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Endstation Deutschland

Zugvogeljagd zwischen Ostsee und Alpen

Gefährdeter Zugvogel: Deutschlands Jäger töten jährlich fast 20.000 WaldschnepfenGefährdeter Zugvogel: Deutschlands Jäger töten jährlich fast 20.000 WaldschnepfenEin ganz erheblicher Teil der in Deutschland jagdbaren Vogelarten sind Zugvögel. Ob Gänse, Enten, Tauben oder Schnepfen, fast alle brüten in den Wäldern und Tundren Nord- und Osteuropas. Deutschland ist für sie ein Rast- oder Überwinterungsplatz. Doch anstatt die Gäste aus Sibirien und Skandinavien zu genießen, fallen Deutschlands Jäger im Winter über die Schwärme her und töten Jahr für Jahr 1,5 Millionen Zugvögel.

Problematisch bei der Zugvogeljagd ist, dass den Jägern die Häufigkeit oder Gefährdung ihrer Beutetiere oft gar nicht bewusst ist. Kein Mensch zählt die Brutpaare der Pfeifente am Nordkap, niemand kennt den Bruterfolg der Waldschnepfe in Russland. Auch wieviele Exemplare welcher Art in Osteuropa in der jeweils laufenden Saison geschossen wurden, weiß kein Mensch. Also betrachten die Jäger hierzulande rein subjektiv einen Vogelschwarm und entscheiden dann mit der Waffe im Anschlag, ob die anvisierte Beute ihnen häufig oder selten, ab- oder zunehmend erscheint.

Die Wald-Saatgans ist vom Aussterben bedroht - und darf in Deutschland trotzdem geschossen werden!Die Wald-Saatgans ist vom Aussterben bedroht - und darf in Deutschland trotzdem geschossen werden!Die Folgen für die Bestände sind fatal. 9.672 Waldschnepfen, 83.059 Gänse, 394.842 Enten, und 552.340 Tauben fielen alleine im Jagdjahr 2014/2015 den bundesdeutschen Jägern zum Opfer. Hinzu kommen Zehntausende erlegte Kormorane, Graureiher und Rabenvögel. Dabei stehen die Waldschnepfe sowie viele zum Abschuss freigegebenen Möwen- und Entenarten längst auf den Roten Listen der bedrohten Tierarten.

Die Vögel werden meist mit breit streuenden Schrotladungen aus hochtoxischem Bleischrot bejagt. Viele Tiere werden dabei nur verletzt und sterben qualvoll an Bleivergiftung. Bis zu 30 % aller Stockenten und 60 % aller Wildgänse treten den Rückweg aus den Winterquartieren in ihre Brutgebiete mit Bleischrot im Körper an. Die meisten Tiere sterben früher oder später qualvoll an den Verletzungen oder an Bleivergiftung.

Doch Deutschlands Jäger begnügen sich nicht mit den weitreichenden Befugnissen zur Zugvogeljagd. Solange sie sich unbeobachtet fühlen, ist die Einhaltung geltender Jagd- und Naturschutzgesetze für die Waidmänner vielfach Nebensache. So sind die verbotene Jagd auf Vögel in Schutzgebieten, Jagd zur Nachtzeit, Abschuss geschützter Arten, Jagd unter Alkoholeinwirkung und ohne Jagdhund in vielen Bundesländern immer noch an der Tagesordnung – wie unsere Kontrollen in Ostdeutschland leider immer wieder bestätigen.
Dazu kommen immer wieder Fehlabschüsse, weil die Schützen aufgrund mangelnder Artenkenntnis - oder auch Unwillens - nicht in der Lage sind, jagdbare Arten von solchen mit Schonzeit zu unterscheiden.