. Der Vogelfang müsste demnach verboten sein - ist er aber nicht! Frankreich ist das einzige Land in der EU, das in großem Umfang alle traditionellen Vogelfangmethoden der letzten Jahrhunderte dreist per Ausnahmegenehmigung erlaubt hat.

Bewahrenswerte Tradition? In Frankreich sind brutale Steinquetschfallen seit 2005 wieder erlaubt!Bewahrenswerte Tradition? In Frankreich sind brutale Steinquetschfallen seit 2005 wieder erlaubt!Ob Rosshaarschlingen in den Ardennen, Netzfanganlagen für Limikolen in der Champagne, Steinquetschfallen im Zentralmassiv, Fangnetze für Lerchen an der Atlantikküste oder Leimruten in der Provence - nahezu alles, was Vogelfänger an Fallen in Europa ersonnen haben, darf auch im 21. Jahrhundert in Frankreich noch angewendet werden. Etwa 1,5 Millionen Vögel werden so jedes Jahr gefangen - mit Wohlwollen der Regierung!

Der Trick, mit dem Frankreich dieses Arsenal an Fallen erlaubt, bringt die Vogelschutzrichtlinie freimütig mit: Denn wenn der Vogelfang aus traditionellen Zwecken nötig scheint, wenn die angewendeten Methoden selektiv und nur "geringe Mengen" von Vögeln betroffen sind, können die Mitgliedsstaaten den Fang ausnahmsweise erlauben. In Frankreich ist aus der Ausnahme leider die Regel geworden - und die vorgenannten Auflagen hält keine der Fangmethoden bei genauerem Hinsehen Stand. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, lügt die Regierung in Paris, bis sich die Balken biegen. Die jährlichen Fangquoten werden absurd niedrig gehalten, um die "geringen Mengen" zu erfüllen und die Selektivität der Fangmethoden wird mit Gefälligkeitsgutachten jagdnaher Institute belegt. Und bei der Frage, was "traditionell" und was "nötig" ist, lässt sich Frankreichs Regierung wohl eher von Wählerstimmen als von Fakten leiten.

Dabei sind diese großzügigen Fanggenehmigungen nicht nur schlimm für die betroffenen Zugvögel. Frankreich macht allen Mitgliedsstaaten der EU vor, wie man die EU-Vogelschutzrichtlinie in aller Öffentlichkeit aushebeln kann, ohne Schwierigkeiten zu bekommen. Kleinere, weniger einflussreiche Länder wie Malta oder Zypern fragen schon, warum Franzosen Netze und Leimruten verwenden dürfen, ihre Landsleute hingegen nicht. Frankreich riskiert einen Flächenbrand - und Brüssel schaut dem bislang fast tatenlos zu!