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Tierhandel im Internet

Vor wenigen Jahren noch musste man sich in dubiose, halbseidene Geschäfte in abgelegenen Gassen begeben, um illegale Präparate und Felle geschützter Tiere zu erstehen. Im Internetzeitalter ist die „heiße Ware“ dagegen nur noch ein Mausklick weit entfernt.

Amsel-Präparat auf Ebay-SeiteAmsel-Präparat auf Ebay-Seite„Marktführend“ im Online-Handel mit geschützten Tieren oder Produkten aus solchen Arten war bis weit in das Jahr 2004 das Internetauktionshaus „ebay“. Das Komitee gegen den Vogelmord hatte im Dezember 2002 binnen 30 Tagen über 1.600 illegale Tierauktionen auf der Internetplattform des in Potsdam ansässigen Unternehmens festgestellt. Verkauft wurde alles: Von Elefantenstoßzähnen und Ozelotmänteln über Greifvogelpräparate bis hin zu Krokodilledertaschen und Kaviar. Die Anbieter – so stellte das Komitee fest – hatten fast allesamt keine für den Verkauf notwendigen Papiere. Der Umsatz mit diesen Produkten betrug bei "ebay" alleine im Dezember 2002 rund 95.000 Euro.

Das Komitee gegen den Vogelmord veröffentlichte diese Zahlen im Frühjahr 2003 und erstattete gegen die Händler wie auch gegen „ebay“ Anzeige. Rechtsgrundlage bei der Anzeige gegen das Internetauktionshaus war das Teledienstgesetz, das Anbieter von Online-Plattformen verpflichtet, für die Rechtmäßigkeit der auf ihren Seiten vorgenommenen Geschäfte zu sorgen.
Zoll und Artenschutzbehörden beschlagnahmten in der Folgezeit Hunderte Präparate geschützter Tierarten sowie Felle und Dutzende Kilogramm Kaviar bei den von uns angezeigten Händlern. Nach langem Drängen lenkte auch „ebay“ ein und begann im Sommer 2004 mit der systematischen Überwachung der Auktionen auf seinen Seiten. Seither erhält jeder Anbieter beim Einstellen von verdächtigen Artikeln automatisch eine vom Komitee gegen den Vogelmord für „ebay“ entworfene Warnmeldung, die ihn auf natur- und artenschutzrechtlichen Bestimmungen hinweist. Illegale Tierauktionen, die dennoch gestartet werden, werden meist binnen weniger Stunden von „ebay“ selbst gelöscht.

Die Anbieter der illegalen Produkte sind zur Zeit weitgehend aus dem Netz verschwunden. Es gibt zwar weniger gut zugängliche und nur Eingeweihten bekannte Seiten für den Handel mit Produkten aus geschützten Tierarten, eine „offene Szene“ mit Umsätzen im Millionenbereich – wie auf den „ebay“-Seiten bis Mitte 2004 – gibt es derzeit aber nicht. Komiteemitarbeiter recherchieren weiterhin auf den Seiten von Internet-Auktionshäusern und werden aktiv, wenn illegale Tierverkäufe entdeckt werden.

Die Ebay-Studie des Komitees gegen den Vogelmord aus dem 2003 mit allen Daten zum damaligen online-Handel mit geschützten Tieren auf der Internetplattform können Sie hier downloaden:

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