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Illegale Greifvogelverfolgung in NRW - ein Kavaliersdelikt?

Trotz eindeutiger gesetzlicher Verbote ist die Verfolgung geschützter Vogelarten in NRW und anderen Bundesländern nach wie vor ein verbreitetes Phänomen.

Für den Bereich der Niederrheinischen Bucht (Nordhein-Westfalen) wurden in den Jahren 2000-2007 insgesamt 51 verschiedene Vorfälle bzw. Deliktserien bekannt, bei denen mindestens 98 Vögel von 15 verschiedenen Arten illegal getötet, gefangen oder verletzt wurden. Betroffen waren u.a. 36 Mäusebussarde (Buteo buteo), 6 Habichte (Accipiter gentilis), 5 Turmfalken (Falco tinnunculus), 4 Rotmilane (Milvus milvus) und 3 Uhus (Bubo bubo). Das Spektrum der von den Tätern angewandten Methoden reicht vom Abschuß über den Einsatz von Habichtfangkörben und Tellereisen bis hin zu Lebendfallen. In insgesamt 14 Fällen wurde Vergiftung registriert bzw. es bestand begründeter Verdacht auf eine Vergiftung (lesen Sie hierzu auch Vergiftete Greifvögel und kein Ende, Jagdpächter mit illegaler Vogelfalle erwischt, Polizei ermittelt gegen Jäger in Heiligenhaus und Unbekannter schoss auf den Vogel des Jahres).
Trotz des großen öffentlichen Interesses an der Aufklärung von Delikten im Umweltbereich wurden 97% aller bisher abgeschlossenen 34 Ermittlungsverfahren ergebnislos eingestellt. In einem Fall, in dem es zu einer Anklage kam, ist der Täter jedoch zu einer Haftstrafe von 3 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Ein Greifvogelhändler wurde für den illegalen Besitz von Greifvögeln zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Da es sich bei den bekannt gewordenen Taten bzw. Naturentnahmen aller Erfahrung nach nur um die Spitze eines Eisberges handelt ist von einer Vielzahl weiterer Fälle und Opfer auszugehen. Fundumstände und Lage der Tatort weisen bei der Mehrheit der Fälle auf Jäger und Geflügelhalter als Täter hin.

Das Komitee gegen den Vogelmord hat in der Zeitschrift der Rheinisch-Westfälischen Ornitholgen "Charadrius" im Januar 2007 einen Artikel mit dem Titel "lllegale Verfolgung geschützter Vogelarten in der Niederrheinischen Bucht – ein Kavaliersdelikt?" veröffentlicht, in dem die im Untersuchungsgebiet in NRW gemachten Erfahrungen und die Möglichkeiten für einen besseren Schutz der betroffenen Arten diskutiert werden.

Sie können die Zeitschrift "Charadrius" (Jahrgang 43, Heft 1/2007), die weitere interessante Artikel bereithält, bei der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft (NWO) bestellen.