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Der Kormoran

Von der Roten Liste auf die Abschussliste

Der Kormoranbestand hat sich erholt - und führt zu Futterneid bei Anglern und Fischern (© Bernd Fuhs)Der Kormoranbestand hat sich erholt - und führt zu Futterneid bei Anglern und Fischern (© Bernd Fuhs)Als fischverzehrender Vogel wird der Kormoran schon seit Jahrhunderten vom Menschen als Konkurrent angesehen. Nachdem die Vogelart durch Verfolgung und Vergiftung der Eier durch u.a. DDT nahezu ausgestorben war, wurde sie Anfang der 1970er Jahre europaweit unter Naturschutz gestellt. Die Bestände erholten sich und haben nach einem kräftigen Wachstum in den 1990er Jahren sich auf einem stabilen Niveau eingependelt.

Dieses Wachstum führte zu Konflikten zwischen Naturschützern auf der einen und Anglern und Fischern auf der anderen Seite. Wenn auch aufgrund der EU-Vogelschutzrichtlinie eine reguläre Bejagung des Kormorans rechtlich nicht möglich ist, werden über Ausnahmegenehmigungen Kormorane in vielen EU-Staaten erlegt und es erfolgt örtlich auch eine systematische Zerstörung von Brutkolonien. In der Bundesrepublik werden jährlich mehrere Tausend Kormorane geschossen - vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Die hitzige Kormorandebatte in Deutschland verstellt den Blick darauf, dass die Fischbestände nicht nur in den Meeren, sondern auch in den Binnengewässern grundsätzlich bedroht sind. Die Entnahme von Fischen durch Vögel spielt dabei allenfalls lokal eine kleine Nebenrolle, wie das Projekt Fischnetz Schweiz demonstriert hat. In naturwissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Fischrückgang in vielen Gewässern wurden dagegen im letzten Jahrzehnt folgende tiefgreifende Ursachen herausgearbeitet:

  • Gewässerstrukturen: Verbauungen der Ufer, fehlende Uferstreifen, Zusetzen der Gewässersohle durch Feinsediment, fehlende Wandermöglichkeiten für Fische durch Stauungen
  • Erheblicher Verlust von Flussfischen an Turbinen der Wasserkraftwerke
  • Schleichende toxische Belastungen durch Mikroverunreinigungen wie hormonartig wirkende Stoffe, Arzneimittelrückstände, Pestizide und Algentoxine
  • Hohe Nährstoffbelastung durch Einschwemmung von Dünger und Gülle
  • Überwuchern von Fischlaich durch Algen
  • Neuartige Fischerkrankungen wie die Nierenerkrankung PKD
  • Genetisch oder naturräumlich nicht adäquater Fischbesatz
  • Stark schwankende Wasserstände durch Wasserkraftnutzung
  • Gewässererwärmung im Rahmen der Klimaerwärmung
  • Sauerstoffmangel am Gewässergrund

Das Komitee gegen den Vogelmord hat an dieser Stelle ausführliche Informationen zur Kormoranproblematik für Sie zusammen gestellt.