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Deutsche Vogel-Diebe zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt

Schwunghafter Handel mit geschützten Vogelarten
Nester in Griechenland, Spanien und Deutschland geplündert

Raritäten im Radkasten: Tierhändler T. schmuggelte Bruten samt Nestern in seinem  umgebauten VW-Bus aus Skandinavien nach DeutschlandRaritäten im Radkasten: Tierhändler T. schmuggelte Bruten samt Nestern in seinem umgebauten VW-Bus aus Skandinavien nach DeutschlandViele Jahre lang haben zwei Vogelhändler aus dem Münsterland die Nester bedrohter Vogelarten geplündert und deren Inhalt für viel Geld verkauft. Ausgerüstet mit einem Wohnmobil, in dem zuvor versteckte Brutmaschinen installiert wurden, führte die beiden Vogel-Raubzüge an den Küsten von Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Skandinavien, Griechenland und Spanien durch. Anschließend wurden die entnommenen Eier oder Jungvögel ins Münsterland geschmuggelt und von dort aus über das Internet verkauft. Im März 2012 wurden die beiden 63 und 59jährigen Angeklagten vom Landgericht Münster wegen zahlreicher Verstöße gegen das Bundesnaturschutzgesetz zu einer Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und zur Leistung von jeweils 250 Sozialstunden verurteilt. Zudem müssen sie die Kosten des Verfahrens in Höhe von 95.000 € tragen. Vorausgegangen war ein Mammutprozess, in dessen Verlauf die Beweise gegen die beiden Männer immer erdrückender wurden. Die hatten zuvor alle Vorwürfe abgestritten. Erst am neunten Verhandlungstag gaben die Vogeldiebe ihren Widerstand auf. Das Strafmaß im Visier räumten sie ein, Eier aus Nestern geschützter und streng geschützter Vogelarten entnommen zu haben.

Seeregenpfeifer für 100 Euro

"Doppelter Boden" im VW-Bus der Vogelschmuggler"Doppelter Boden" im VW-Bus der VogelschmugglerUm die geraubten Raritäten – u.a. Rotschenkel, Goldregenpfeifer, Kiebitze, Tüpfelsumpfhühner und Wiedehopfe – unterzubringen, hatte einer der Haupttäter den Garten hinter seinem Haus in eine riesige Menagerie mit Dutzenden Volieren und Käfigen umgestaltet. Gegenüber der für die Überwachung des Handels mit geschützten Tieren zuständigen Kreisverwaltung erklärten die beiden, bei den dort gehaltenen Tieren handele es sich um „Zuchterfolge made in Metelen“ und erhielt so die für den Verkauf notwendigen Vermarktungsgenehmigungen. Sobald die Zucht amtlich bestätigt war, wurden die Tiere im Internet inseriert und verkauft. Die Preise der Vögel richteten sich nach ihrer Seltenheit und lagen zwischen 50 und 1.500 Euro pro Stück. Kontrollen der zuständigen deutschen Behörden, bei denen der Betrug aufgeflogen wäre, fanden jahrelang nicht statt. Selbst als T. im Juni 2004 von Beamten der norwegischen Polizei an der Grenze zu Finnland mit mehr als 100 frisch gewilderten Vogeleiern erwischt wurde, hielt es in Deutschland keine der von den Skandinaviern infromierten Behörde für nötig, die angebliche Vogelzucht in Metelen genauer zu überprüfen. Inzwischen schaltete der Verdächtige, der mittlerweile mit einem Bekannten eine Züchtergemeinschaft gegründet hatte, fast wöchentlich neue Verkaufsanzeigen. Selbst stark gefährdete und extrem schwer zu haltende Arten konnten geliefert werden. „Sie können Seeregenpfeifer von uns für 100,- EUR per Stück bekommen. Sie müssten mir nur mitteilen, wann Sie nach Metelen kommen wollen“, schrieb der Bekannte von T. im November 2005 an einen Interessenten.

Polizei beschlagnahmt 250 Vögel

In einer professionellen Brutmaschine wurden Eier von Skandinavien nach Deutschland geschmuggeltIn einer professionellen Brutmaschine wurden Eier von Skandinavien nach Deutschland geschmuggeltNeben Bargeld brachten die gefälschten Bruterfolge den beiden auch ein erhebliches Renommee in Züchterkreisen. So wurde ein Vortrag von T. über "Haltung und Zucht von Limikolen" als Höhepunkt des 10. Niedersächsischen Cardueliden Stammtisches in Hannover angekündigt. Bundesweit galt das Duo aus Metelen inzwischen als Experten für die Haltung und die Beschaffung seltener Watvögel. Eine Überprüfung der Zuchten durch die Behörden im Kreis Steinfurt fand weiterhin nicht statt. Am 23. Juni 2005 erstattete das Komitee gegen den Vogelmord Anzeige wegen Verdachts auf illegale Einfuhr und Handel mit bedrohten Tierarten beim Kölner Zollkriminalamt. Doch dort wurden die Ermittlungen mit dem Hinweis eingestellt, der Mann habe ja bereits in Norwegen eine Geldstrafe erhalten und sei deshalb schon für seinen Schmuggelversuch bestraft worden. Währenddessen boten die angeblichen Meisterzüchter weiter geschützte Vögel im Internet an (siehe Tabelle unten).

Erst als im Jahr 2007 das Landeskriminalamt und die Kriminalpolizei Steinfurt die Ermittlungen übernahmen, kam Bewegungung in den Fall. Nachdem T. und sein Bekannter im Sommer 2007 im Internet erneut zahlreiche Seltenheiten, darunter Regenpfeifer, Kampfläufer und Neuntöter, angeboten hatten, schlugen die Ermittler zu. Am 1. August rückten rund 25 Beamte des Landeskriminalamtes und der Kreispolizei Steinfurt aus, um die Wohnungen und Grundstücke der beiden Tierhändler zu durchsuchen. Dabei stießen die Polizisten auf zahlreiche große Volieren, gefüllt mit Hunderten artengeschützten Singvögeln. Da viele Tiere nicht oder falsch gekennzeichnet waren und weder T. noch sein Zuchtfreund in der Lage waren, die legale Herkunft der Raritäten nachzuweisen, wurden mehr als 250 Tiere von 20 verschiedenen Arten, darunter Seeschwalben, Stelzenläufer, Wasseramseln, Brachschwalben, Rotkopfwürger und sogar ein junger Wachtelkönig beschlagnahmt und in ein Artenschutzzentrum gebracht. In einer Tiefkühltruhe wurden zudem 20 gefrorene Wasservogelkadaver sowie mehrere Eier entdeckt und sichergestellt. Nach Schätzungen des Komitees hatten die beiden Verdächtigen zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als fünf Jahren einen schwunghaften Handel mit seltenen Vögeln betrieben und dabei Hunderttausende von Euro eingenommen. Abgesetzt wurden die angeblich gezüchteten Seltenheiten fast ausschließlich über die Internet-Plattform Vogelnetzwerk.de, wo dubiose Händler und seriöse Züchter jedes Jahr Tausende europäische Vögel zum Verkauf anbieten, darunter auch immer wieder illegal beschaffte Tiere.

Vermarktung in großem Stil: Verkaufsangebote des Vogelhändlers T. auf der Internetplattform „Vogelnetzwerk.de“.

Datum 21.11.2004, 18:35 Uhr
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