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Vogelgrippe - Gefahr durch Jagd und Wildvogelhandel

Das Vogelgrippevirus H5N1 hat im Jahr 2006 erstmals die Europäische Union und Deutschland erreicht, nachdem es zuvor bereits in Osteuropa und der Türkei nachgewiesen werden konnte. Seither sind Hunderttausende Gänse, Enten und Truthühner in Zuchtbetrieben notgeschlachtet worden – ohne die Ausbreitung des Erregers aufhalten zu können.

Keine Panik vor Wildtieren

Der Vogelgrippe-Virus hatte 2006 die mediale Welt im GriffDer Vogelgrippe-Virus hatte 2006 die mediale Welt im GriffDass Wildvögel von dem auch für den Menschen gefährlichen Virus befallen sein können, hat sich in den letzten Monaten immer wieder bewahrheitet. Rund um das Mittelmeer und auch in Deutschland wurden seit September 2005 einige Dutzend infizierte Wasservögel gefunden. Dass es zumeist Schwäne trifft, liegt weniger an der Tatache, dass diese besonders gefährdet sind, sondern eher an ihrer Auffälligkeit. Wer übersieht schon einen toten Schwan?
Doch eine direkte Gefahr für den Menschen geht von den Wildvögeln nicht aus. Alle der bislang einigen Hundert an der Vogelgrippe erkrankten Menschen haben sich bei intensivem Kontakt mit Hausgeflügel angesteckt, kein einziger Fall wurde bekannt, bei dem der Übertragungsweg über Wildtiere ging. Kein Wunder, kommen doch wilde Vögel nur ausgesprochen selten mit Zweibeinern in Kontakt – außer mit Jägern und Zoohändlern!

Russische Wildvögel auf Deutschlands Jagdstrecken

Fast alle der in Deutschland jagdbaren Vogelarten sind Zugvögel. Insbesondere viele Gänse, Enten und Waldschnepfen, die insgesamt ein Drittel der deutschen Vogelstrecke ausmachen, stammen dabei aus Russland - und nicht wenige sogar aus dem asiatischen Teil des Landes!

In Deutschland geschossene Waldschnepfen kommen vor allem aus Russland (©  Ronald Sl/Wikimedia Commons)In Deutschland geschossene Waldschnepfen kommen vor allem aus Russland (© Ronald Sl/Wikimedia Commons)Vor allem die jährlich zu Zehntausenden in Deutschland geschossenen Wildgänse und Waldschnepfen stammen zu einem überwiegenden Teil aus der Russischen Föderation. 84 % aller Waldschnepfen, 95 % der Saatgänse und sogar 100 % der bei uns erlegten Blässgänse brüten in den Wäldern und Steppen Russlands. Auch bei den Enten sind nicht wenige Ostmigranten anzutreffen. So ist rund ein Drittel aller Stockenten - der für die Jäger hierzulande wichtigsten Entenart - aus Russland, bei der Krickente sind es sogar drei Viertel. Legt man die Jahresstrecke zugrunde, so ergibt sich eine Zahl von rund 180.000 bis 190.000 aus Rußland stammende Zugvögel, die in Deutschland vom Himmel geholt werden. Mindestens 7.000 bis 8.000 Tiere brüten dabei östlich des Urals in Asien!

Doch es bleibt nicht bei diesen Zahlen, denn das Virus ist hochansteckend. Die Vogelschwärme, die die Krankheit mit sich führen, vereinigen sich im östlichen Mitteleuropa mit den dort ansässigen und den in Skandinavien brütenden Wasservögeln und bilden riesige Schlaf- und Rastgemeinschaften. Wenn das Virus hier erst grassiert, sind binnen kurzer Zeit viele Millionen Tiere infiziert - und mit ihnen ein erheblicher Teil der begehrten Jagdbeute. Deutschlands Jäger stellen daher mit mehreren Hunderttausend Kontakten zu potentiell infizierten Vögeln die größte Rolle bei der Verbreitung der Krankheit in Mitteleuropa.

Geschmuggelte russische Vögel im Zoohandel

Schmuggeltransporte lebender asiatischer Wildvögel, die zu Tausenden über Osteuropa an den Behörden vorbei nach Deutschland geschleust werden, sind ein weiteres großes Problem bei der Eindämmung der Vogelgrippe. Allein in den letzten Jahren sind trotz strenger Importverbote mehrere Dutzend Schmuggeltransporte mit jeweils bis zu 2000 wildgefangener Vögel aus Sibirien an der EU-Ostgrenze aufgeflogen. Neben verschiedenen Wasser- und Greifvögeln werden vor allem zahlreiche Singvögel wie Gimpel, Stieglitze und Kreuzschnäbel illegal eingeführt. Versteckt in hohlen PKW-Rückbänken oder doppelten Böden von Ladeflächen werden jedes Jahr mehr als 100.000 Exoten aus Rußland und Asien nach Deutschland geschmuggelt, wo sie auf Tierbörsen und in Zoogeschäften von angeblichen „Züchtern“ verkauft werden. Wenn infizierte Vögel in die Verkaufsregale gelangen, könnte sich die Krankheit wie ein Lauffeuer auch unter Wellensittichen und Kanarienvögeln verbreiten. Die Folge könnte der Tod Tausender Stubenvögel sein.

Forderungen

Das Komitee gegen den Vogelmord hat von den Bundesministerien für Verbraucherschutz, Gesundheit und Inneres Sofortmaßnahmen gegen den illegalen Tierhandel und die Jagd auf Wasservögel gefordert. Dazu gehören ein umgehendes Verbot der gesamten Vogeljagd wie auch verstärkte Kontrollen des Zolls an Deutschlands Ostgrenzen und auf Flughäfen. Eine dem Bundeslandwirtschaftsministerium vom Komitee gegen den Vogelmord Ende August 2005 vorgelegte Ausarbeitung zur Jagd auf russische Vögel in Deutschland finden Sie hier. Zudem sind natürlich die Aufstallung von Zuchtvögeln während der Zugzeit ebenso sinnvoll wie ein Verbot des Ausbringens von Stallmist aus der Geflügelzucht zur Düngung landwirtschaftlicher Flächen - auf den Feldern rasten gerne Wildgänse und Schwäne und könnten mit dem Virus infiziert werden.

Weitere Infos ....

... zur Vogelgrippe erhalten Sie auf folgenden Webseiten:

Institut für Vogelforschung Wilhelmshaven .
Robert-Koch-Institut .