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Die Zülpicher Börde

Ein faktisches Vogelschutzgebiet im südlichen Rheinland

Die Zülpicher Börde ist ein wertvoller Naturraum - auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein hatDie Zülpicher Börde ist ein wertvoller Naturraum - auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Anschein hatDie Zülpicher Börde ist ein agrarisch geprägtes Gebiet zwischen Köln und Düren im südlichen Nordrhein-Westfalen. Die meist als "ausgeräumte Agrarsteppe" wahrgenommene Landschaft ist ein bedeutendes Brut-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche gefährdete Vogelarten, die bislang ohne jeden Schutz ist und zunehmend durch Bauvorhaben zerstört wird.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat im Jahr 2009 den zuständigen Behörden die nachfolgende Stellungnahme vorgelegt, die den Wert der Zülpicher Börde hervorhebt und aufzeigt, dass das Gebiet längst aufgrund der EU-Naturschutzrichtlinien als Vogelschutzgebiet hätte ausgewiesen werden müssen.

1. Einleitung

In der Zülpicher Börde bieten lössreiche Böden und ein trockenes Klima ideale Bedingungen für den Anbau von Getreide, Zuckerrüben und Raps. Dadurch hat sich hier über Jahrunderte eine von Ackerbau geprägte Kulturlandschaft entwickelt. Aus der Eifel in den Rhein entwässernde Fließgewässer, kleine Waldinseln und Baumreihen sorgen für bereichernde Strukturelemente. Im Vergleich zu den nah gelegenen Ballungsräumen des Rheinlandes sind Siedlungsdichte und Erholungsnutzung gering.
Unter diesen Voraussetzungen hat sich im Bereich der Zülpicher Börde eine artenreiche Vogelwelt entwickeln und bis heute halten können. Insbesondere Offenlandarten, die die kulissenarme Landschaft bevorzugen, weisen hier noch nennenswerte Bestände auf.

Für die bedrohte Wiesenweihe ist die Börde ein ideales BrutgebietFür die bedrohte Wiesenweihe ist die Börde ein ideales BrutgebietAlle bisher vorliegenden Untersuchungen und Beobachtungen deuten darauf hin, dass es sich bei der Zülpicher Börde um ein faktisches Vogelschutzgebiet im Sinne der EU-Vogelschutzrichtlinie handelt. Insbesondere für Grauammer, Kornweihe, Merlin und Wiesenweihe ist das Gebiet von großer Bedeutung – vermutlich trifft bei allen genannten Arten das „Top-5-Kriterium“ zu.

Weitere gefährdete Arten wie Turteltaube, Rebhuhn, Wachtel, Kiebitz, Rohrweihe, Feldlerche, Wiesenschaftstelze, Schwarzkehlchen und Nachtigall weisen hohe Brutdichten auf.

Das Komitee gegen den Vogelmord fordert daher die Prüfung zur Nachmeldung des Gebietes an die EU-Kommission.

2. Relevante Arten

2.1. Grauammer
Bei der Grauammerpopulation von vermutlich um oder über 100 Paaren in der Zülpicher Börde handelt es sich nach dem Aussterben der Art in der Soester Hellwegbörde um das letzte verbliebene zusammenhängende Vorkommen in NRW. Entsprechende Untersuchungen des Landesamtes für Naturschutz und Verbraucherschutz NRW (LANUV) belegen diese Einschätzung. Die Zülpicher Börde ist damit das wichtigste Brutgebiet der Art in NRW. Die Grauammer ist dabei als Zugvogelart einzustufen.

2.2. Kornweihe
Die Zülpicher Börde ist neben der Hellwegbörde das wichtigste Überwinterungsgebiet für Kornweihen in NRW. Die LANUV rechnet mit einem Mittwinterbestand der Art von 100 bis 200 Individuen im Land. Die bisherigen Untersuchungen des Komitees gegen den Vogelmord und lokaler Ornithologen belegen alleine für den Bereich der Zülpicher Börde einen Winterbestand von vermutlich über 40 Kornweihen.
Zudem gibt es seit einigen Jahren regelmäßige Brutzeitbeobachtungen der Kornweihe. Wenn auch kein Brutnachweis erbracht werden konnte, gilt die Zülpicher Börde als potentielles Brutgebiet für die Art.

2.3. Merlin
Nach Angaben der LANUV gilt der Merlin in NRW vor allem als Durchzügler und als seltener Wintergast. Unseren Beobachtungen zufolge muss im Bereich der Zülpicher Börde mit einen Winterbestand von über 50 Individuen gerechnet werden. Wir gehen davon aus, dass die Zülpicher Börde damit die Top 5-Kriterien deutlich erfüllt.

