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Kormorane und Fischbestände

In naturnahen Gewässerrn haben Kormorane keinen Einfluss auf Fischbestände (© Ingrid Taylar/Wikimedias Commons)In naturnahen Gewässerrn haben Kormorane keinen Einfluss auf Fischbestände (© Ingrid Taylar/Wikimedias Commons)In der Diskussion um die Frage, wie Kormorane Fischbestände beeinflussen und ob sie fischereiwirtschaftliche Schäden verursachen, wird meist ausgeblendet, dass Kormorane und Fische nur Teile eines Nahrungsnetzes sind. Zu diesem Netz gehören auch pflanzliches und tierisches Plankton (z.B. Algen, Kleinkrebse, Rädertierchen), Muscheln, die Gewässerchemie sowie die klimatischen Bedingungen und die menschlichen Nutzungen dazu ( 19 ). So beträgt beispielsweise die von Fischern nach dem Fang als wertlos weggeworfene Menge an uninteressanten Fischen im Ijsselmeer 16 kg pro Hektar ( 19 ).
Innerhalb eines Fischbestandes ist ohne Entnahme von Jungfischen durch eine Reihe von Umweltfaktoren die Sterblichkeit recht hoch ( 20 ). Die Entnahme von Junfischen führt zu einem besseren Wachstum der verbleibenden Tiere - die "Beutezüge" des Kormorans führen also nicht automatisch zu einer Reduzierung des (nutzbaren) Fischbestandes, zumal in der Mehrzahl der Fälle fischereilich uninteressante Arten erbeutet werden.

Ökonomischen Schaden allerdings können Komorane in nicht durch Überspannungen oder ähnliche Massnahmen geschützten Teichwirtschaften mit dichtem Fischbesatz anrichten (z.B. ( 21 )).

Allgemein anerkannte wissenschaftliche Arbeiten, die belegen, dass Kormorane in natürlichen Gewässern ökonomische Schäden verursachen oder eine Bestandsbedrohung für einzelne Fischarten darstellen, liegen bislang nicht vor. Insbesondere für große Seen wird in verschiedenen Arbeiten eine Beeinträchtigung der Fischbestände verneint (Übersicht bei ( 22 )).
Im Uferbereich und in der Schwimmblattzone nährstoffreicher Seen sind die Fischbestände um ein Vielfaches höher, als im Bereich der offenen Wasserflächen. In der Uferzone wurde ein Bestand von 1.200 bis 1.800 kg/ha nachgewiesen, während es im Bereich der offenen Wasserflächen lediglich 200 bis 300 kg/ha sind. Der Kormoran nutzt zu 85 % offene Wasserflächen ( 23 ). Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass naturnahe Uferzonen mit Versteckmöglichkeiten für Fische an Seen der Entnahme durch Kormorane entgegenstehen.
Rückläufige Fischereierträge können auch durch den Rückgang der Überdüngung der Gewässer verursacht, wie dies unter anderem für Felchen in Schweizer Seen gezeigt wurde ( 24 ). Durch die Entnahme von Kleinkrebse vertilgenden Weißfischen tragen Kormorane nachgewiesenermaßen zu einer Verbesserung der Wasserqualität bei, da so die wichtigen, das Gewässer filtrierenden Kleinkrebsbestände (Wasserflöhe, Hüpferlinge) sich wieder erholen können ( 25 )( 26 ).

Auch im Bereich der Küstengewässer lassen sich keine Schäden für Fischerei oder Fischbestände nachweisen ( 14 )( 15 )( 16 ).

Die Fischbestände der Fliessgewässer sind durch eine Vielzahl von Faktoren beeinträchtigt ( 2 ). Naturferne Gewässerstrukturen, Nährstoffsituation sowie die toxische Belastung durch Mikroverunreinigungen der Gewässer stehen im Vordergrund. Auch die Gewässererwärmung spielt eine Rolle. So verendeten zum Beispiel allein im Hochrhein 50.000 Äschen im Hitzesommer 2003 ( 27 ). Aber auch nur ein geringer Temperaturanstieg bedeutet schlechtere Bedingungen für Laich und Jungfische von z.B. Äsche und Bachforelle.
In einer Übersicht über die Äschenpopulationen in der Schweiz ist Kormoranprädation in nur wenigen Beständen ein Einflussfaktor ( 28 ). Eine vergleichbare Übersicht mit der detaillierten Analyse der Gefährdungsfaktoren von Fischarten der Fliessgewässer fehlt bislang für Deutschland bzw. auch nur einzelne Bundesländer.