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Vogelfang in Deutschland

Mit Leim und Netzen auf der Vogelpirsch

Stieglitze waren bis in die 1980er Jahre begehrte Beute deutscher VogelfängerStieglitze waren bis in die 1980er Jahre begehrte Beute deutscher VogelfängerIn Deutschland ist der Fang von Wildvögeln für den Kochtopf oder die Käfighaltung seit vielen Jahrzehnten verboten.* Noch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es hierzulande große Fanganlagen, mit denen Singvögel zum Verzehr gefangen wurden. In der Regel kamen Netze zum Einsatz; Schlingen und Leimruten waren schon einige Jahrzehnte zuvor verboten worden. Bis in die 70er Jahre war in manchen Bundesländern noch der Fang von Finken mit kleinen Schlag- oder Stellnetzen erlaubt - die Tiere endeten als "Stubenvögel" in den Wohnzimmern. Mit der Verabschiedung des ersten Bundesnaturschutzgesetzes im Jahr 1979 war damit endgültig Schluss.

Aber insbesondere in den Bergbaugebieten - allem Voran im Harz und im nordrhein-westfälischen Steinkohlerevier - ist die Tradition des Vogelfangs immer noch lebendig. Hier gibt es bis heute ungezählte "Waldvogelhalter", die meist legal Dompfaffe, Stieglitze und andere einheimische und unter Naturschutz stehende Finken züchten, zum Teil aber auch mit Netzen auf die Vogelpirsch gehen. Die illegal erbeuteten Vögel wandern als "Blutauffrischung" in die Zuchten oder werden unter der Hand verkauft. Der Fang von Finken für die Vogelhaltung ist inzwischen allerdings selten geworden.

Aber auch für den Kochtopf wird noch gewildert: Vor allem aus dem Mittelmeerraum wurde zum Teil der Vogelfang als Tradition mitgebracht. Neben Netzen und Fangkäfigen kommt dabei vor allem Leim zum Einsatz. Alleine in Bonn und Rheinbach - direkt vor der Haustüre unserer Bundesgeschäftsstelle - hat es seit dem Jahr 2008 zwei Fälle von Vogelfang mit Leimruten gegeben - beide Täter wurden vom Komitee gegen den Vogelmord überführt. Aber auch aus anderen Teilen Deutschlands, z.B. aus München, Hannover, Bremen und aus der Eifel, gab es in den letzten Jahren vermehrt Berichte über den Vogelfang mit Leim. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein, weil vielfach auf Privatgrundstücken und versteckten Kleingartenanlagen gefangen wird.


* Von dem Verbot ausgenommen ist der Fang von Vögeln im Rahmen der wissenschaftlichen Vogelberingung