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Ausverkauf im Paradies

Damit ein Hauch von Exotik auch durch deutsche Wohnstuben weht, sind weltweit Tierfänger unterwegs, um Nachschub für Tierimporteure in der EU zu besorgen. Vorsichtige Schätzungen gehen von jährlich mehreren Millionen Wildvögeln aus, die weltweit für Händler, Sammler und Zoos gefangen werden. Hauptumschlagplatz: Die Europäische Union.

Wildvögel gehören in die Freiheit - ein Käfig ist kein Lebensraum!Wildvögel gehören in die Freiheit - ein Käfig ist kein Lebensraum!Die Folgen dieses Millionengeschäfts reichen von der Zerstörung bestehender Populationsstrukturen bis hin zur Ausrottung ganzer Arten. Um das schleichende Aussterben gefiederter Exoten durch europäische Auftraggeber zu stoppen, hat das Komitee gegen den Vogelmord bereits in den 1990er Jahren zusammen mit dem renommierten World Parrot-Trust, dem Jane Goddall-Institut und anderen Verbänden von der EU-Kommission einen Importstopp für wildgefangene Vögel verlangt. Die in einer mehrseitigen Petition an die EU gerichteten Forderungen der EU-Wildvogelerklärung wurden von einer globalen Allianz von mehr als 220 Organisationen unterstützt. Im Jahr 2006 wurde die Einfuhr von Wildvögeln in die Europäische Union verboten.

Heute gehen wild gefangene und in die Europäische Union geschmuggelte Tiere unter der Ladentheke an die Kunden oder werden von findigen Tierhändlern als Nachzuchten "umgewidmet" und gehen dann sogar augenscheinlich legal in den Handel.

Ein Hauch von Exotik im Wohnzimmer: Wild gefangene GelbstirnamazoneEin Hauch von Exotik im Wohnzimmer: Wild gefangene GelbstirnamazoneBesonders leidtragend sind Papageien, die über mehr global bedrohte Arten als jede andere Vogelfamilie verfügen. Die "Rote Liste" enthält 94 Papageien-Arten, die momentan als verwundbar, gefährdet oder ernsthaft vom Aussterben bedroht eingestuft werden. Bei den meisten Papageienarten führt der Fang für den Heimtierhandel zu dramatischen Bestandseinbrüchen. Zahlreiche Studien aus den Tropen zeigten, dass vor allem Bestellungen aus Europa die entscheidende Triebfeder für diesen Handel sind. Beispiele wie der in freier Wildbahn ausgestorbene Spix-Ara oder das traurige Schicksal vieler asiatischer Kakaduarten belegen auf dramatische Weise, welch traurige Rolle der unselektive Massenfang beim Niedergang dieser wunderschönen Tiere spielt.

Bestehende Kontrollinstrumente wie das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sind nur teilweise durchsetzbar und versagen konsequent, wenn es um den Schutz bedrohter Arten in den Herkunftsländern geht. CITES Aufzeichnungen legen nahe, dass die Gesetze nicht auf aktuellen wissenschaftlichen Daten basieren, einfach zu umgehen sind, nur teilweise durchgesetzt werden, Zuwiderhandlungen allgemein toleriert und Sanktionen nur selten verhängt werden.
Durch die offenen Grenzen gelingt es den Schmugglern zudem immer öfter, die begehrte "Ware" nach Europa zu schaffen - Zöllner sind nicht selten schlecht für Bekämfung dieser Art von Umwelt-Kriminalität ausgebildet oder sind müssen sich mit der Eindämmung der Produktpiraterie und des Zigarettenschmuggels beschäftigen. Zeit für den Artenschutz bleibt immer seltener.