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Düren: 82 tote Greifvögel in Jagdrevier gefunden
Komitee deckt Europas größtes Greifvogelmassaker auf - Staatsanwaltschaft klagt Jäger an
Am 01.04.2008 haben Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord und der Biologischen Station des Kreises Düren östlich von Vettweiß-Disternich (Nordrhein-Westfalen) binnen 2 Stunden insgesamt 29 tote Greifvögel gefunden. Es handelte sich um 21 Mäusebussarde, 1 Rotmilan, 1 Sperber, 1 Habicht und Skelette von 5 weiteren Greifen. Beamte der umgehend informierten Polizei haben 19 tote Tiere sichergestellt. Die restlichen Vögel blieben vor Ort, weil sie so weit verwest waren, daß von ihnen keine Gefahr mehr ausging.
Etwa die Hälfte der Vögel war frisch tot. Die Fundumstände deuten auf den Einsatz von Gift hin - in dem betroffenen Gebiet wurden in den vergangenen Monaten immer wieder tote Greifvögel gefunden, die nach Analysen des Staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes Krefeld mit dem verbotenen Insektizid Carbofuran getötet worden waren. Dem am 01.04. gefundenen Rotmilan hing noch ein Fleischköder aus dem Schnabel, den er offenbar nicht mehr hinunterschlucken konnte - ein typischen Anzeichen fur die Verwendung eines schnell wirkenden Nervengiftes. Auch die Umstände der Fundhäufung auf der kleinen Fläche - die Tiere lagen auf kaum 5 Hektar - und die unmittelbare Nähe zu Hochsitzen und Wildfütterungen lassen natürliche Ursachen für den Tod der geschützten Vögel als unwahrscheinlich erscheinen.
Der Jagdpächter des Revieres bei Vettweiß-Disternich wurde im Januar 2007 von Komiteemitarbeitern dabei gefilmt, wie er einen nachweislich vergifteten Bussard von einem Feld auflas, geradewegs zu einem illegal aufgestellten Habichtfangkorb (eine Greifvogelfalle) ging, sich an dem Gerät zu schaffen machte und dieses dann - als er den Vogelschützern gewahr wurde - schleunigst abbaute. Vor laufender Kamera bestätigte der Mann seinerzeit, er habe die Falle aufgestellt. Seither ermitteln Staatsanwaltschaft Aachen und Polizei fieberhaft.
Mit dem Fund vom 01.04.2008 wurden in dem nur 4 Quadratkilometer großen Gebiet in Düren seit Mai 2003 insgesamt 59 tote Greifvögel gefunden, 58 davon in den letzten 15 Monaten. Dazu kommen 4 illegal aufgestellte Vogelfallen (darunter 3 Habichtfangkörbe) und mehrere mit Carbofuran getränkte Giftköder.
Es handelt sich um den größten in den vergangenen Jahren aufgedeckten Fall von Greifvogelverfolgung in Deutschland, vielleicht sogar Europas. Der Schaden, der an der Vogelwelt in dieser ansonsten artenreichen Feldlur angrichtet wurde - und zweifellos noch wird - ist bislang unabsehbar.
Mehr zu dem Fall finden Sie hier. Eine Chronik der Vorfälle können Sie hier einsehen.
Update vom 02.04.2008
Am 02.04.2008 haben Mitarbeiter des Komitees gegen den Vogelmord in Begleitung eines WDR-Kamerateams 7 weitere tote Vögel im Revier Disternich gefunden. Es handelt sich um 4 frisch tote Mäusebussarde, 2 skelettierte Bussarde und einen Graureiher. Zwei der frischen Bussarde hatte ein Landwirt entdeckt und den Mitabeitern vor Ort gezeigt. Die gut erhaltenen Greife und der Reiher wurden der Polizei zur weiteren Veranlassung übergeben.
Die Polizei Düren berichtete, ihr sei am 01.04. ein weiterer toter Rotmilan aus Müddersheim gemeldet worden, kaum 2 km nördlich von Disternich.
Damit wurden in den letzten 24 Stunden auf kleinstem Raum östlich von Disternich 37 tote Vögel ausgemacht, seit Januar 2007 sind es 66!
Die Staatsanwaltschaft Aachen teilt mit, daß sie Anklage gegen den verdächtigten Jagdausübungsberechtigten von Disternich erhoben hat.
Kontrolle Disternich 03.04.2008
In Begleitung eines Sat 1-Kamerateams finden Komiteemitglieder im Revier östlich von Disternich auf kaum 100 Quadratmetern fünf weitere tote Greifvögel. Es handelt sich um die Skelette von vier Bussarden und einem Habicht. Die Tiere waren vom Täter zum Teil in Kaninchenlöcher gesteckt worden, damit sie nicht offen herumlagen. Vom Habicht waren nur die Spitzen der Schwanzfedern zu sehen!
Kontrolle Disternich 06.04.2008
Bei einer Kontrolle am Sonntagmorgen fanden Komiteemitglieder und ein Mitarbeiter der Biologischen Station südlich von Disternich unweit des Neffelbaches vier weitere tote Vögel. Es handelte sich um die verwesten Überreste eines Mäusebussards, eines Habichts und eines Graureihers. Besonders schockierend war der Fund eines Wiesenweihen-Männchens, einem der seltensten Greifvögel Deutschlands. Das Tier war vermutlich jenes, das beim Wiesenweihen-Projekt auf der Zülpicher Börde im vergangenen Sommer urplötzlich verschwand. Drei der Vogelkadaver lagen an derselben Stelle wie der nachweislich vergiftete Bussard, der am 29. Januar 2008 aufgefunden und von der Polzei sichergestellt worden war.
Fund 08.04.2008
Ein Zeuge meldet der Polizei einen toten Greifvogel im Bereich des Gestüts östlich von Disternich - die Beamten stellen den Vogel sicher. Zudem wird bekannt, daß ebendort bereits im April 2006 fünf tote Greife gefunden wurden. Die Gesamtzahl der im Revier Disternich seit März 2003 gefundenen toten Greifvögel steigt damit auf 82!
Übersicht getöteter Vögel Disternich 2007 - 2008
Diese Übersicht verdeutlicht das Ausmaß der illegalen Greifvogelverfolgung im Revier Disternich seit April 2003. Nähere Erläuterungen zu den einzelnen Fällen finden Sie in unserer Chronik.
| Vogelart | Anzahl |
|---|---|
| Mäusebussarde | 46 |
| Rotmilane | 6 |
| Habichte | 9 |
| Sperber | 1 |
| Graureiher | 3 |
| Wiesenweihe | 1 |
| unbestimmte Greifvögel | 16 |
| Gesamtsumme | 82 |