2.4. Wiesenweihe
In der Zülpicher Börde brüten jährlich zwischen einem und drei Paaren der Wiesenweihe. Sie ist damit nach der Hellwegbörde das zweitwichtigste Brutgebiet dieser Art und zudem das einzige im Rheinland. Alle bislang nachgewiesenen Bruten fanden in Wintergetreide statt.

2.5. Schwarzkehlchen
Je nach der räumlichen Abgrenzung des betroffenen Gebietes brüten am Südrand der Zülpicher Börde, wo die Ebene in den Eifelfuß übergeht, deutlich mehr als 100 Paare des Schwarzkehlchens. Auch in der Ebene selbst sind Dutzende Paare zu vermuten. Damit könnte das Areal ein Top 5-Gebiet für die Art in NRW sein.

2.6. Weitere gefährdete Arten
Bis zu 10 Paare der Rohrweihe brüten in der Zülpicher Börde - vielfach in GetreidefeldernBis zu 10 Paare der Rohrweihe brüten in der Zülpicher Börde - vielfach in GetreidefeldernAuf den ausgedehnten Feldfluren der Zülpicher Börde brüten nennenswerte Bestände von Kiebitz, Wachtel, Rebhuhn, Feldlerche und Wiesenschafstelze. Bei Feldlerche und Wiesenschafstelze ist dabei mit Dichten zu rechnen, die deutlich über dem Landesdurchschnitt liegen. In den Galeriewäldern entlang der Bäche sowie in den Gehölzinseln und Hecken kommen Turteltaube, Gelbspötter und Nachtigall als verbreitete Brutvögel vor. Insbesondere der Bestand der Turteltaube ist dabei berkenswert. Vereinzelte Paare von Pirol, Baumfalke und Schwarzmilan sind nachgewiesen.
In der Zülpicher Börde brüten zudem bis zu 10 Paare der Rohrweihe in Kiesgruben und in der Ackerflur.
Im Winter ist das Gebiet ein wichtiges Rast- und Durchzuggebiet für Kiebitz, Goldregenpfeifer und andere Limikolen.

3. Räumliche Abgrenzung des Gebietes

Das potentielle faktische Vogelschutzgebiet deckt sich in etwa mit der naturräumlichen Ausdehnung der Zülpicher Börde und betrifft die Kreise Düren, Rhein-Erft, Rhein-Sieg und Euskirchen. Im Westen und Süden bildet der Eifelrand die Abgrenzung, im Osten der Villerücken und im Norden der Verlauf der Autobahn 4 (Köln-Aachen). Es ergibt sich eine ungefähre Fläche von 350 bis 400 Quadratkilometern.
Es muss diskutiert werden, ob der im Südwesten der Börde gelegene, ackerbaulich geprägte Eifelfuß aufgrund der Brutvorkommen von Schwarzkehlchen, Grauammer und Wiesenweihe sowie wegen überwinternder Kornweihen und Merline Teil des Vogelschutzgebietes sein soll. Die Fläche würde sich damit um rund 50 bis 80 Qadratkilometer erhöhen.

4. Schlussfolgerungen

Ohne Schutz wird die Zülpicher Börde weiter zugebaut - wie hier in Düren mit einer HähnchenmastanlageOhne Schutz wird die Zülpicher Börde weiter zugebaut - wie hier in Düren mit einer HähnchenmastanlageDie bereits bei verschiedenen Stellen – vor allem beim LANUV – vorliegenden Informationen lassen den Schluss zu, dass es sich bei der Zülpicher Börde um ein faktisches Vogelschutzgebiet handelt. Um diese Aussage zu untermauern und um eine klare Abgrenzung des Schutzgebietes vornhemen zu können, sind weitere Untersuchungen notwendig.
Das Komitee gegen den Vogelmord arbeitet bereits an einer Langzeituntersuchung zu überwinternden Greifvögeln in der Zülpicher Börde und wird die Ergebnisse zur Verfügung stellen. Eine Kartierung des aktuellen Brutbestandes der Grauammer wäre hilfreich, ebenso wie Untersuchungen zur Brutdichte von Feldlerche und Schwarzkehlchen.

Um das Gebietes langfristig zu sichern, muss es als Vogelschutzgebiet an die EU-Kommission nachgemeldet werden. Im Bereich der Zülpicher Börde ist ein Vorranggebiet für die Landwirtschaft einzurichten, um einer weiteren Zersiedelung und Zerschneidung der Landschaft Einhalt zu gebieten. Vor allem gilt es, den Aus- und Neubau von Straßen, Industriegebieten und Windkraftanlagen einzuschränken und gezielte Schutzmaßnahmen für die Offenland-Vogelarten einzuleiten.

Die Landwirtschaft als Garant für den Erhalt der Kulturlandschaft soll hierbei ausdrücklich nicht eingeschränkt und die Bewirtschafter in Naturschutzmaßnahmnen eingebunden werden.

Komitee gegen den Vogelmord, August 2009