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Fischschutz ohne Flinte

Angler und Fischer sollten für natürliche Uferstrukturen sorgen, um Fischbestände zu unterstützen (© Mila Zinkova/Wikimedia Commons)Angler und Fischer sollten für natürliche Uferstrukturen sorgen, um Fischbestände zu unterstützen (© Mila Zinkova/Wikimedia Commons)Fischer und Angler, Behörden und Naturschützer sollten gemeinsam im Interesse der Fischbestände an Verbesserungen der Gewässerstruktur arbeiten. In verschiedenen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Artenvielfalt und Bestandszahlen der Fischfauna durch Renaturierungsmaßnahmen zunahmen (z.B. ( 29 ))
Die Verbesserung von Gewässerstrukturen führt nicht nur zu Ruhe- und Schutzzonen für Fische, sondern bringt auch neue Laichplätze mit sich. Dadurch wird ein vitalerer Fischbestand gefördert, der besser etwaige Verluste auffangen kann. Fischzuchtanlagen können wirksam durch Überspannung mit Seilkonstruktionen oder Einhausung mit Gittern geschützt werden ( 30 ).

Das Ausmaß der Entnahme von Fischen durch Kormorane lässt sich anhand des typischen Verletzungsmusters innerhalb eines Fischbestandes abschätzen und so ein methodisch sauberes Monitoring durchführen ( 28 ). Ob die in vielen Bundesländern durchgeführten Abschüsse von Tausenden durchziehender und überwinternder Kormorane das Ausmaß der Kormoranprädation verringern, ist allerdings in Deutschland nirgendwo mit dieser Methode untersucht worden.

Die Ergebnisse einer Konferenz international renommierter Fisch- und Fischereiwissenschaftler werden vom Leiter des Hull International Fischeries Institute, University of Hull, UK folgendermassen zusammengefasst ( 31 ).

Vielfältige Faktoren beeinflussen die Fischbestände wie auch den Fischereiertrag. Schwellenwerte, ab denen ein relevanter Schaden auftritt, sind von Gewässer zu Gewässer wie auch von Jahr zu Jahr und von Fischerei zu Fischerei verschieden. Generell festgelegte Schadensschwellen helfen daher nicht weiter. Managementansätze müssen komplex sein und die vielen Facetten des Problems berücksichtigen. Bisher durchgeführte Managementmaßnahmen und ihre Bewertung (nach ( 31 )).

  • Massentötung von Kormoranen: Keine Option, da Schwellenwert zur Bestandsbedrohung unbekannt und Störung des Lebensraumes mit Auswirkung auf bedrohte Tierarten (z.B. Rohrdommel)
  • Abschüsse: Keine Option, da Nachrücken aus der Umgebung, Störung des Lebensraumes
  • Zerstörung von Nestern, Ölen von Eiern: Nur lokaler und kurzfristiger Effekt, Störung des Lebensraumes
  • Vertreibungsmethoden: Müssen dauerhaft durchgeführt werden, Störung des Lebensraumes
  • Schaffen von Fischrefugien (künstliche Riffe, Totholz): Erfolgreich getestet, Angeln muss modifiziert werden ( 31 )

Nach [31] sind Kormorane nicht notwendigerweise schädlich für Fischbestände. Positive Effekte der Entnahme von Fischen durch Kormorane auf die Dynamik und Entwicklung von Fischbeständen sind nachgewiesen. Es gibt Anhaltspunkte für eine Bevorzugte Entnahme von mit Parasiten befallenen Fischen durch fischfressene Vogelarten.

Nach dem Konsens der Fischerwissenschaftler treten Schäden durch Kormorane höchsten lokal und nicht generell auf ( 31 )

Als Maßnahmen werden von den internationalen Fischereiexperten vorgeschlagen ( 31 )

  • Jedes Überfischungsproblem muss erkannt werden.
  • Wiederherstellung oder Lebensraumverbesserung von Laich- und Aufwuchsgebieten, Herstellung optimaler Bedingungen für Wachstum und Überleben der Fische.
  • Verminderung der Fischentnahme durch Vögel durch Verbesserung der Gewässerstrukturen.
  • Rückzugsmöglichkeiten für Fische schaffen, zu denen Kormorane keinen Zugang haben
  • Charakteristika der Gewässer feststellen, in denen der Kormoran trotz Nahrungsangebot nicht anzutreffen ist, und diese bei Gestaltung anderer Gewässer nachahmen
  • Vom Menschen eingebrachte Fische („Besatzfische“) kennen ihren Lebensraum nicht und sind eine leichte Beute für Kormorane
  • Wenn überhaupt, dann nur Besatz mit größeren Fischen zu Zeiten mit geringer Kormoranprädation.

Als Vergrämungsinstrument gegen Kormorane wird von Fischereiseite immer wieder auch ein höherenergetischer Laser der Laserschutzklasse 3B in die Diskussion gebracht. Die Geräte wurden in mehreren Bundesländern auch bereits eingesetzt - nicht zuletzt aufgrund der Proteste des Komitees gegen den Vogelmord finden die Laser derzeit aber nirgends in der Bundesrepublik Verwendung.