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Pressemeldung 06.04.2013

Willich: Tierquälerei und Greifvogel-Wilderei aufgedeckt
Vogelschützer finden illegale Fallen, tote Greifvögel und verdächtige Köder
Polizei sichert Beweise und leitet Strafverfahren ein

Willich. Vogelschützer und Polizisten haben in den letzten Tagen in einem Jagdrevier bei Willich-Neersen (Kreis Viersen) einen unglaublichen Fall von illegaler Greifvogelverfolgung aufgedeckt. Wie das Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, wurden in einem Waldstück in der Nähe des Donkweges vier illegale Greifvogelfallen, sieben tote Greifvögel, ein toter Fuchs sowie ein mutmaßlicher Giftköder gefunden. Die von den Vogelschützern verständigte Polizei sowie Mitarbeiter des Veterinäramtes sicherten gestern Nachmittag stundenlang Beweise und stellten die verstreut im Wald herumliegenden Kadaver sowie Schlachtabfälle sicher. Eine Untersuchung im Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt soll nun die genaue Todesursache klären.

Eine der in Willich im April 2013 gefundenen LeiterfallenEine der in Willich im April 2013 gefundenen LeiterfallenBei den illegalen Fallen handelt es sich um drei sog. Leiterfallen sowie eine Voliere mit einem eingebauten Fangtrichter, durch die Greifvögel zwar in die Falle hinein gelangen, jedoch nicht wieder hinausfliegen können. In der Voliere befanden sich eine Taube sowie mehrere Enten, die offenbar als Lockvögel dienten, sowie die Kadaver von zwei vermutlich erschlagenen Habichten. Eine der Leiterfallen war mit einem toten Kaninchen, Brotresten sowie einer lebenden Lock-Krähe beködert, die verletzt war und ohne Wasser gehalten wurde. Wenige Meter neben der Falle lag ein frisch toter Mäusebussard, der starke Kopfverletzungen aufwies. Die Krähe wurde sichergestellt und zu einer örtlichen Tierärztin gebracht. Die beiden anderen Leiterfallen waren zum Zeitpunkt des Fundes nicht aktiviert und enthielten keine Köder.

Wie das Komitee weiter mitteilt, wurde bei der Suche in etwa 150 Meter Entfernung zu den beiden aktiven Fallen ein Haufen Schlachtabfälle gefunden, in dessen Umgebung insgesamt 4 weitere tote Bussarde sowie ein Fuchs lagen. "Einem der Tiere ragten noch Fleischreste aus dem Schnabel. Es besteht deshalb der dringende Verdacht, dass diese vier Tiere vergiftet wurden", so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Ein Teil der Kadaver sowie der verdächtige Köder lagen direkter Nähe zu einem sog. "Wildacker", einer Fasanenfütterung und eines Hochsitzes.

Fünf der insgesamt sieben im Revier des tatverdächtigen Jagdpächters gefundenen Geifvögel (Mäusebussarde)Fünf der insgesamt sieben im Revier des tatverdächtigen Jagdpächters gefundenen Geifvögel (Mäusebussarde)Die Fang-Voliere sowie die aktive Leiterfalle standen in Sichtweite vom Wohnhaus des zuständigen Jagdpächters und wenige Meter entfernt von einem weiteren Hochsitz. "Kurz nach Eintreffen der Polizei erschien der Jäger und wollte wissen, was wir in seinem Revier machen würden", so Axel Hirschfeld. Der Mann gab zwar zu, Besitzer der Voliere zu sein, bestritt aber, etwas von den toten Greifvögeln zu wissen. Als der Mann von einem Vogelschützer in Gegenwart der Polizisten gefragt wurde, warum er die Lockkrähe nicht wenigstens mit Wasser versorgt habe, erklärte dieser, er wolle sich ab jetzt nicht mehr zu dem Sachverhalt äußern, und verschwand.

Auf das Revier aufmerksam wurden die Vogelschützer nach dem Hinweis eines Spaziergängers, der im März eine der drei Leiterfallen entdeckt und das Komitee verständigt hatte.

Diesem Mäusebussard ragt noch der mutmaßliche Giftköder aus dem SchnabelDiesem Mäusebussard ragt noch der mutmaßliche Giftköder aus dem SchnabelHabichte gehören zu den vom Gesetzgeber streng geschützten Tierarten. Der Bestand dieser Vogelart hat nach Angaben des Komitees in einigen Bereichen Deutschlands in den letzten Jahren stark abgenommen. Ein Grund dafür sind illegale Verfolgungen durch Taubenzüchter und Jäger, die in den seltenen Greifvögeln unliebsame Konkurrenten um Haustiere und Jagdbeute sehen. Das Nachstellen und der Fang von Greifvögeln sind nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes (§§ 44 und 71) Straftaten, die mit hohen Geldstrafen oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden können. Sollte es sich herausstellen, dass ein Jagdscheininhaber der Täter war, droht ihm zusätzlich der Verlust der Jagdlizenz.

V.i.S.d.P/Rückfragen/Bildmaterial : Alexander Heyd, Komitee gegen den Vogelmord, An der Ziegelei 8, 53127 Bonn, Tel.: 0228/665521 oder 01722191542

Die namensgebende Fangöffnung einer der LeiterfallenDie namensgebende Fangöffnung einer der Leiterfallen


Die trichterförmige Fangöffnung in der angeblichen "Fasanerie" - ein Reusensystem, in das der Vogel hinein-, aber  nicht mehr herauskommtDie trichterförmige Fangöffnung in der angeblichen "Fasanerie" - ein Reusensystem, in das der Vogel hinein-, aber nicht mehr herauskommt


Gerettet! Die Krähe, die in einer Leiterfalle als Köder diente, wurde einer Tierärztin zur Pflege übergeben.Gerettet! Die Krähe, die in einer Leiterfalle als Köder diente, wurde einer Tierärztin zur Pflege übergeben.