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Lengerich: Jäger beim Auslegen von Giftködern gefilmt
Gift-Eier enthielten illegales Insektizid - Polizei leitet Strafverfahren ein
Pressemitteilung, 20. August 2010
Die Giftköder aus Lengerich waren auf Aluminium-Folie ausgelegtLengerich. Die Serie von illegalen Greifvogelverfolgungen im Münsterland sorgt weiter für Wirbel. Im Kreis Steinfurt haben Zeugen einen Jäger dabei beobachtet, wie er vergiftete Köder auf einem Acker ausgelegt hat. Die Köder wurden von der Polizei bereits im Mai sichergestellt und zur Untersuchung an das Chemische Veterinäruntersuchungsamt in Münster geschickt. Das Ergebnis der Analysen liegt jetzt vor: Alle Köder enthielten hohe Dosen des in Deutschland streng verbotenen Insektizides Carbofuran.
„Wir haben heute Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Chemikaliengesetz erstattet“, berichtet Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Auf einem Video, das dem Komitee vorliegt, ist zu erkennen, wie ein Mann auf einem Acker herumläuft und etwas auf den Boden legt. Dabei habe es sich laut Komitee um ein vergiftetes Eigelb gehandelt, das auf einem Stück Alufolie ausgebracht worden war. Um die Alufolie herum habe der Mann eine Art Nest aus Moos gebaut - offenbar um Vögel anzulocken. Später wurden solche "Giftnester" an insgesamt drei Stellen des Lengericher Jagdrevieres entdeckt.
„Wir gehen davon, dass mit den Ködern gezielt Greifvögel getötet werden sollten“, so Hirschfeld. Laut Komitee sind Greifvögel vielen Jägern immer noch ein Dorn im Auge, da sie sich unter anderem auch von Fasanen und Hasen ernähren.
Carbofuran ist ein starkes Nervengift und wurde im gewerblichen Pflanzenanbau als Insektizid eingesetzt. Der Wirkungsmechanismus beruht auf einer Hemmung des Enzyms Acetylcholinesterase, was zur Anhäufung von Acetylcholin in den postsynaptischen Membranen von Vögeln führt. Vergiftete Tiere sterben an einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen. Carbofuran ist auch für Menschen hochgefährlich. Angesichts der Tatsache, dass die in Lengerich entdeckten Köder große Ähnlichkeit mit Osternestern haben, besteht besonders Gefahr für Kinder
Die Anwendung von Carbofuran ist in der Europäischen Union seit dem 13. Dezember 2008 verboten (Entscheidung der Europäischen Kommission Nr. 2007/416/EG vom 13. Juni 2007). Vertrieb, Verkauf und Besitz von Aldicarb und Carbofuran sind in Deutschland nach dem Chemikaliengesetz strafbar.
Der Fall aus Lengerich ist nur einer aus einer ganzen Reihe von Fällen von Greifvogel-Wilderei aus dem Münsterland. Nachdem zu Beginn des Jahres zwei illegal aufgestellte Fallen zum Fang von Habichten in der Gemeinde Saerbeck von Mitgliedern des Komitees gefunden wurden, entdeckten Spaziergänger im April und Juni bei Ostbevern mehrere vergiftete Mäusebussarde. Auch hier ergaben die Ermittlungen der Polizei, dass die Tiere mit Carbofuran getötet wurden. Ein Verdächtiger konnte damals jedoch nicht ermittelt werden.
Angesichts der Vielzahl von Fällen im nördlichen Münsterland, rät das Komitee allen Hundebesitzern, ihre Schützlinge bei Spaziergängen in den Bereichen Lengerich und Ostbevern an die Leine zu nehmen und verdächtige Köder, Fanggeräte oder tote Greifvögel an die Polizei oder alternativ auch an die Vogelschützer (Tel.: 0228/665521) zu melden.
Greifvögel sind in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Dem mutmaßlichen Giftleger von Lengerich drohen eine hohe Geld- oder Haftstrafe sowie der Verlust der Jagderlaubnis.
V.i.S.d.P. V.i.S.d.P. und Kontakt für weitere Informationen: Axel Hirschfeld, Tel.: 0228/665521 oder Tel. 01794803805, Email: axel.hirschfeld@komitee.de







