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Aktionen gegen den Ortolanfang

Der Fang von Ortolanen ist im Südwesten Frankreichs nach wie vor weit verbreitet und ein gutes Geschäft: Gourmets zahlen im Restaurant bis zu 150 € für einen einzelnen Vogel. Die vom Aussterben bedrohte Ammernart wird mit kleinen Schlagfallen und mittels lebender Lockvögel gefangen und dann wochenlang in Gefangenschaft gemästet. Wenn er sein Gewicht fast verdoppelt hat, macht er seinem altdeutschen Namen "Fettammer" alle Ehre und wird regelrecht geschlachtet. Wer es ganz traditionell mag, ertränkt die Vögel in Armagnac - das soll besonders gut schmecken! Die Behörden drücken in der Regel beide Augen zu - der Fang des begehrten "Leckerbissens" wird toleriert. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

Aussterbende Delikatesse: Der Ortolan (© kikoarcas)Aussterbende Delikatesse: Der Ortolan (© kikoarcas)Seit dem Jahr 2011 führt das Komitee gegen den Vogelmord Einsätze im südfranzösischen Departement Les Landes durch. Schwerpunkt sind dabei die Dörfer rund um die Kleinstadt Mont-de-Marsan - dem "Epizentrum" der Ortolanwilderei in Europa. Hier treiben die meisten Fänger ihr Unwesen, und hier unterstützen auch Lokalpolitiker, Jagdverbände und Behörden die kriminellen Vogelfänger ganz offen. Jeweils um den Monatswechsel August/September sind vor allem deutsche und italienische Komiteemitglieder in Les Landes eingesetzt. Ihr Ziel ist es, so viele Fangstellen wie möglich ausfindig zu machen, die Polizei zum Einschreiten zu bewegen und - wenn nötig - die illegalen Fallen auch selber zu zerstören. Auf diese Weise haben wir in den letzten Jahren jeweils einige Hundert Fallen eingesammelt und Dutzende Ortolane befreit. Wichtiger ist aber die öffentliche Aufmerksamkeit, die wir mit den Aktionen erzeugen: Die Lokalmedien berichten wieder über das Problem und die lokalen Behörden werden, ob sie nun wollen oder nicht, plötzlich aktiv.

Der Einsätze haben sich als durchaus heikel entpuppt, denn die Fangstellen liegen meist in unmittelbarer Nähe von Häusern. Mehrfach wurden die Komiteemitglieder bereits von den Vogelfängern dabei angetroffen, als sie gerade die Vögel befreiten und Fallen zerstörten. Die Fänger sind meist aggressiv, es blieb aber bislang fast immer bei verbalen Auseinandersetzungen oder kleinen Verfolgungsjagden mit dem Auto. In einem Fall wurde ein italienisches Komitee-Mitglied mit einer Schusswaffe bedroht, in einem anderen Fall schoss ein Wilderer aus größerer Entfernung mit Schrot auf ein Komitee-Team.

Wenn Sie unsere Arbeit in Frankreich unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende ... oder Sie schicken einfach eine Charity-SMS.

Um einen Eindruck von unserem ersten Ortolan-Vogelschutzcamp in Frankreich zu bekommen, hier eine Auswahl aktueller Fotos vom August 2011:

Eine Fangstelle für Ortolane: Rechts des Lockvogels sind die kleinen Schlagfallen zu sehenEine Fangstelle für Ortolane: Rechts des Lockvogels sind die kleinen Schlagfallen zu sehen


Schlagfalle aus Kaninchendraht: Mit dieser einfachen Konstruktion werden die Ortolane gefangen.Schlagfalle aus Kaninchendraht: Mit dieser einfachen Konstruktion werden die Ortolane gefangen.


Trauriges Dasein: Die Lockvögel fristen ihr Leben in öden und kleinen Käfigen, um ihre Artgenossen in die Fallen zu lockenTrauriges Dasein: Die Lockvögel fristen ihr Leben in öden und kleinen Käfigen, um ihre Artgenossen in die Fallen zu locken


Gut versteckt: Um die Fangstellen unbemerkt zu erreichen, haben sich die Komiteemitglieder durch Maisfelder angeschlichen.Gut versteckt: Um die Fangstellen unbemerkt zu erreichen, haben sich die Komiteemitglieder durch Maisfelder angeschlichen.


Abbau der FangstelleAbbau der Fangstelle


Bis zu 4 Lockvögel waren pro Fangstelle zu finden - die Tiere haben einen großen Wert, denn ohne sie ist der Fang fast unmöglich.Bis zu 4 Lockvögel waren pro Fangstelle zu finden - die Tiere haben einen großen Wert, denn ohne sie ist der Fang fast unmöglich.


"Reiche Beute": Gerettete Lockvogel-Ortolane am Ende eines Nacht-Einsatzes"Reiche Beute": Gerettete Lockvogel-Ortolane am Ende eines Nacht-Einsatzes


5 sichergestellte Lockvogelkäfige - die Tiere konnten unversehrt freigelassen werden5 sichergestellte Lockvogelkäfige - die Tiere konnten unversehrt freigelassen werden


Gerettet: 23 vom Aussterben bedrohte Ortolane konnten in die Freiheit entlassen werdenGerettet: 23 vom Aussterben bedrohte Ortolane konnten in die Freiheit entlassen werden


Eine andere Fangstelle. Es muss schnell gehen - das Haus den Vogelfängers ist im Hintergrund zu sehen.Eine andere Fangstelle. Es muss schnell gehen - das Haus den Vogelfängers ist im Hintergrund zu sehen.


Die sichergestellten Drahtfallen wurden mit Kneifzangen zerschnittenDie sichergestellten Drahtfallen wurden mit Kneifzangen zerschnitten