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Eine Tradition stirbt aus

Kiebitz- und Regenpfeiferfang in der Champagne

Vogelfänger im Aisnetal mit gefangenem KiebitzschwarmVogelfänger im Aisnetal mit gefangenem KiebitzschwarmAn der Aisne, einem Nebenfluss der Maas in der nordfranzösischen Champagne, steht nach einer Kampagne des Komitees gegen den Vogelmord eine Vogelfangtradition vor dem Aus: 1980 betrieben hier noch mehr als 50 Vogelfänger ihre riesigen Fanganlagen. Überall im Flusstal findet man viereckige Teiche, in deren Mitte eine Insel angelegt ist. Im Herbst wird auf dem Eiland ein zweiteiliges Schlagnetz von etwa 100 Quadratmetern Fläche gespannt. Mit lebenden, am Unterleib angebundenen Lock-Kiebitzen und mittels Lockpfeifen werden die wilden Artgenossen zum Fangplatz gelotst, wo der Vogelfänger in einer Hütte lauert. Sind genügend Vögel gelandet, löst er das Netz manuell aus, das dann über den Tieren zusammenschlägt. Die gleiche Methode wird beim Fang von Gold- und Kiebitzregenpfeifern angewendet.

Kiebitz - von der Roten Liste auf die SpeiskarteKiebitz - von der Roten Liste auf die SpeiskarteDie Bestände von Kiebitzen und Golfregenpfeifern sind in ganz Europa gefährdet. Noch zusätzlich zur Jagd mit der Flinte, die auf beide Arten in Frankreich erlaubt ist, den Fang der seltenen Watvögel freizugeben, ist alles andere als nachhaltig und sollte gemäß den Vorgaben der EU-Vogelschutzrichtlinie auch längst verboten sein.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat im Jahr 1993 eine große Kampagne gegen den Kiebitz- und Regenpfeiferfang im Aisnetal gestartet. Insbesondere die deutschen, aber auch niederländische und belgische Medien haben ausführlich über das Thema berichtet und erheblichen Druck auf Politiker und Behörden ausgeübt. Nach einer Umweltbeschwerde des Komitees im Jahr 1994 hat die Verwaltung des Departments Ardennes-Champagne beschlossen, keine neuen Fanggenehmigungen mehr auszustellen - die Tradition sollte mit dem letzten Vogelfänger aussterben. Im Jahr 2009 lebten noch 16 der Kiebitzfänger - Tendenz weiter fallend!