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Stromtod von Vögeln: Der Countdown läuft

Mitarbeiter der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) mit einem Stromopfer - ein UhuMitarbeiter der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) mit einem Stromopfer - ein UhuMittelspannungsmasten sind der Grund für den Tod zahlreicher Großvögel wie Seeadler, Rotmilan, Weißstorch und Uhu. Bei Berührung spannungsführender Teile kommt es zu einem tödlichen Stromschlag. Allein in Deutschland wird der Bestand solcher für Vögel gefährlichen Konstruktionen auf 350.000 geschätzt. Die Bundesregierung hat deshalb 2002 die Neuerrichtung gefährlicher Masttypen strikt verboten und alle Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet, alte Masten bis Ende 2012 vogelfreundlich umzurüsten. Doch während die Stromkonzerne einen Milliardengewinn nach dem anderen verbuchen, wurde bei der Umrüstung der gefährlichen Strommasten anscheinend kräftig gespart.

Betroffene Arten

Exakte Daten über die genaue Anzahl der Stromopfer gibt es nicht. Experten gehen auf der Basis regionaler Studien aber davon aus, dass jedes Jahr viele Tausend Vögel aufgrund unzureichend gesicherter Stromleitungen sterben. So sind zum Beispiel im Rahmen einer Langzeituntersuchung der Staatlichen Vogelschutzwarte in Potsdam zwischen 1990 und 2007 insgesamt 1.119 Wildvögel als Opfer von Energiefreileitungen in Brandenburg registriert worden. Davon sind 527 Tiere eindeutig durch Stromschlag gestorben, der Rest starb durch direkte Kollision mit den Leitungen. Die meisten Opfer stellen mit 442 Individuen Schreitvögel wie Störche und Reiher dar. An zweiter Stelle stehen mit insgesamt 214 Opfern Greifvögel wie Rotmilane, Seeadler oder Mäusebussarde. Betroffen sind aber auch Enten, Kraniche, Eulen und rund 35 weitere Vogelarten.

Bussard auf gesichertem Strommast (weiße Abdeckhaube).Bussard auf gesichertem Strommast (weiße Abdeckhaube).Wie hoch die Verluste bei einzelnen Arten sein können, zeigt das Beispiel Uhu: Der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen (EGE) liegen insgesamt 1.583 Fundmeldungen beringter Uhus mit bekannter Todesursache vor. Von diesen Tieren waren 415 Stromopfer an Mittelspannungsleitungen - das ist mehr als jeder vierte Vogel! Rechnet man die 103 Verluste an den Oberleitungen der Bahn hinzu, sind ein Drittel aller aufgefundenen Uhus Stromopfer.

Allein der Stromriese RWE hätte nach aktuellem Stand noch etwa 80.000 Masten zu sichern. Dabei wäre eine komplette Umrüstung des Leitungsnetzes in den letzten neun Jahren ohne Probleme möglich gewesen. Längst sind technische Lösungen für eine vogelschutzkonforme Konstruktion neuer Masten und das Nachrüsten alter Anlagen entwickelt worden. Doch anstatt zu handeln, wurde bei RWE offenbar jahrelang tatenlos abgewartet und das Problem auf die lange Bank geschoben. Erst als der Stromriese durch eine Kampagne des Komitees und der EGE im November 2008 unter Druck geriet (siehe hier), erkannte er öffentlich an, was längst Gesetz ist. Und geschehen ist trotzdem nicht viel.

Tatsächlich rechnet kaum jemand mit einer fristgerechten Umrüstung. Die verantwortlichen Unternehmen haben zu viel Zeit der ihnen seit 2002 eingeräumten Frist verstreichen lassen. Böse Zungen behaupten sogar, die Netzbetreiber könnten einfach darauf vertrauen, dass die Versäumnisse von niemandem aufgedeckt werden. Denn die wenigsten Vogelschützer sind in der Lage, gefährliche von ungefährlichen Masten zu unterscheiden oder haben Lust, Leitungen auf gefiederte Todesopfer hin abzusuchen.

Die Rechtsgrundlage: § 41 Bundesnaturschutzgesetz

Um dem Tod von Großvögeln auf Mittelspannungsmasten entgegenzuwirken, verpflichtete die Bundesregierung die Stromkonzerne im Jahr 2002 dazu, alle für Vögel gefährlichen Leitungen zu entschärfen. Konkret heißt es in § 41 des Bundesnaturschutzgesetzes: „Zum Schutz von Vogelarten sind neu zu errichtende Masten und technische Bauteile von Mittelspannungsleitungen konstruktiv so auszuführen, dass Vögel gegen Stromschlag geschützt sind. An bestehenden Masten … sind bis zum 31.12.2012 die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung gegen Stromschlag durchzuführen“.

Machen Sie mit: Protestaktion gegen Stromtod!

Trotz eindeutiger gesetzlicher Vorgaben verläuft die vogelfreundliche „Entschärfung“ der gefährlicher Stromleitungen durch die Netzbetreiber nur sehr langsam. Eine vollständige Umrüstung der deutschen Leitungslandschaft in der noch verbleibenden Zeit bis Ende 2012 ist schon jetzt kaum noch zu schaffen. Die Umweltminister der Länder müssen sich deshalb der Sache endlich annehmen und die verantwortlichen Unternehmen an ihre Pflichten erinnern.
Jeder kann dabei mithelfen, den Stromtod von Vögeln zu beenden. Zum Beispiel durch ein Schreiben an den eigenen Stromversorger, einen Leserbrief in der Lokalzeitung oder das Melden von Stromopfern. Um auch die verantwortlichen Politiker aus ihrem Dornröschenschlaf aufzuwecken, hat das Komitee eine Protestaktion mit dem Titel „Stoppt den Stromtod“ gestartet. Neben einer vorgefertigten Protestmail haben Sie auch die Möglichkeit, Protestpostkarten kostenlos bei uns zu bestellen. Das geht einfach per Mail (komitee (at) komitee.de), per Telefon (0228 / 665521), über Feedback-Formular oder über unsere Bestellseite.

Zur Protestmail an die Umweltministerkonferenz kommen Sie hier (noch nicht aktiv - Freischaltung am 8.4.2011!).