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Künstliche Inseln für die Trauerseeschwalben

Komiteeprojekt zum Schutz des gefährdeten Vogels in Brandenburg

Die Trauerseeschwalbe ist in Deutschland vom Aussterben bedroht (© Cephas/Wikimedia Commons)Die Trauerseeschwalbe ist in Deutschland vom Aussterben bedroht (© Cephas/Wikimedia Commons)Trauerseeschwalben haben hohe Ansprüche an ihren Brutlatz: Es muss ein ungestörtes Gewässer sein, nicht zu flach und nicht zu tief, sonnig gelegen, ohne Strömung und vor allem muss es eines haben: Reichlich Wasserpflanzen. Denn die schwarzen Schönheiten bauen ihr Nest auf abgestorbenen Pflanzenteilen, die an der Wasseroberfläche treiben. Diese Vorliebe für heutzutage derart seltene Biotope hat die Trauerseeschwalbe an den Rand der Ausrottung gebracht. In der Norddeutschen Tiefebene brüten heute noch etwa 1.000 bis 1.300 Paare, in den letzten dreißig Jahren hat ihr Bestand in Deutschland um mehr als 50 % abgenommen.

Auch der europäische Vergleich ist ein wahres Trauerspiel: In allen west- und südeuropäischen Ländern nimmt die Trauerseeschwalbe deutlich ab, lediglich bei unseren osteuropäischen Nachbarn bleiben die Bestände (noch) stabil. Aber auch hier sind die großen noch verbliebenen Naturlandschaften von der Intensivierung der Landwirtschaft, von Straßenbau und Flurbereinigung bedroht.

Mit einem Schlauchboot werden die Nistinseln jedes Jahr neu ausgebracht.Mit einem Schlauchboot werden die Nistinseln jedes Jahr neu ausgebracht.Um die hochgradig gefährdete Vogelart zu unterstützen, hat das Komitee gegen den Vogelmord im Naturschutzgebiet "Pritzerber See" - einem Havelsee nordwestlich der Stadt Brandenburg - und auf einem Elb-Altarm bei Tangermünde eine Kolonie mit künstlichen Nisthilfen angelegt. Begonnen hat alles mit 30 kleinen Flößen, die im Frühling 2007 auf dem Pritzerber See ausgebracht wurden. Nach und nach kamen hier und an der Elbe bei Tangermünde weitere Inselchen dazu, inzwischen sind es über 90.

Die Nisthilfen müssen mittels Schlauchboot jedes Jahr neu montiert werden, damit sie nicht durch Hochwasser gefährdet werden. Die leichtgewichtigen Flöße werden jeden Frühling mit langen Schnüren, die Wasserstandsschwankungen nach Regenfällen ausgleichen können, am Seeboden verankert. Für das Winterhalbjahr werden die Brutflöße abgebaut.

Brütende Trauerseeschwalben auf den Komitee-Nistinseln am Pritzerber SeeBrütende Trauerseeschwalben auf den Komitee-Nistinseln am Pritzerber SeeDie im Mai aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurückgekehrten Trauerseeschwalben haben die neuen Nistgelegenheiten sofort angenommen: Im Sommer 2012 haben 36 Brutpaare auf unseren Nistinseln ihre Jungen aufgezogen - am Pritzerber See 11 Paare (mit 11 ausgeflogenen Jungvögeln), an der Alten Elbe bei Jerichow waren es 25 Paare (hier 29 ausgeflogene Jungvögel). Auf einem Teil der kleinen Flöße brüteten in manchen Jahren Lachmöwen (z.B. 25 Paare in 2010).

Die "Komitee-Seeschwalbenkolonie" liegt direkt am Rande des europaweit einzigartigen Havel-Renaturierungsprojektes des NABU. Zwischen Pritzerbe und der Mündung der Havel in die Elbe werden in den nächsten Jahren 18.700 Hektar Auenlandschaft wieder in einen natürlichen Zustand versetzt. Dabei werden auch zahlreiche Alt- und Totarme der Havel wiederhergestellt, in denen die Trauerseeschwalben zukünftig wohl auch wieder natürliche Brutplätze finden werden. Bis es soweit ist, wird das Komitee gegen den Vogelmord die Kolonie am Prizerber See weiter ausbauen.

Das Projekt wird ausschließlich über Spenden finanziert - wir erhalten keine öffentlichen Mittel für unsere Aktion zum Schutz der Trauerseeschwalben.