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Pressemitteilung Montag, 22. August 2011
Illegaler Fang von Habichten in Heek - Jäger unter Verdacht
Polizei stellt verbotene Fanggeräte sicher
Mit einer Reusenfalle gefangener Habicht in Heek (Kreis Borken/NRW)Heek. Die Serie illegaler Greifvogelverfolgungen im Kreis Borken geht weiter. Rund um eine von Jägern betriebene Fasanerie in der Nähe von Heek sind offenbar seit Jahren streng geschützte Habichte gefangen und getötet worden. Wie das Bonner Komitee gegen den Vogelmord mitteilt, haben Mitarbeiter des Vereins die versteckt in einem Feldgehölz am Wessumer Damm gelegene Anlage nach einem Hinweis aus der Bevölkerung in den letzten Wochen mehrfach aufgesucht. Dabei wurden Beweise für zahlreiche schwere Straftaten nach dem Naturschutz- und Jagdgesetz gesammelt, so der Verband. Als am Freitag erneut zwei lebende Habichte in den Fallen saßen, schalteten die Vogelschützer die Polizei ein. Die Beamten stellten zwei illegale Fallen sicher und leiteten ein Strafverfahren ein.
Entdeckt wurden die Fallen bereits vor drei Wochen. „Wir haben einen anonymen Hinweis erhalten, dass Jäger in diesem Wäldchen gezüchtete Fasane illegal aussetzen und Greifvögel fangen“, so Komiteesprecher Axel Hirschfeld. Bei einer Kontrolle Anfang August fanden Mitarbeiter des Verbandes in dem Wald tatsächlich eine riesige Voliere mit zahlreichen Fasanen und Hühnern vor. In unmittelbarer Nähe standen drei illegale Greifvogelfallen, von denen zwei mit lebenden Tauben beködert waren. In einer dieser Falle lagen auch zahlreiche Federn älterer Lockvögel eines Habichts, der kurz zuvor damit gefangen worden war, so das Komitee.
Bei den Fanggeräten handelte es sich um zwei mit lebenden Locktauben beköderte sog. Leiterfallen und einen Fangkorb aus Draht. Die teilweise aus Holzlatten errichteten Konstruktionen waren laut Komitee mindestens 5 bis 6 Jahre alt und wiesen zahlreiche Gebrauchsspuren auf. Weiterhin wurden ein selbstgebauter Fangkäfig aus Draht und eine dritte Leiterfalle gefunden, die allerdings völlig zugewachsen und offenbar seit Jahren nicht mehr benutzt worden war.
Komiteemitarbeiter und Polizei bei der Ortsbesichtigung am 19.08.2011Am vergangenen Freitag besuchte Komiteemitglied Robert Meuffels das Wäldchen erneut und musste zu seinem Entsetzen feststellen, dass sich in zwei der Leiterfallen jeweils ein frisch gefangener Habicht befand. „Ein Tier konnte ich freilassen, bei der zweiten Falle war das ohne Hilfe nicht möglich“, so Meuffels. Der Vogelschützer bat deshalb einen Kollegen um Unterstützung und verabredete sich mit ihm in Heek. Als die beiden Männer jedoch zu der Falle zurückkamen, war der Habicht verschwunden. Kurze Zeit später traf auch ein Streifenwagen der Polizeiwache Gronau am Tatort ein, dessen Besatzung vor Ort Beweise sicherte und zwei der Fallen abtransportierte.
Leiterfallen sind Geräte für den Lebendfang, die wie Reusen funktionieren. Angelockt durch eine lebende Ködertaube fallen Greifvögel durch eine leiterartige Öffnung im Dach hinein, können aber nicht wieder nach oben hinaus fliegen. Das Aufstellen dieser Fallen und die Verwendung lebender Lockvögel sind nach dem Naturschutz- und Jagdgesetz verboten. Wer dagegen verstößt, kann mit hohen Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.
Habichte gehören zu den durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützten Tierarten. Der Bestand dieser Vogelart hat nach Angaben des Düsseldorfer Umweltministeriums in einigen Kreisen von NRW in den letzten Jahren stark abgenommen. Ein Grund dafür sind illegale Verfolgungen durch Taubenzüchter und Jäger, die in den seltenen Greifvögeln unliebsame Konkurrenten um Jagdbeute sehen. Der Kreis Borken ist nach Angaben des Komitees eine der Hochburgen der illegalen Greifvogelfangs in NRW. Für Wirbel sorgte zuletzt der Fall eines Jägers aus Reken, der mit einer Leiterfalle Greifvögeln nachstellte und dabei von Mitgliedern des Komitees gefilmt wurde. Der Mann wurde wegen Wilderei verurteilt und verlor seinen Jagdschein. In zwei weiteren Fällen, bei denen es ebenfalls um das Aufstellen illegaler Fallen für Greifvögel im Kreis Borken geht, haben die zuständigen Staatsanwaltschaft inzwischen ebenfalls Anklage erhoben.
V.i.S.d.P.: Komitee gegen den Vogelmord e.V., Heinz Schwarze, An der Ziegelei 8, 53127 Bonn
Update 02.03.2012:
Amtsgericht Münster verurteilt Jagdpächter aus Heek (02.03.2012)
Der Jäger aus Heek ist letzte Woche vom Amtsgericht Münster wegen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 1.250 Euro verurteilt worden. Zusätzlich wurde der Jagdschein des Mannes eingezogen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im August 2011 im Bereich einer illegal errichteten Fasanerie bei Heek mehrere Habichte mit illegalen Fallen gefangen hat. Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord hatten die illegalen Fallen seinerzeit entdeckt und die Polizei alarmiert.
Fotodokumentation zum Download
Eine Fotodokumentation zu dem Fall in Heek finden Sie hier:
| Anhang | Größe |
|---|---|
| Fotodokumentation Greifvogelverfolgung Heek 08 2011.pdf | 2.63 MB |







