Printer-friendly version

Gefährdete Kornweihe abgeschossen

Vogel lag tot auf dem Feld bei Hückelhoven

Pressemeldung vom 25.02.2008

Heinsberg. Naturschützer sind schockiert: Ein unbekannter Täter hat bei Hückelhoven (Kreis Heinsberg) einen der seltensten Greifvögel Deutschlands, eine Kornweihe, abgeschossen. Wie das Bonner Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, wurde der tote Vogel in der letzten Woche frischtot in der Feldflur zwischen Altmyhl und Gerderath von Mitarbeitern des Verbandes entdeckt. „Bei der Untersuchung des Kadavers fiel uns eine Wunde im rechten Flügel des Tieres auf, die wir als Schussverletzung deuteten“, so Komiteevorsitzender Heinz Schwarze. Eine Röntgenaufnahme in einer Bonner Tierarztpraxis bestätigte am Freitag den Verdacht. Der Vogel wurde erlegt – und zwar mit einer Schrotflinte. Im linken Flügel und im Oberschenkel sitzen zwei Schrotkörner. Offensichtlich hat der Vogel noch längere Zeit mit dieser Verletzung gelebt, bis er schließlich qualvoll verendete, so die Vermutung der Vogelschützer.

Der aktuelle Abschuss im Kreis Heinsberg ist der traurige Höhepunkt einer ganzen Serie von Greifvogelverfolgungen in der Region. Allein in den letzten 12 Monaten sind im Bereich der Jülich-Zülpicher Börde mehr als ein Dutzend ähnliche Fälle registriert worden, darunter vergiftete Bussarde bei Dremmen, im Kreis Düren und bei Kall, Giftköder in Frilinghofen, ein abgeschossener Sperber bei Vettweiß, Habichtsfangkörbe rund um Disternich, ein erlegter Uhu bei Schleiden, Schüsse auf Turmfalken im Rhein-Sieg-Kreis und in Mönchengladbach.

„Wir gehen davon aus, dass es sich nicht nur um Einzeltäter, sondern um ein Netzwerk mit absehbaren negativen Wirkungen für bedrohte Arten handelt. Jagdinteressen spielen dabei offenbar die Hauptrolle“, meint Biologe Axel Hirschfeld, der in einer Studie mehr als 50 Fälle von illegalen Greifvogel-Tötungen aus dem Rheinland untersucht hat. „Viele Jäger, ganz besonders Pächter von sog. Niederwildrevieren, sehen in Greifvögeln lästige Konkurrenten um Fasane oder Rebhühner, die ihrer Meinung nach ausgerottet oder zumindest reguliert werden müssen“. Und auch beim Kornweihenabschuss könnten Jäger die Hand im Spiel haben, darauf weist zumindest der Fundort in der Nähe jagdlicher Einrichtungen und die verwendete Muntion hin. Die Vogelschützer haben heute die Staatsanwaltschaft Aachen informiert und Anzeige wegen Jagdwilderei erstattet. Schwarze „Wir haben sehr deutlich gemacht, dass es sich hier nicht um eine Allerweltsart, sondern um eine streng geschützte Rarität handelt“.

Kornweihen sind kleine, schlanke Greifvögel, die in Deutschland nur noch an der Nordseeküste brüten. Der Gesamtbestand in Deutschland wird auf kaum noch 50 Paare geschätzt. Die Art wird in der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten als „stark gefährdet“ eingestuft und ist Ziel zahlreicher Schutzprogramme im In- und Ausland. Im Rheinland sind die Weihen seit mehr als 55 Jahren als Brutvogel ausgestorben. Bei den in der Jülich-Zülpicher Börde nachgewiesenen Tieren handelt es sich meist um überwinternder Zugvögel, die im Frühling wieder zurück in ihre Brutgebiete im Norden ziehen.

V.i.S.d.P: KgdV, A.Heyd, An der Ziegelei 8, D-53127 Bonn, weitere Informationen, Fotos, Röntgenbild: Tel.-Nr. 0228/665521 oder 0179/4803805