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Klebriges Geschäft

Leimruten in der Provence

Viele Vögel überleben die Tortour des Leimrutenfangs nichtViele Vögel überleben die Tortour des Leimrutenfangs nichtDie Provence hat ihren guten Ruf als Urlaubsgebiet nicht unbedingt zu Recht: Gefiederte Gäste, die den Winter in dem klimatisch begünstigten Hügelland im Südosten Frankreichs verbringen wollen, werden massenhaft und mit aller Brutalität verfolgt, gefangen und getötet.

Ähnlich wie in Norditalien jagen die meisten Jäger der Provence von sog. "Tarnhütten" auf Zugvögel. Auf eigens dazu gerodeten Flächen im Wald wird eine Hütte errichtet, in der der Jäger auf Beute lauert. Die seinen Schießbunker umgebende Fläche ist mit Vogelfutter und Wasser attraktiv gemacht, vor allem aber braucht der Tarnhüttenbesitzer eines: Lockvögel, die mit ihrem Gesang Artgenossen vor die Flinten holen.

Um an diese Lockvögel zu gelangen, hat der französische Staat den Fang von Drosseln erlaubt. In fünf Departements der Provence dürfen Tausende Jäger mit klebrig-zähem Leim betrichene Ruten auslegen, auf denen arglose Singvögel landen und kleben bleiben. Die Auflagen für die entsprechende Sondergenehmigung sind hoch: Jeder Fänger darf nur 20 Vögel pro Jahr fangen, muss stets anwesend sein um die Vögel unverletzt zu befreien, die Ruten dürfen nur in den Morgenstunden ausgelegt werden und der Verkauf der Vögel ist verboten.
Tatsächlich hält sich in den abgelegenen Dörfern der Provence, wo im November kein Tourist mehr die verblühten Lavendelfelder bestaunt, nicht jeder an solche Auflagen. So haben Komitee-Recherchen ergeben, dass die Vögel teuer verkauft werden - an französische Jäger wie auch an italienische Tarnhüttenbesitzer.

Komiteemitarbeiter mit in der Provence gefundenen LeimrutenKomiteemitarbeiter mit in der Provence gefundenen LeimrutenVöllig aus der Luft gegriffen ist die Quote: Der Fang mit Leimruten ist 8 Wochen im Herbst erlaubt, jeder Fänger hat Hunderte Leimruten. Es ist kaum zu glauben, dass die Menschen diesen Aufwand für 20 Vögel betreiben. Vogelfänger vor Ort haben uns bestätigt, dass die Quote spätestens binnen einer Woche ausgeschöpft ist, die restliche Zeit wird einfach illegal weiter gefangen. Effektive Kontrollen: Fehlanzeige.

Dem Fang mit Leimruten in der Provence dürften im Jahr rund 300.000 Drosseln und andere Singvögel zum Opfer fallen. Frankreich ist das einzige Land der EU, das den Einsatz von Leimruten noch erlaubt!

Das Komitee gegen den Vogelmord hat mit Unterstützung des Deutschen Tierschutzbundes im Jahr 2009 eine Recherchefahrt in die Provence unternommen und Informationen zum Vogelfang gesammelt. Die Ergebnisse wurden in einer umfangreichen Stellungnahme der EU-Kommission zur Verfügung gestellt. Der Druck auf die Behörden in den Departements ist seither etwas gewachsen.